
Oslo, 16. Juni 2025. Die norwegische Ofotbanen ist 43 Kilometer lang und verläuft von Bjørnfjell im Gelände stetig abfallend bis zum Hafen Narvik. Die von Schweden als Malmbanan herkommende Strecke gilt als eine der schönsten Gebirgslinien Europas. Die Ofotbanen ist die meistbefahrene einspurige Strecke von Norwegen. Die schweren Erzzüge von LKAB und Kaunis Iron aus den schwedischen Minen machen den Großteil des Verkehrs aus. Die Strecke ist auch für Containerzüge zwischen Oslo und Narvik von großer Bedeutung. Nicht weniger als 90 Prozent der Lebensmittelversorgung Nordnorwegens erfolgt per Eisenbahn über Narvik. Auch einige Reisezüge befahren die Ofotbanen, darunter die Touristenzüge von Arctic Train.
In den letzten Jahren wurden alle Zwischenstationen der Ofotbahn (Bjørnfjell, Katterat, Rombak und Straumsnes) modernisiert und mit längeren Kreuzungsgleisen ausgestattet, um die Kapazität der Strecke zu erhöhen. Doch genügt das für die Zukunft noch nicht. Es wird erwartet, dass der Zugverkehr in den nächsten 20 Jahren weiterhin kontinuierlich wächst. Seit dem Beitritt Schwedens und Finnlands zur NATO ist die militärische Bedeutung der Strecke größer geworden. Hingegen sind die Forderungen nach einer durchgehenden Doppelspur aus topografischen Gründen unrealistisch.
Der norwegische Infrastrukturbetreiber Bane Nor hat aus diesen Gründen die Projektierungsarbeiten aufgenommen, um die Kapazität der Ofotbanen bis 2040 noch weiter zu erhöhen. Dies beinhaltet nebst technischen Modernisierungen hauptsächlich den Bau zusätzlicher Kreuzungsgleise in Haugfjell und Katterat sowie in Horisontalen.
Die heutige Station Søsterbekk besitzt kein Kreuzungsgeleise und nur einen kurzen Bahnsteig. Die Station wird aufgegeben und es wird einen Kilometer entfernt in Richtung Schweden ein Kreuzungsgeleise erstellt. Dort in Haugfjell entsteht auch eine neue Bahnstation, welche das heutige Søsterbekk ersetzen wird. Bei Haugfjell wird auch eine Schutzgalerie gebaut, die gleichzeitig als Brücke dient und den Menschen und Tieren einen sicheren Übergang über die Ofotbanen ermöglichen wird.
Zwischen Katterat und Rombak wird bei Horisontalen im steil abfallenden Gelände ein 1.500 Meter langes Kreuzungsgeleis gebaut. Davon verlaufen 1.200 Meter in einem Tunnel. Vor den beiden Portalen werden Schutzgalerien erstellt. Noch ist offen, wie auch der Bahnhof Katterat ausgebaut werden könnte.
Die in den vergangenen Jahrzehnten stetig heraufgesetzte Achslast soll nochmals erhöht werden, von derzeit 31 Tonnen auf 32,5 Tonnen. Damit die Erzzüge noch schwerer beladen werden können. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen erneut Schienen und Schwellen ersetzt sowie Brücken und Stützmauern verstärkt werden.
Die gesamten Entwicklungskosten für die vier kapazitätserhöhenden Projekte werden auf rund 2,6 Milliarden NOK geschätzt:
das neue Kreuzungsgleis in Søsterbekk: ca. 600 Mio. NOK;
das neue Kreuzungsgleis in Horisontalen: ca. 900 Mio. NOK;
das neue Gleis 3 in Katterat: ca. 300 Mio. NOK und
die erhöhte Achslast 32,5 Tonnen: ca. 800 Mio. NOK.
Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch
