
Düsseldorf/Zerbst, 12. November 2025. Strahlender Sonnenschein empfing die Gäste am 12. November an der Kiesgrube Ost in Zerbst/Anhalt, die zur Eröffnung des größten PV-Batteriespeicher-Hybridkraftwerkes in Deutschland angereist waren. Das passte: Ein Solarpark braucht schließlich Sonne. Im Falle dieses speziellen Solarparks stellt es aber kein Problem dar, wenn die Sonne nicht scheint, denn 88 Batterie-Cubes mit je 16 Lithium-Ionen-Akkus und einer Gesamtleistung von 16 Megawatt speichern bis zu 57 Megawattstunden Strom. Ein Novum für Deutschland. Hier kann man den überflüssigen Strom der Solarmodule tagsüber speichern und abends oder nachts, wenn kein Solarstrom erzeugt wird, in das Stromnetz abgeben. Auf diese Weise erhöhen Batteriespeicher die Wirtschaftlichkeit des Solarparks und tragen gleichzeitig dazu bei, sowohl das Stromnetz als auch die Strompreise zu stabilisieren, heißt es in einer Presseerklärung von Statkraft.
In Nachbarschaft zum Solarpark drehen sich Dutzende Windräder. Bei einer Führung durch den 41 Hektar großen Solarpark erfahren die Gäste, dass – wenn der Wind nicht weht – auch für die Abnehmer des Windstroms Flaute herrscht. Eigentlich war geplant, das Speichersystem auch den Windkraftbetreibern in der Nachbarschaft zur Verfügung zu stellen. Aber das lassen die gesetzlichen Regelungen in Deutschland noch nicht zu.
Barbara Flesche, Executive Vice President Europe des Energiekonzerns Statkraft, trägt bei dem Rundgang demonstrativ eine Sonnenbrille, obwohl sich die Wolken inzwischen vor die Sonne geschoben haben. Die Klimaveränderungen sind für sie ein essentielles Thema. Die Situation sei dramatisch, sagt sie, und zählt viele Beispiele auf, wo Stürme, Hochwasser und Brände das Leben von Millionen Menschen in den vergangenen Jahren verändert haben. Sie weiß, wovon sie redet. Statkraft ist in mehr als 20 Ländern aktiv. „Bei Wind und Solar kommen wir gut voran“, erklärt Flesche. Aber jetzt brauchen wir die Speicher dazu.“
Sachsens Ministerpräsident Reiner Haseloff fordert dann auch ein Umdenken im Bereich der Erneuerbaren Energien im großen Stil. „Resilience“ sei das Schlüsselwort. Die Energiepreise müssten runter und die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Die Wertschöpfungskette müsse vervollständigt werden. Aber man brauche auch Zubau, und dieser müsse bei der Bevölkerung Akzeptanz finden.
Andreas Dittmann, Bürgermeister von Zerbst, und Stefan-Jörg Göbel, Country Manager Germany, können viele Geschichten über den Bau des Solarparks mit Energiespeichern erzählen. Hängengeblieben von all dem Stress ist die Tatsache, dass die Entwicklung der Anlage lediglich drei Jahre dauerte. Der eigentliche Bau vom Spatenstich bis zur Eröffnung lag mit nur zwölf Monaten genau im Zeitplan – ein Erfolg in Zeiten häufiger Bauverzögerungen. Und der Bau blieb auch im Rahmen der vorgegebenen Investitionssumme. Hier neigt Barbara Flesche leicht den Kopf. 45 Millionen Euro lautet die abschließende Investitionssumme.

Die Stadt Zerbst/Anhalt profitiert finanziell vom Projekt. Statkraft entrichtet neben der Gewerbesteuer eine freiwillige Kommunalabgabe. Über die Einnahmen in Höhe von rund 100.000 EUR pro Jahr kann Zerbst/Anhalt frei verfügen. Bürgermeister Andreas Dittmann weiß bereits, wie er das Geld einsetzen will. Der jetzige private Betreiber des Krankenhauses will sich aus Zerbst zurückziehen. Da käme eine Finanzspritze von 100.000 Euro gerade recht, wenn die Kommune das Krankenhaus erhalten will. „Das würden die Bürger direkt spüren“, sagt Dittmann. Die Einwohner müssten erleben, dass es nicht schlimm ist, erneuerbare Energien vor der Haustür zu haben.
Für das Hybridkraftwerk wurde nicht die gesamte Kiesgrube zugeschüttet. Mit 41 Hektar rund um den beliebten Badesee war Statkraft zufrieden. Die Zerbster können weiterhin in die Fluten springen.
Der 46,4-Megawatt-Solarpark erzeugt knapp 50.000 Megawattstunden Grünstrom pro Jahr – genug, um rund 14.000 Haushalte zu versorgen und jährlich etwa 32.000 Tonnen CO₂ einzusparen. Vier bis fünf Solarprojekte mit Batteriespeichern in einer Größenordnung wie in Zerbst will das norwegische Unternehmen in den kommenden Jahren in Deutschland realisieren. Die Erfahrungen beim Bau des Solarparkes mit Batteriespeicher dürften für dieses Vorhaben sehr hilfreich sein.
Der norwegische Energiekonzern Statkraft ist Europas größter Erzeuger erneuerbarer Energie. In Norwegen betreibt das Unternehmen zahlreiche Wasserkraftwerke. Darüber hinaus erzeugt der Konzern weltweit Strom aus Wind, Sonne und Gas, liefert Fernwärme und ist ein bedeutender Akteur im Energiehandel.
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