Tour durch das Eisenerz-Bergwerk in Kiruna

Das schwedische Unternehmen LKAB, das das größte und modernste unterirdische Eisenerzbergwerk der Welt betreibt, bietet Führungen in 510 Meter Tiefe an. Chefredakteurin Jutta Falkner hat daran teilgenommen.©BPN

Kiruna, 4. Juli 2024. Über den Umzug ganzer Wohnviertel der schwedischen Bergarbeiterstadt Kiruna ist in deutschen Medien in den vergangenen Monaten viel berichtet worden. Brüchiges Gestein unter einem Teil der Stadt gefährdet die Sicherheit einzelner Häuser und Einrichtungen. Auch das Krankenhaus und die Kirche sind betroffen. Wer in der Umgebung von Narvik im Norden Norwegens Urlaub macht, sollte die Gelegenheit zu einer Tour nach Kiruna nutzen. Die Stadt ist von Narvik aus bequem über die E1 0 in zweieinhalb Stunden zu erreichen. Das besondere Highlight: Es gibt Führungen im größten und modernsten unterirdischen Eisenerz-Bergwerk der Welt. Finden Sie hier mehr Informationen.

Kiruna ist für Leser des BusinessPortal Norwegen sicher ein Begriff, weil wir regelmäßig über die Bahnstrecke von Kiruna nach Narvik berichten, die in Norwegen Ofotbanen und in Schweden Malmbanen heißt. Über diese Schienenstrecke werden die in Schweden hergestellten Eisenpellets zum Hafen nach Narvik gebracht und von hier in die Welt geschickt: Zehn Züge mit 68 Wagen täglich. Jeder Erzzug transportiert etwa 6.800 Tonnen Produkte wie Eisenerzpellets und Feinerz. Entsprechend zugkräftig müssen die Loks sein und die Kupplungen, die die Wagen zusammenhalten.

Das Bergwerk von außen…©BPN

Aber beginnen wir beim Bergwerk, in dem seit 1890 Eisenerz gefördert wird. Die Tour startet im Tourismusbüro der Stadt. Man kann sich online für eine schwedische oder englische Führung anmelden. Wir hatten Glück und konnten ohne Voranmeldung an einer Führung teilnehmen. Die Tour dauert etwa drei Stunden und kostet 45,- Euro. Sie ist jeden Cent wert!

... und die Besucheretage in 500 Meter Tiefe mit Cafeteria, Seminarräumen, einem Kino, Toiletten und jeder Menge Ausstellungsstücken.©BPN

Zur Sicherheit muss eine Identifikationsnummer vorgelegt werden, am besten, man hat den Personalausweis am Mann/an der Frau. Mit dem Bus geht es dann vom Zentrum zum Bergwerk. Man sieht von weitem den Berg, in dem das erste Eisenerz – noch als Tagebau – früher gefördert wurde. Ein kurzer Halt an einer Grubeneinfahrt, und dann geht es mit dem Bus in über 500 Meter Tiefe. Man befindet sich in einem riesigen Stollen und erfährt, dass vier weitere Stollen über uns und fünf weitere Stollen unter uns existieren. Bisher hat man neun Stollen ausgebaggert – im fünften befindet sich das Besucherzentrum. Im zehnten Stollen, mehr als 1.000 Meter unter der Erde, wird gegenwärtig das Eisenerz gefördert. Kurze Sicherheitsinstruktionen, Helm auf – und los geht‘s. Unser Guide, die die Touren als Ferienjob übernommen hat, informiert über die Struktur und die Geschichte des Bergwerks. Wenn sie eine Frage der Besucher nicht beantworten kann, ruft sie ihren „Papa“ an. Der fährt als Lokführer seit jahrzehnten die Pellets nach Narvik oder Luleå und kennt das Unternehmen wie seine Westentasche. So erfahren wir, dass die Lokomotiven, die die Züge ziehen, von Bombardier gebaut werden. Unser Eisenbahn-Fachjournalist Jürg Streuli informierte mich nach der Tour noch, dass die Kupplungen für die Waggongs aus Russland stammen. Die Tochter verrät schließlich, dass sich die ganze Familie freut, wenn der Goldene Wagen von der Lok des Vaters gezogen wird. Dieser Bodenkipper wurde 2022 von Kiruna Wagon als 1.000 Waggon an LKAB übergeben.

Das aus dem Berg gewonnene Eisenerz wird zuerst unter Tage zerkleinert und dann per Lift nach oben geschickt. In Gällivare und Svappavaara wird es dann weiter zu Pellets verarbeitet.

Eisenpellets als Souvenir.©BPN

Im Stollen für Besucher kann man die riesigen Baumaschinen besichtigen, man kann sich in den Führerstand setzen und alles fotografieren, was an gewaltigem Gerät vor die Linse kommt. Eine kleine Pause mit Kaffee und Keksen ist eine angenehme Überraschung.

Später erfährt man im Werbefilm, der in einem mittelgroßen Kino gezeigt wird, mehr über die Pläne von LKAB. In dem Unternehmen ist die größte Transformation in der 130­jährigen Geschichte im Gange – gleichzeitig das größte Industrieprojekt in der schwedischen Geschichte. Da künftig Wasserstoff statt Kohle für die Herstellung der Eisenpellets verwendet werden soll, wird LKAB den ersten fossilfreien Stahl der Welt herstellen. In Gällivare wird gegenwärtig eine Demonstrationsanlage gebaut. Einzelne Kunden wurden schon mit dem fossilfrei hergestelltem Stahl beliefert.

Als Souvenir können die Besucher Eisenpellets mit nach Hause nehmen. Unser Guide warnt: Stecken Sie die Pellets nicht lose in die Tasche. Man kann sie ganz schnell mit einem Bonbon verwechseln.

Jutta Falkner

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