
Oslo, 23. April 2025. Außenminister Espen Barth Eide hat in Polen ein Abkommen über eine neue Periode der EWR-Mittel unterzeichnet. Das Abkommen soll zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Polens beitragen und die norwegisch-polnische Zusammenarbeit stärken. Die Unterzeichnung fand im Zusammenhang mit einem Besuch des norwegischen Kronprinzen Haakon in Gdańsk und Warschau in dieser Woche statt. Für den Zeitraum von 2021 bis 2028 wird Norwegen zusammen mit den EWR/EFTA-Ländern Island und Liechtenstein 3,268 Milliarden Euro an 15 der weniger wohlhabenden Mitgliedstaaten der EU überweisen. Der norwegische Beitrag beträgt rund 97 Prozent des Beitrags der drei EWR/EFTA-Länder. Die EWR-Mittel sind Norwegens Beitrag zur Verringerung sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheiten in Europa. Darüber hinaus sollen die EWR-Mittel dazu beitragen, die Zusammenarbeit zwischen Norwegen und den Empfängerländern zu stärken. 15 Länder haben Anspruch auf EWR-Mittel. Von allen Empfängerländern erhält Polen mit 924,9 Millionen Euro die größte Unterstützung.

„Polen ist ein enger Verbündeter und einer unserer wichtigsten Partner in Europa. Wenn es um die europäische Sicherheitspolitik und die anhaltende Unterstützung der Ukraine gehe, ist Polen eine wichtige Stimme in Europa – nicht zuletzt aufgrund seiner gegenwärtigen EU-Ratspräsidentschaft,“ sagt Außenminister Espen Barth Eide.
Zwölf norwegische akademische Einrichtungen sind als Partner an der Umsetzung der Programme beteiligt, die die Zusammenarbeit zwischen Norwegen und Polen in Bereichen wie Energieeffizienz, grüner Wandel, Forschung, Wirtschaft, Kultur, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stärken sollen. Kronprinz Haakon besuchte einige der Projekte, darunter eine Grundschule, die mit Unterstützung aus EWR-Mitteln energieeffizient gemacht wurde. Die Schule ist eine von elf thermomodernisierten Grundschulen in Warschau.

Im POLIN-Museum informierte sich der Kronprinz über die Geschichte der polnischen Juden. Das 2013 eröffnete Museum befindet sich am Standort des Warschauer Ghettos aus dem Zweiten Weltkrieg und erzählt die tausendjährige Geschichte der polnischen Juden.
POLIN fungiert sowohl als Museum als auch als Zentrum für Bildung und Dialog mit Ausstellungen, Vorträgen und Veranstaltungen. Das Museum wurde durch Mittel des EWR unterstützt. Im Museum unterhielt sich der Kronprinz auch mit Vertretern der ukrainischen Gemeinde in Polen, darunter auch vom Ukraine House – einer Stiftung, die ukrainischen Flüchtlingen in Polen humanitäre Hilfe sowie Arbeits- und Wohnmöglichkeiten bietet.
Darüber hinaus fand ein Treffen mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda im Präsidentenpalast in Warschau statt. Nach dem Treffen besuchte Haakon das Denkmal am Grab des unbekannten Soldaten.
Das Denkmal wurde 1925 zu Ehren der Opfer des Ersten Weltkriegs errichtet. In dem Denkmal liegt ein nicht identifizierter Soldat aus Lviv in der heutigen Ukraine begraben, der im Polnisch-Sowjetischen Krieg gefallen ist. Am Denkmal sind mehrere Urnen mit Erde von verschiedenen Schlachtfeldern untergebracht, auf denen Polen gekämpft haben. Zu diesen Schlachtfeldern gehört auch die norwegische Stadt Narvik. Bei den Kämpfen um die Rückeroberung von Narvik, die von Nazi-Soldaten besetzt war, verloren im Jahr 1940 97 polnische Soldaten ihr Leben.

„Heute sind die Bindungen zwischen unseren Ländern stärker als je zuvor und Polen ist ein wichtiger Partner für Norwegen. Polen stellen die größte Einwanderergruppe in Norwegen dar und spielen in allen Teilen der Gesellschaft eine wichtige Rolle – in praktisch jeder norwegischen Stadt und Gemeinde,“ erklärte der Kronprinz in seiner Rede. „Polen ist Norwegens sechstgrößter Exportmarkt für Waren, und wir pflegen eine starke Energiepartnerschaft. Die Baltic Pipe deckt einen erheblichen Anteil der polnischen Gasimporte, und das polnische Energieunternehmen Orlen gehört zu den größeren Betreibern auf dem norwegischen Kontinentalschelf. Equinor engagiert sich in der Entwicklung erneuerbarer Energien in Polen. „
Haakon unterstrich, dass Polen einer der stärksten Unterstützer der Ukraine ist und eine entscheidende Rolle in den gemeinsamen europäischen Bemühungen spielt, der Ukraine zu helfen. „Polen und Norwegen sind enge Verbündete in der NATO, und ich bin stolz darauf, dass Norwegen durch die Bereitstellung von Soldaten, NASAMS-Luftabwehrsystemen und F-35-Kampfjets direkt zur Stärkung von Polens wichtigem Logistikzentrum beigetragen hat“, so der Kronprinz weiter.
Zusätzlich zu den individuellen Vereinbarungen mit jedem Empfängerland wurde ein separater Fonds zur Unterstützung der Zivilgesellschaft in den Empfängerländern eingerichtet. Diese Unterstützung wird unabhängig von den Behörden der einzelnen Länder verwaltet.
183 Millionen Euro der Gesamtsumme sind für Maßnahmen in den Empfängerländern vorgesehen, die bei der Bewältigung der Folgen des russischen Kriegs in der Ukraine helfen sollen.
Darüber hinaus sind etwas mehr als 300 Millionen Euro des Gesamtbetrags für einen Fonds vorgesehen, der Organisationen unterstützt, die sich für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Europa einsetzen.
Siehe Factsheet zu EWR-Fonds und Polen
