
Oslo, 19. Mai 2026. Der norwegische Energiekonzern Statkraft AS will in den nächsten zehn Jahren rund 80 Milliarden NOK investieren, 70 Milliarden davon allein in Wasserkraft. Diese Investitionsentscheidung präsentierte das Unternehmen auf der Statkraft-Konferenz 2026. Die Investitionen werden rund 1 TWh zusätzliche Energie liefern. Die Prognose von 80 Milliarden NOK stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber der vorherigen Schätzung von 44 bis 67 Milliarden NOK aus dem Jahr 2024 dar. Dieser Anstieg sei auf ein größeres Projektportfolio, die Inflation und einen erweiterten Planungshorizont zurückzuführen, teilt das Unternehmen mit.
„Wir sind mit der Umsetzung unserer Investitionspläne in Norwegen auf einem guten Weg. Erst letzte Woche besuchte ich das Wasserkraftwerk Svean in Trøndelag, wo wir ein neues Kraftwerk für rund 1,2 Milliarden NOK errichten. In den vergangenen zwei Jahren haben wir fast vier Milliarden NOK in norwegische Wasserkraft investiert, und dieses Volumen wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Dies entspricht voll und ganz unserer neuen Strategie, Investitionen auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren“, erklärte Präsidentin und CEO Birgitte Ringstad Vartdal.
Etwa die Hälfte der Investitionen in Höhe von 80 Milliarden NOK sollen zur Instandhaltung bestehender Anlagen verwendet werden, um die aktuelle Erzeugungskapazität zu sichern. Die verbleibende Hälfte ist für Modernisierungen, Weiterentwicklungen sowie neue Kapazitäten und Produktionsmengen vorgesehen.
In den kommenden zehn Jahren sollen viele der größten Wasserkraftwerke Norwegens modernisiert werden. Statkraft hat bereits angekündigt, bis 2030 mindestens fünf große Modernisierungsprojekte zu initiieren. Diese Modernisierungen ermöglichen nach Angaben des Unternehmens deutliche Kapazitätserhöhungen und verbessern die Stromerzeugung zu Zeiten des größten Bedarfs. Dadurch können Preisspitzen reduziert und die Stromversorgung auch bei Windarmut sichergestellt werden .
Viele der Statkraft-Anlagen erreichen in nächster Zeit das Ende ihrer Betriebsdauer. Nore in Buskerud wurde 1928, Mår in Telemark 1948 und Aura in Møre og Romsdal 1953 in Betrieb genommen. Bei all diesen Anlagen prüft Statkraft derzeit Möglichkeiten zur Modernisierung und zum Aufbau leistungsstärkerer Anlagen, die in kritischen Momenten mehr Strom produzieren können.
In Alta soll die bestehende Anlage von zwei auf drei Generatoreinheiten erweitert werden, um so das Wasser nutzen zu können, das derzeit während der Hochwassersaison am Kraftwerk vorbeifließt.
Gleichzeitig steigt der Bedarf an Sanierungen und umfassenden Instandhaltungsarbeiten an Staudämmen und Kraftwerken. Statkraft ist beauftragt, mehrere ältere Staudämme zu verstärken, um sie widerstandsfähiger gegen stärkere Klimaschwankungen zu machen und strengere Sicherheitsauflagen zu erfüllen. Darüber hinaus müssen wichtige technische Anlagen in mehreren Kraftwerken ersetzt und Wassertunnel saniert werden.

Das Unternehmen plant im selben Zeitraum auch Investitionen in Windkraft. Drei Windparks von Statkraft nähern sich dem Ende ihrer Betriebsdauer, während neue Projekte in der Entwicklung sind. Wasserkraftprojekte erhöhen primär die Flexibilität und ermöglichen moderate Produktionssteigerungen, Windkraftprojekte hingegen können erhebliche zusätzliche Energie zu einem für die Industrie akzeptablen Preis liefern, heißt es in einer Pressemitteilung.
„Wenn wir die geplanten Investitionen für die Modernisierung und den Ausbau der Wasserkraft in den nächsten zehn Jahren zusammenrechnen, ergibt sich eine geringere zusätzliche Energieausbeute als beim geplanten Windpark Moifjellet allein. Norwegen benötigt mehr Strom, um eine stabile Versorgung der Industrie zu gewährleisten, und kurzfristig ist Windkraft die einzige Technologie, die dies leisten kann. Durch die Erneuerung alternder Windparks wollen wir die Leistung deutlich steigern und gleichzeitig die Anzahl der Turbinen reduzieren. Wir greifen dabei auf die Erfahrungen ähnlicher Modernisierungsprojekte in Spanien zurück. Unsere Schätzungen gehen davon aus, dass wir unsere Windenergieerzeugung in den nächsten zehn Jahren mehr als verdoppeln werden. Dies wird zu niedrigeren Strompreisen beitragen und Arbeitsplätze im ganzen Land sichern“, so Vizepräsident Pål Eitrheim.
Statkraft betont, dass diese Prognosen je nach Strombedarf und anderen Faktoren Änderungen unterliegen. Neue Projekte benötigen eine Genehmigung der norwegischen Wasser- und Energiebehörde (NVE), Windkraftprojekte sind zudem von den Genehmigungen der Kommunen abhängig. Das Unternehmen plant, Prioritäten zwischen den Projekten zu setzen und Investitionen nur dann zu tätigen , wenn diese vor der endgültigen Investitionsentscheidung die Rentabilitätskriterien erfüllen.
Der Verband Motwind Norge kritisiert die Investitionsentscheidung von Statkraft. Der Zuwachs betrage nur etwa 1 TWh an neuer Stromerzeugung, während weiterhin Milliarden in Windkraft und marktgerechte Stromerzeugung fließen werden. Motvind Norge ist der Ansicht, dass diese Investition die Fehlentwicklung der norwegischen Energiepolitik verdeutlicht.
