
Oslo, 24. Juli 2024. Abfall und Mikroplastik kommen im gesamten Gebiet der Barentssee vor und beeinträchtigen Seevögel und Wildtiere. Nach einem jetzt veröffentlichten Bericht des Norwegischen Instituts für Meeresforschung, des Norwegischen Polarinstituts und der norwegische Umweltbehörde wird die Verschmutzung vor allem von der Fischerei und der Schifffahrt verursacht. Der Müll stamme aus einer Vielzahl lokaler, regionaler und globaler Quellen. Vieles deute auch darauf hin, dass der Umfang zunimmt, teilt die Umweltbehörde mit.
„Die Erkenntnisse, die wir jetzt gesammelt haben, zeigen, dass wir gezwungen sind, Vorkehrungen zu treffen und Maßnahmen zu ergreifen, die sicherstellen, dass die Barentssee auch in Zukunft einen guten Umweltzustand hat“, sagt Kjersti Gram Andersen, amtierender Abteilungsleiter der norwegischen Umweltbehörde .
Der Meeresmüll an den Stränden von Spitzbergen und an der Küste der Finnmark stammen hauptsächlich aus der Fischereiindustrie. Angelausrüstung als Abfall sei bei mehreren Untersuchungen der letzten Jahre immer wieder gefunden worden.
„Meeresströmungen, sich bewegendes Meereis, Luft, Flüsse und verschiedene lebende Organismen transportieren Meeresmüll und Mikroplastik in die Barentssee. Wir wissen auch, dass wirbellose Organismen und Bakterien sich an Meeresmüll festsetzen und über weite Strecken schwimmen. Auf diese Weise trägt die Vermüllung auch zur Ausbreitung potenziell gebietsfremder Arten bei“, sagt Bjørn Einar Grøsvik, Meeresforscher beim Norwegischen Institut für Meeresforschung.
Wie die Untersuchung zeigt, nehmen Vögel und andere Meerestiere Mikroplastik und Meeresmüll auf. Seepferdchen auf Spitzbergen gehört zu den Arten, in deren deren Magen seit den ersten Messungen der Anteil von Plastikpartikelnstark zugenommen hat. Wie Studien zeigen, sei der Anteil von Plastik in ihrem Magen in 40 Jahren von 29 auf 95 Prozent gestiegen. Plastik findet sich heute in den Mägen der meisten der Vögel, und Untersuchungen zeigen, dass das Seepferdchen auch seine Jungen mit Plastik ernährt. Außerdem verwenden Vögel Plastik zum Nestbau.
Darüber hinaus können sich Fische und andere Meerestiere in verlorenen Fischernetzen verfangen.
„Obwohl wir einen gewissen Überblick über das Ausmaß der Plastikaufnahme bei Tieren aus der Region haben, ist es schwierig, gute Schlussfolgerungen zu ziehen. Es gibt nur wenige Studien dieser Art, die Methoden haben sich im Laufe der Zeit geändert, der Umfang der Untersuchung ist von Studie zu Studie unterschiedlich und nur wenige Studien wurden im Laufe der Zeit wiederholt. Fest steht aber, dass wir in den meisten untersuchten Tieren Mikroplastik finden“, sagt Forscherin Ingeborg Hallanger vom norwegischen Polarinstitut. Der Bericht zeige, dass es wichtig sei, jetzt Maßnahmen einzuleiten.
Von entscheidender Bedeutung seien unter anderem die Herstellerverantwortung für Fischereiausrüstung und die Verbesserung des Abfallsystems in den Häfen. Auch die Industrie selbst bemühe sich, den Plastik-Fußabdruck im Meer, von dem sie leben, zu verringern, so Andersen.

Finden Sie hier den vollständigen Bericht (in englischer Sprache).
