
14. Juli 2025. Das Wetter spielt in Norwegen für die Eisenbahn eine überaus große Rolle. Man denkt dabei an das regelmäßig herrschende Chaos im norwegischen Bahnverkehr nach intensiven Schneefällen. Einmal mehr heißt es dann wieder: Buss for tog. Die Autobusse fahren, die Züge stehen still. Man wünschte es sich eigentlich umgekehrt. Doch staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, wenn auf einer der nördlichsten Eisenbahnstrecken der Welt im Sommer der Reisezugsverkehr wegen Hitze eingestellt wird. In den vergangenen Tagen erreichten die Temperaturen im Norden Norwegens über 30 Grad Celsius. Betroffen sind gegenwärtig die Reisezüge auf der Nordlandsbanen von Trondheim nach Bodø sowie auf der Merkåkerbanen von Hell nach Storlien.
Die Güterzüge fahren jedoch weiterhin. Somit gilt „Buss for tog“ für die Fahrgäste über die 729 Kilometer der Nordlandsbanen. Als Grund dafür wird die Gefahr durch „Solslynger“ angegeben. Mit diesen „Sonnenschlingen“ sind Gleisverwerfungen gemeint, die tatsächlich gefährlich sind und zu Entgleisungen führen. Bei Hitze dehnen sich die Schienen aus und können sich dabei verbiegen. Doch eine entscheidende Rolle spielt dabei die Qualität der Geleise – ob es alte verschlissene Geleise sind oder neue und gut unterhaltene Schienen. Leider ist dies in Norwegen häufig nicht der Fall. Übrigens fahren die Züge in Italien, Spanien und Portugal auch weiterhin trotz der sommerlichen Hitze.
Die Situation der Nordlandsbanen bleibt darüber hinaus sehr unbefriedigend. Seit dem schweren Zugunglück am 24. Oktober 2024 bei Bjerka und dem Verlust der betroffenen Diesellokomotive fahren zwischen Trondheim und Bodø keine Nachtzüge mehr. Die zuständige Norske tog findet angeblich keine Ersatz-Lokomotive. Dabei ist eine solche Ersatzlösung mit dem Golden Train auf der Raumabanen täglich unterwegs – nämlich mit einer Güterzug-Lokomotive und einem Elektrizität für die Reisezugswagen produzierenden Baucontainer auf einem mitgeführten Flachwagen.
Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch
