
Oslo, 27. Januar 2025. Der Vorstand der Müllverbrennungsanlage Hafslund Celsio AS hat beschlossen, das Projekt zur Kohlenstoffabscheidung in Klemetsrud in Oslo wieder aufzunehmen. Zusammen mit Aker Solutions AS und SLB Capturi Norway AS werde das Unternehmen eine der weltweit ersten vollwertigen Kohlenstoffabscheidungsanlagen auf Basis der Müllverbrennung bauen, teilt Hafslund Celsio mit. Die Anlage soll im dritten Quartal 2029 in Betrieb gehen. Am 24. Januar traf der Vorstand von Hafslund Celsio die endgültige Investitionsentscheidung für die Realisierung des Kohlenstoffabscheidungsprojekts. Am 27. Januar wurde eine entsprechende Vereinbarung über staatliche Beihilfen sowie die Vereinbarung mit SLB Capturi und Aker Solutions zum Bau der Anlage unterzeichnet.
Die Müllverbrennungsanlage in Klemetsrud war neben dem Zementwerk Norcim, norwegische Tochter des deutschen Zementherstellers Heidelberg Materials, und dem Northern Lights JV DA ursprünglich Teil des Longskip-Demonstrationsprojekts der norwegischen Regierung zur Abspaltung und Speicherung von CO2. Wegen zu hoher Kosten wurde das Vorhaben im April 2023 auf Eis gelegt. Nach einer Kostenüberarbeitung steht nun die Finanzierung.
Der Managementrahmen für die Realisierung der Kohlenstoffabscheidungsanlage von Hafslund Celsio ist auf 8,3 Milliarden NOK (Stand des Kronenkurses 2024) festgelegt. Die maximale Kostengrenze liegt bei 9,5 Milliarden NOK (Stand des Kronenkurses 2024). Durch die Fördervereinbarung leistet der norwegische Staat einen Beitrag von 2,5 Milliarden NOK zur Investitionsförderung (Capex). Darüber hinaus gibt es eine Unterstützung für Betrieb, Transport und Lagerung über zehn Jahre. Die Stadt Oslo investiert direkt 2,6 Milliarden NOK über Vorzugsaktien in Hafslund Celsio, während Hafslund Celsio selbst 4,3 Milliarden NOK investiert.
Nach einer Fördervereinbarung mit dem Staat im Juni 2022 legte Celsio eine aktualisierte Kostenschätzung vor, aus der hervorging, dass das Projekt wahrscheinlich das maximale Budget der Vereinbarung überschreiten würde. Aus Kostengründen hat das Unternehmen das Projekt daher auf Eis gelegt. Im August 2024 stellte das Unternehmen eine neue Projektbasis vor, wonach die Kosten um rund eine Milliarden NOK gesenkt wurden.

Um die Anreize für das Unternehmen zu stärken und das finanzielle Risiko für den Staat zu verringern, werden 900 Millionen NOK der staatlichen Beihilfe nach Fertigstellung der Anlage als Anlaufzuschuss ausgezahlt. In der überarbeiteten Zuschussvereinbarung wird klargestellt, dass der Staat im Falle einer Kostenüberschreitung keine weiteren Zuschüsse oder Risikoentlastungen leisten wird. Die Regierung schlägt außerdem vor, den Abzug von Einnahmen aus dem Verkauf von Zertifikaten für die CO2Abscheidung außerhalb der Quotenverpflichtungen zu streichen. Dies soll dem Unternehmen Anreize geben, einen solchen Markt zu entwickeln und zur Finanzierung des Projekts beizutragen, teilt das Energieministerium mit.
„Die Entscheidung bedeutet, dass der norwegische Staat, die Stadt Oslo und die Eigentümer von Hafslund Celsio – Hafslund, Infranode und HitecVision – bereit sind, mit dem Bau der Kohlenstoffabscheidungsanlage und eines CO2-Terminals im Hafen von Oslo zu beginnen“, erklärt Martin S. Lundby , CEO von Hafslund Celsio. Die Kohlenstoffabscheidung in Klemetsrud werde fast 20 Prozent der verbleibenden fossilen Emissionen der Stadt reduzieren. Dies sei die wichtigste Einzelmaßnahme für Oslo, um seine ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen.
„Oslo ist groß genug für ein Unterfangen, das andere norwegische Städte nicht können, gleichzeitig sind wir klein genug, um völlig neue Lösungen zu testen, von denen größere Städte im Rest der Welt profitieren können“, sagt Eirik Lae Solberg, Stadtratsvorsitzender von Oslo.
Die Kohlenstoffabscheidungsanlage soll jährlich 350.000 Tonnen CO2 abscheiden, wobei rund 50 Prozent auf die dauerhafte Entfernung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre und 50 Prozent auf die Reduzierung der Emissionen von fossilem CO2 zurückzuführen sind, heißt es in einer Pressemitteilung. Im Rahmen des nationalen Longship-Projekts wird das abgeschiedene CO2 vom Northern Lights JV per Schiff zur Speicherung unter dem Meeresboden auf dem Schelf der Nordsee transportiert.
Aker Solutions AS und SLB Capturi Norway AS werden die CO2-Auffanganlage liefern. Sie soll 90 Prozent des gesamten Kohlendioxid im Rauchgas der Müllverbrennungsanlage abscheiden. Das abgeschiedene CO₂ soll emissionsfrei zum Hafen von Oslo, wo ein CO2-Terminal gebaut wird, und weiter zum Terminal in Øygaarden außerhalb von Bergen transportiert werden. Langfristig soll das Terminal im Hafen von Oslo auch Zwischenspeicher- und Transportdienstleistungen für CO2 aus anderen CO2-Abscheidungsprojekten in Ostnorwegen anbieten und so ein Auslöser für mehrere nachfolgende CCUS-Projekte sein.
„Ich freue mich, dass dieses Klimaprojekt wieder in Gang kommt. Um die Emissionen dieser Art von Anlagen zu reduzieren, ist die CO2-Abscheidung erforderlich. Ein erfolgreiches Projekt in Klemetsrud wird einen großen Demonstrationswert für die CO-Abscheidung aus der Müllverbrennung auf nationaler und internationaler Ebene haben“, sagte Energieminister Terje Aasland im Zusammenhang mit der Unterzeichnung der staatlichen Beihilfevereinbarung.
Von den 500 Müllverbrennungsanlagen Europas gibt es mehr als 60 CCUS-Projekte, die an die Entwicklung des Pionierprojekts in Oslo anknüpfen sollen. „Wir wollen anderen Städten in Norwegen und international zeigen, wie fossile CO2-Emissionen aus einer verantwortungsvollen Abfallbewirtschaftung reduziert werden und zur CO22-Entfernung in großem Maßstab beitragen sowie an der Entwicklung neuer Märkte und Einnahmequellen aus der Kohlenstoffentfernung teilnehmen“, sagt Lundby .
Die Müllverbrennungsanlage in Klemetsrud ist der größte Kohlenstoffemittent in Oslo und für 19 Prozent der fossilen Kohlenstoffemissionen der Hauptstadt verantwortlich. Das Projekt werde auf der Grundlage der modularen Just Catch™ 400-Einheit von SLB Capturi umgesetzt, teilt SCLB Capturi mit. Wenn die Anlage in Betrieb ist, werde sie voraussichtlich 350.000 Tonnen CO2 pro Jahr abscheiden.
