
Bergen, 3. Oktober 2025. Das Fylkestinget in Vestland, das kommunale Parlament, hat beschlossen, die Trolleybusse (Obusse) in Bergen bis 2030 stillzulegen. Man wolle sich die „Nostalgie“ dieser elektrischen Busse nicht mehr leisten. Stattdessen sollen auf der Linie 6, der einzigen Trolleybuslinie in Norwegen, künftig Hybrid-Autobusse zum Einsatz kommen. Skyss ist der zuständige Verkehrsverbund derProvinz (Fylke) Vestland. Deshalb wurde das Schicksal des Trolleybus in Bergen von weit außerhalb liegenden Kommunen mitbestimmt. Noch im Jahr 2020 wurden von der polnischen Solaris 10 neue Gelenk-Trolleybusse im Auftragswert von acht Millionen Euro beschafft und die Linie vom Strandkai-Terminal nahe dem Fischmarkt in den Stadtteil Lyngbø verlängert. Der neue Abschnitt vom Zentrum nach Lyngbø wird teilweise im Batteriemodus zurückgelegt.
In Skandinavien besteht außer in Bergen lediglich noch eine Trolleybuslinie im schwedischen Landskrona. In Bergen fahren die Trolleybusse auf der zwölf Kilometer langen Strecke vom Stadtteil Lyngbø über das Zentrum nach Birkelundstoppen, einer Anhöhe über der Stadt. Von der Haltestelle Haukeland Sykehus (Krankenhaus) kann die Talstation der Luftseilbahn auf den Aussichtsberg Ulriken erreicht werden. Der Trolleybusbetrieb wurde 1950 aufgenommen, um teilweise Tramlinien zu ersetzen. Die inzwischen stillgelegte Linie 5 führte von Mulen nach Møhlenpris.
Bemerkenswert gestaltete sich in Bergen die Fahrzeugbeschaffung. Das Nato-Mitglied Norwegen holte auch Offerten in der damaligen Sowjetunion und der ČSSR ein. Nach einem Probetrieb fiel die Wahl 1972 auf den in Osteuropa weit verbreiteten Škoda 9Tr. Es waren die einzigen Trolleybusse, die Škoda während des Kalten Krieges nach Westeuropa verkaufen konnte. Noch im gleichen Jahr wurden alle 20 Wagen abgeliefert. Die Fahrzeuge erwiesen sich als zuverlässig, doch hielt sich der Komfort in Grenzen. Aus der Schweiz kam 1976 der fabrikneue Gelenkbus 648 von FBW/BBC/SAAS zum Probeeinsatz. Der Wagen überzeugte und Ende 1976 bestellte Bergen vier dieser Fahrzeuge.

Die Nachteile des Trolleybusses sind die hohen Kosten für die Infrastruktur wegen den Fahrleitungen. Die Vorteile bestehen in der hohen Zuverlässigkeit und in den niedrigen Betriebskosten. Die umweltfreundlichen Trolleybusse können ohne Ladepausen fahren und belasten das Stromnetz gleichmäßiger. Sie sind auch keineswegs ein Auslaufmodell. So fahren Trolleybusse in der Schweiz in mehreren Städten wie in Zürich und Genf und sind dort ein Erfolgsmodell.
Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch
