
18. März 2026. Ein erst jetzt bekannt gewordener Untersuchungsbericht des staatlichen Fahrzeugverwalters Norske tog vom November 2025 macht 83 gravierende Mängel der Züge auf der Sørlandsbanen bekannt, die von dem britischen Unternehmen Go-Ahead betrieben wird. Der Bericht wurde der norwegischen Rundfunkanstalt NRK zugespielt. Die Züge verkehren von Oslo nach Stavanger und auf der Arendalsbanen von Nelaug nach Arendal mit der Marketing-Bezeichnung als „Sørtoget“.
Die Mängel reichen von technischen Defekten wie Isolationsfehlern und losen Kabeln bis hin zur unzulässigen Verwendung von Klebeband zur behelfsmäßigen Fixierung von Schäden. Auch wurden Planen und Klebeband als provisorische Lösung verwendet, um beispielsweise herausgesprungene Fensterscheiben und Kabelschäden abzudecken. Zudem wurden Mängel an wichtigen technischen Komponenten wie Fahrmotoren, Kabeln und Fahrwerken festgestellt. Die Untersuchung hat auch Schäden durch Wassereintritt und Feuchtigkeit festgestellt. Norske tog zeigt mehrere Fotos von starker Staubbelastung. Diese findet sich sowohl in Sicherungskästen, Luken, Batteriekästen als auch in anderen technischen Schaltschränken. Mehrere der aufgelisteten Mängel können zu Kurzschlüssen und Bränden führen. Das sind sicherheitsrelevante Zustände, die eher an ein Entwicklungsland erinnern.

Norske tog hat Go-Ahead zu einem Aktionsplan zur Behebung der Mängel aufgefordert. Einen solchen hat die Gesellschaft im Dezember vorgelegt und berichtet nun laufend über den Fortschritt der Mängelbehebung. Der Untersuchungsbericht wurde auch an die Aufsichtsbehörde Statens Jernbanetilsyn gesendet. Die Mängel bei Go-Ahead sind allerdings schon längst bekannt. Deshalb hat die Regierung beschlossen, dass Vy die Strecken im Dezember 2027 ohne Ausschreibung übernehmen wird. Einen früheren Wechsel des Betreibers hat Verkehrsminister Jon-Ivar Nygård abgelehnt.
Auf der Sørlandsbanen waren die Züge 2025 als Folge der vielen technischen Mängel so unpünktlich wie auf keiner anderen norwegischen Strecke. Auch im Januar und Februar 2026 fielen über die Hälfte der Züge aus. Der gleichzeitige Rückgang der Passagierzahlen ist massiv. Die 2016 unter der Regierung von Erna Solberg gestartete norwegische „Jernbanerevolusjon“ (Eisenbahnrevolution), die in Europa weitreichendste Zerschlagung einer Staatsbahn, erweist sich endgültig als Fiasko.
Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch
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