
Oslo, 30. Juni 2026. Norwegische Industrieunternehmen steigerten 2025 ihren Umsatz, ihre Produktion und ihre Exporte. Die Aussichten für 2026 sind uneinheitlich – einige Branchen erwarten Wachstum, andere hingegen Rückgänge. Internationale Unruhen, Handelshemmnisse und Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit trüben die Prognose. Dies geht aus dem am 27. Januar veröffentlichten Wirtschaftsbericht des Industrieverbandes Norsk Industri hervor.
Der diesjährige Bericht zeigt deutlich eine zunehmend unsichere und unberechenbare Welt. Norwegische Industrieunternehmen arbeiten täglich daran, sich an die neue Realität anzupassen, strategische Entscheidungen für ihre Geschäftstätigkeit zu treffen und Maßnahmen zur Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu ergreifen. Die norwegische Industrie leistet hervorragende Arbeit, und die Wertschöpfung sowie die Beschäftigung sind erfreulicherweise gestiegen. Gleichzeitig sind viele Unternehmen von plötzlichen Veränderungen und Unsicherheiten der Rahmenbedingungen im In- und Ausland betroffen. „Unsere wichtigste Aufgabe für die Zukunft ist es daher, sicherzustellen, dass die Industrie hier im Inland über gute und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen verfügt und den bestmöglichen Marktzugang im Ausland erhält“, erklärt Harald Solberg, CEO von Norsk Industri, bei der Präsentation des Berichtes.
Er weist unter anderem darauf hin, dass die EU kurz vor Weihnachten Zölle auf Eisenlegierungen von außerhalb der EU eingeführt hat, um ihre eigene Industrie zu schützen. Diese Schutzzölle treffen Teile der norwegischen Industrie hart.
„Europa ist mit Abstand der wichtigste Markt für norwegische Exportunternehmen. Wir können es uns nicht leisten, dass der Zugang norwegischer Industrieunternehmen zum Binnenmarkt unsicher ist. Wir müssen in die protektionistischen Maßnahmen und die Industriepolitik der EU einbezogen werden. Daher fordert Norsk Industri eine politische Debatte darüber, wie wir uns enger an die EU-Zollunion für Waren anbinden können, die derzeit unter das EWR-Abkommen fallen“, so Solberg.
Die norwegische Industrie wird in den kommenden Jahren unter anderem geringere Investitionen in neue Großprojekte auf dem norwegischen Festlandsockel und damit einhergehend eine geringere Aktivität zahlreicher Zulieferbetriebe erleben. Andererseits ist es wichtig, verstärkte Investitionen in den Verteidigungssektor zu fördern, um die Aktivität norwegischer Industrieunternehmen anzukurbeln.
Geopolitische Spannungen und internationale Unruhen stellen norwegische Industrieunternehmen vor zahlreiche Herausforderungen. Viele dieser Herausforderungen lassen sich für Norwegen kaum direkt beeinflussen. Daher ist es entscheidend, sich auf das zu konzentrieren, was tatsächlich beeinflussbar ist. Der Wirtschaftsbericht verweist auf verschiedene norwegische Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit norwegischer Industrieunternehmen auch in einer turbulenten Welt stärken werden. „Dies betrifft sowohl die EU-Politik als auch die Besteuerung von Unternehmenseigentümern, Energiepreise, Vereinfachungen und den Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften“, so Solberg.
Wichtigste Erkenntnisse aus dem diesjährigen Bericht: Es gibt nach wie vor viele offene Stellen in der Branche, und viele Unternehmen berichten, dass es schwierig sei, die richtigen Fachkräfte zu finden.
Insgesamt stieg der Industrieumsatz im Jahr 2025 um acht Prozent, wobei die Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren groß sind. Das stärkste Wachstum zeigte sich in der Erdölindustrie, im Schiffbau, in der Elektronikindustrie, im Maschinenbau und in Teilen des Energiesektors, während Branchen wie die Metallindustrie, die Chemieindustrie und Baustofflieferanten mit einem anspruchsvolleren Markt konfrontiert sind.
Ein Drittel der Unternehmen rechnet im Jahr 2026 mit einem unveränderten Produktionsniveau im Vergleich zu 2025.
Die Mehrheit der Mitgliedsunternehmen geht von einem moderaten Wachstum bei Produktion und Umsatz aus, glaubt aber auch, dass der Rückgang der Investitionen ab 2025 anhalten wird.

Die ab 2026 sinkenden Investitionen in die Erdölindustrie werden künftig zu einer geringeren Aktivität in der Zulieferindustrie führen. Dies wird sich auf alle Zulieferer der Öl- und Gasindustrie auswirken; 42 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass ihr Umsatz ganz oder teilweise auf die Erdölindustrie entfällt.
Die verstärkte Aktivität im Verteidigungssektor führt zu einer erhöhten Produktion, höheren Investitionen und einer verstärkten Beschäftigung sowohl bei den Herstellern von Verteidigungsgütern als auch bei den Zulieferer, von denen viele für das Jahr 2026 ein Wachstum erwarten.
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