Norwegen weiterhin auf Platz eins der Rangliste der Pressefreiheit

Reporter ohne Grenzen bescheinigen norwegischen Medien eine große Unabhängigkeit von der Politik, gesetzlichen Schutz der Informationsfreiheit sowie traditionellen Pluralismus.©Reporter ohne Grenzen

Berlin, 2. Mai 2025. Zum achten Mal in Folge liegt Norwegen auf Platz 1 im Ranking der Länder mit der freiesten Presse. Gründe für die gute Platzierung sind unter anderem die große Unabhängigkeit der Medien von der Politik, der gesetzliche Schutz der Informationsfreiheit sowie der traditionelle Pluralismus der norwegischen Medienlandschaft, schreibt der Verein Reporter ohne Grenzen e.V., Herausgeber des Rankings. Ähnlich gut sind die Voraussetzungen für journalistische Berichterstattung in den Nachbarländern Dänemark (2), Schweden (3) und Finnland (5). Unter den Top 5 kommen nur die Niederlande (4) nicht aus Europas hohem Norden. Deutschland steht auf Platz 10.

Insgesamt zeigt sich bezüglich der Pressefreiheit ein besorgniserregendes Bild: Mehr Übergriffe im Umfeld von Wahlen und eine Rekordzahl von Ländern mit katastrophalen Bedingungen für Medienschaffende. Wie aus der Rangliste der Pressefreiheit 2024 von Reporter ohne Grenzen hervorgeht, gehörten im vergangenen Jahr 36 Länder zur schlechtesten Wertungskategorie – so viele wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Unabhängige journalistische Arbeit sei in diesen Ländern praktisch unmöglich, heißt es in der Presseinformation zum Ranking.

Am unteren Ende der Tabelle befindet sich Afghanistan (178), das 26 Plätze gefallen ist. Unter den regierenden Taliban wurden im vergangenen Jahr drei Journalisten getötet, mindestens 25 Medienschaffende saßen zwischenzeitlich im Gefängnis. Reporterinnen und Reporter müssten weiterhin ständig damit rechnen, durch Sicherheitskräfte der Taliban festgenommen zu werden, warnt Reporter ohne Grenzen. Erst vergangene Woche habe es drei Radiojournalisten in der Provinz Khost getroffen, weil sie Musik abgespielt und Zuhörerinnen in ihrer Sendung angerufen hatten. Die Taliban würden mit Kleidervorschriften und weiteren Einschränkungen insbesondere die Arbeit von Journalistinnen behindern.

Auch in Syrien (179) habe sich die ohnehin katastrophale Lage weiter verschlechtert. Das von Krieg und Terror geschüttelte Land belegt auf der Rangliste der Pressefreiheit den vorletzten Platz. Unabhängig journalistisch zu arbeiten, sei in allen Landesteilen nahezu unmöglich. Dutzende Medienschaffende sitzen nach Angaben von Reporter ohne Grenzen in den Foltergefängnissen des Assad-Regimes, werden von dschihadistischen Gruppen entführt oder gelten teils seit Jahren als verschwunden.

Ein ebenso rechtsfreier Raum sei Eritrea (180), das neue Schlusslicht auf der Rangliste der Pressefreiheit. Eritrea sei eine Informationswüste, sämtliche existierenden Medien würden unter direkter Kontrolle des Informationsministeriums stehen. Vier der vor über 20 Jahren festgenommenen Journalisten sitzen bis heute ohne Anklage in Haft, etwa der schwedische Staatsbürger Dawit Isaak. Er gehört zu den am längsten inhaftierten Medienschaffenden der Welt.

Deutschland ist gegenüber 2023 im Ranking aufgestiegen. Betrachtet man die Gesamtpunktzahl, hat sich die Situation in Deutschland aber nur geringfügig verbessert und auch nur in der Kategorie Sicherheit. Der Sprung auf Ranglistenplatz 10 ist zudem auch der Tatsache geschuldet, dass sich andere Länder auf der Rangliste verschlechtert haben. 

Verantwortlich ist auch der deutliche Rückgang der Zahl physischer Übergriffe auf Medienschaffende: Reporter ohne Grenzen verifizierte für das Jahr 2023 insgesamt 41 Übergriffe auf Journalistinnen und Reporter. Im Vorjahr lag die Zahl noch bei 103 – ein Negativrekord. Wie die aktuelle Nahaufnahme Deutschland zeige, fanden 18 dieser 41 Übergriffe während Kundgebungen von Verschwörungstheoretikern oder extremen Rechten statt.

Neben diesem Rückgang sei auch die deutsche Vorreiterrolle bei der Durchsetzung und Erweiterung des Völkerstrafrechts positiv. Im weltweit ersten Strafprozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gambia wurde ein in Deutschland lebender ehemaliger Soldat zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Verein Reporter ohne Grenzen e.V. ist Teil der 1985 gegründeten internationalen Organisation Reporters sans frontières mit Hauptsitz in Paris. Die deutsche Sektion von Reporter ohne Grenzen ist organisatorisch und finanziell eigenständig. Gemeinsam mit dem internationalen Sekretariat in Paris recherchiert Reporter ohne Grenzen e.V. Verstöße gegen die Medienfreiheit weltweit, wertet diese aus, dokumentiert sie und koordiniert internationale Kampagnen und Aktionen.

Finden Sie hier die Rangliste der Pressefreiheit 2024.

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