
Oslo, 10. Juni 2026. Der durchgehende Zugverkehr auf der Bergensbanen ist seit 10. Juni 2025 bis auf Weiteres eingestellt. Der Grund besteht in einem abgerutschten Fundament einer Brücke zwischen Dale und Eidanger, auf dem als Vossebana bezeichneten Streckenabschnitt der Bergensbanen. Die Brücke führt über den Fluss Kvednhuselva, etwa 200 Meter östlich des Bahnhofs Bolstadøyri. Es ist derzeit noch ungewiss, wann die Strecke wieder eröffnet werden kann. Im günstigsten Fall könnte dies am Abend des 12. Juni möglich sein. Solange gilt auf diesem Abschnitt das bekannte „Buss for tog“. Nun muss Beton gegossen werden, um das Brückengemäuer zu stabilisieren. Danach muss der aufgetragene Beton noch aushärten, bevor die Brücke wieder freigegeben wird.
Entdeckt wurde der Schaden von einer Privatperson. Diese meldete den Schaden zunächst der Zeitung Avisa Hordaland, welche dann Bane Nor alarmierte. Es besteht die Vermutung, dass sich die Brücke schon seit dem Sturm „Jakob“ im letzten Herbst in diesem desolaten und gefährlichen Zustand befindet. Das wirft Fragen nach den Inspektionen durch Bane Nor auf. Der Infrastrukturbetreiber äußert dazu, die Brücke sei vor einem Jahr inspiziert worden und wäre im Laufe dieses Jahres erneut angeschaut worden – was auf einer Gebirgslinie nach einem Sturm allerdings kaum genügen dürfte.

Der norwegische Verband beratender Ingenieure „Rådgivende Ingeniørers Forening“ (RIF) hat den Zustand der Infrastruktur der norwegischen Eisenbahn in seiner Untersuchung mit der zweitschlechtesten Note 2 bewertet. Obwohl in den letzten Jahren rekordhohe Investitionen hauptsächlich in Neubauten erfolgt sind, hat sich der Zustand insgesamt nicht verbessert, nachdem die Infrastruktur zuvor über Jahre vernachlässigt wurde. Der Rückstau bei der Instandhaltung nimmt sogar noch weiter zu. Um die Situation nachhaltig zu verbessern, sind nach Einschätzung der Ingenieure die Investitionen in Höhe von 600 Milliarden NOK (52 Milliarden Euro) erforderlich.
Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch
