
Oslo, 18. März 2025. Die geringe Kapazität des heutigen Stromnetzes stellt ein großes Hindernis für die industrielle Entwicklung dar und verlangsamt den Übergang zu einer emissionsarmen Gesellschaft. „Norwegen braucht mehr Strom“ – das ist die Grundaussage des Berichts zu den Kapazitäten des norwegischen Stromnetzes, den Karl-Eirik Schjøtt-Pedersen, Generalauditor des Rechnungshofes, dem Storting am 18. März vorgelegt hat. Prognosen zufolge wird der Stromverbrauch in den nächsten 15 Jahren um rund 40 Prozent steigen. Das Stromnetz sei größtenteils veraltet und müsse ersetzt oder modernisiert werden. Gleichzeitig dauerten Planung und Genehmigung neuer großer Netzanlagen sehr lange. Die Summe dieser Herausforderungen habe erhebliche Konsequenzen für die Entwicklung der Gesellschaft, heißt es in dem Bericht.
In weiten Teilen des Landes, beispielsweise im Inland oder entlang der Küste nördlich des Sognefjords bis nach Finnmark, müssen sich Unternehmensgründer, die viel Strom brauchen, in eine Warteschlange einreihen. Grund dafür ist ein ausgebuchtes Stromnetz. Dies gelte bald für ganze Land, so Karl Eirik-Schjøtt-Pedersen. Auch Großunternehmen, die Bedarf an Strom haben, müssen auf die Zuteilung von Strom warten. Das betrifft auch den norwegischen Munitionshersteller Nammo, der in Raufoss eine neue Fabrik für Artilleriemunition und Raketenmotoren bauen will.

„Die bisherigen Maßnahmen des Energieministeriums haben weder zu einem ausreichenden Netzausbau noch zu einer besseren Auslastung des Stromnetzes geführt. Es ist bedauerlich, dass das Ministerium nicht die notwendigen Änderungen an den Instrumenten und Maßnahmen zur Kapazitätssteigerung vorgenommen hat. Aber wir stellen fest, dass es jetzt Maßnahmen eingeleitet hat, die eine positive Wirkung haben können“, sagt Schjøtt-Pedersen.
Der Ausbau des Stromnetzes sei geprägt von Zielkonflikten und Abwägungen zwischen unterschiedlichen Überlegungen. Das Büro des Generalauditors (Rechnungshof) ist der Ansicht, dass das Energieministerium keine koordinierte und umfassende Steuerung der Netzentwicklung gewährleistet hat.
„Das Ziel schnellerer Prozesse wurde von den Energiebehörden kaum beachtet. Das Ministerium hat nicht genug getan, um ein allgemeines Verständnis dafür zu schaffen, dass Norwegen mehr Strom und mehr Netze benötigt und dass dringend Maßnahmen ergriffen werden müssen, wenn genügend Strom produziert werden soll. Auch wenn es Zielkonflikte gibt, müssen die Behörden notwendige Entscheidungen treffen“, sagt Schjøtt-Pedersen.
Der wichtigste Grund für die geringe Netzkapazität besteht darin, dass der Bedarf an Elektrizität gestiegen ist und in Zukunft noch weiter steigen wird, ohne dass Statnett und andere Netzbetreiber die Kapazität des Stromnetzes im gleichen Maße erhöht hätten.
Der Ausbau der Netzkapazität erfolgt primär auf Basis konkreter Aufträge und nicht auf Basis von Erwartungen hinsichtlich des zukünftigen Strombedarfs. Die norwegische Wasserressourcen- und Energiedirektion NVE stellt umfangreiche Anforderungen an die Dokumentation des Bedarfs neuer Anlagen. Dies bedeutet, dass der größte Netzbetreiber Statnett und die Netzbetreiber die notwendigen Maßnahmen erst spät ergreifen. Zudem dauern Planungs- und Genehmigungsverfahren sehr lange. Dadurch kommt es zu Rückstaus und die Kunden müssen viele Jahre auf den Anschluss an das Stromnetz warten.
Es sei positiv, dass die Behörden bestrebt sind, die negativen Folgen des Netzausbaus für die Netzmiete, die Natur und die Interessen der Samen zu begrenzen. Nach Ansicht des Rechnungshofs haben sie jedoch zu wenig berücksichtigt, welche Kosten langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren der Gesellschaft tatsächlich verursachen.
„Das Energieministerium muss sicherstellen, dass die Regulierung und Kontrolle von Statnett und den Netzunternehmen dafür sorgt, dass der Netzausbau stärker auf Basis von Prognosen und langfristigen Bedürfnissen geplant wird, dass die Planung und das Genehmigungsverfahren frühzeitig beginnen und dass die Genehmigungsbehörden dem Ziel schnellerer Prozesse stärker Rechnung tragen, sagt Schjøtt-Pedersen.

Das Büro des Generalauditors ist das größte und älteste Prüfungsorgan des Stortings. Durch Rechnungsprüfungen und Untersuchungen kontrollieren der Rechnungshof die Arbeitsweise von Regierung und Landesverwaltung.
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