Evaluierungsbericht zur Internationalen Grünen Woche: Aus für norwegischen Pavillon?

In diesem Jahr präsentierten Unternehmen aus Nord-Norge und Fjordnorwegen ihre Spezialitäten auf der Grünen Woche in Berlin.©Magnus Wassmann/Norwegische Botschaft

Oslo, 4. April 2025. Der norwegische Pavillon auf der Grünen Woche IGW in Berlin ist ein großer Anziehungspunkt für die Besucher – aber auch eine der größten jährlichen internationalen Profilierungsveranstaltungen für Norwegen. Hier präsentiert das Land jährlich kulinarische und touristische Erlebnisse aus verschiedenen Regionen. Schon während der Eröffnungsreden, die auf norwegisch gehalten werden, und auf verschiedenen Veranstaltungen zeigt sich, dass nicht der Verkauf der Produkte im Mittelpunkt der Ausstellung steht, sondern dass es sich eher um einen Branchentreff handelt. Im Sommer vergangenen Jahres hat die Wirtschaftsförderung Innovation Norway die Forschungsinstitute Oxford Research AS und Samfunnsøkonomisk Analyse AS mit der Evaluierung der Teilnahme Norwegens an der Internationalen Grünen Woche (IGW) beauftragt. Das Ergebnis des Berichts „The Need for a New Menu“ lässt bereits erahnen, um welche Empfehlung es sich handelt.

Hintergrund der Bewertung sind die Entwicklungen im lokalen Lebensmittel- und Tourismussektor. Die Regierung verfolgt das Ziel, bis 2035 einen Umsatz von 25 Milliarden NOK zu erreichen. Das Ziel wurde im Januar 2024 nach oben korrigiert, nachdem der Umsatz ein Jahr vor Ablauf der Frist die Marke von zehn Milliarden NOK überschritten hatte. Die Evaluation soll beurteilten, inwieweit die Teilnahme an der Internationalen Grünen Woche zur Erreichung der Beteiligungsziele beigetragen hat.

Die Kosten der Messeteilnahme sind für alle Beteiligten von 2019 bis 2024 kräftig gestiegen. Im Jahr 2024 beliefen sich die Gesamtausgaben auf 20,2 Millionen NOK, gegenüber 17,1 Millionen NOK im Jahr 2023. Den größten Anteil daran schulterte Innovation Norway mit 13,1 Millionen NOK. Davon standen knapp fünf Millionen Kronen in direktem Zusammenhang mit dem Pavillon. Zu den weiteren Kosten zählen Rohstoffkosten, Versand und Zeitaufwand. Der Empfang in der norwegischen Botschaft in Berlin während der IGW 2023 war im Vergleich zu den Vorjahren hinsichtlich Catering und Gästezahl eine abgespeckte Version. Im Jahr 2023 waren rund 200 Gäste beim Empfang. Für 2024 wurde die Anzahl der Gäste auf rund 150 gekürzt. Dies reduzierte zwar einen Ausgabenposten, nicht aber die Gesamtkosten und damit auch nicht den Anteil von Innovation Norway an den Kosten. Der ist im Laufe der Zeit von neun Millionen NOK 2017 auf 13,1 Millionen NOK 2024 gestiegen.
Die Kostensteigerungen für Innovation Norway in den letzten Jahren sind hauptsächlich auf Preiserhöhungen im Transport-, Reise- und Hotelbereich zurückzuführen.

Die Regionen trugen 2024 mit 7,1 Millionen NOK zu den Kosten bei.

Der Bericht kritisiert außerdem eine mangelnde Nachbereitung der Messe und nur eher zufällige Begegnungen mit der Presse. Es gebe Anzeichen dafür, dass auf alternativen nationalen und regionalen Ebenen möglicherweise bessere Ergebnisse erzielt werden können. Oxford Research und Social Economic Analysis empfehlen

  • entweder einen kompletten Rückzug aus der Grünen Woche 
  • oder eine wesentliche Anpassungen der Teilnahme. 

„Auf Basis der Evaluation gehen wir davon aus, dass die gewünschten Ergebnisse durch eine deutliche Reduzierung des aktuellen Ressourceneinsatzes bei der Grünen Woche effizienter erreicht werden können. Stattdessen können die Ressourcen durch gezielte Aktivitäten auf regionaler Ebene in die Stärkung der Ernährungsregionen gelenkt werden“, heißt es in dem 49-seitigen Bericht.

Randi Ledaal Gjertsen, Geschäftsführerin von Bondens marked Norge, sieht die norwegische Messeinitiative in der deutschen Hauptstadt kritisch. Sie glaubt, dass der Bericht der „Sargnagel für Norwegens Teilnahme an der Grünen Woche ist. Er macht ungewöhnlich deutlich, dass die norwegische Beteiligung mehr kostet als sie einbringt“, erklärt sie gegenüber Økologisk24. „Aufgrund der gründlichen Prüfung und der Empfehlungen des Berichts wäre es sehr überraschend, wenn das Ministerium zu einem anderen Schluss käme als der Beendigung der norwegischen Teilnahme an der Messe.“

Das Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung wird die Teilnahme Norwegens an der internationalen Lebensmittel- und Tourismusmesse in Berlin bewerten und sich auch andere Bereiche zur Reputationsbildung auf nationaler und regionaler Ebene genauer ansehen.

Den Evaluierungsbericht  finden Sie hier .

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