Wie weiter mit der Nordlandsbanen?

Die altersschwachen Diesellokomotiven der Reihe Di4 sorgen auf der Nordlandsbanen für häufige Zugsausfälle. Die betroffenen Reisenden müssen jeweils über zehn Stunden ersatzweise in Autobussen verbringen. Eine zuverlässige Lösung ist nicht in Sicht. Die bestellten neuen Züge kommen frühestens 2028 in Betrieb.©SJ Nord

26. Juni 2024. Die Reisezüge von SJ Nord auf der Nordlandsbanen von Trondheim nach Bodø sind von häufigen Zugsausfällen betroffen. Zum wiederholten Mal ist der Tageszug zwischen Trondheim und Bodø wegen technischen Defekten von drei der fünf Diesellokomotiven der Reihe Di4 mit Baujahr 1980 ausgefallen – jüngst vom 22. bis am 25. Juni. Eine Reserve-Lokomotive stand nicht zur Verfügung. Lediglich der Nachtzug war noch in Betrieb.

Die Probleme mit den altersschwachen Diesellokomotiven mit Baujahr 1980 bestehen seit mehreren Jahren und verschärfen sich laufend. Die betroffenen Reisenden müssen jeweils über zehn Stunden mit Ersatz-Autobussen über die 726 Kilometer lange Strecke fahren. Die Güterbahn Cargonet hat nicht genügend Diesellokomotiven um auszuhelfen. Die bestellten neuen Triebzüge von Stadler Rail kommen frühestens im Jahr 2028.

Es stellt sich die Frage, wie es auf der Nordlandsbanen mit diesen ständigen Ausfällen der Lokomotiven und daraus resultierenden Zugausfällen weitergehen soll. Die Schuld liegt nicht bei SJ Nord als Betreiber, sondern bei dem Unternehmen Norske tog, das in Norwegen seit der Eisenbahnreform die Fahrzeuge vermietet und für deren Unterhalt verantwortlich ist. Bemerkenswert ist, dass dieselben Lokomotiven mit einer anderen Form des Lokomotive-Kastens für die dänische Danske Statsbaner (DSB) gefertigt wurden und heute immer noch bei mehreren Bahngesellschaften zuverlässig im Einsatz sind, unter anderem bei der norwegischen Cargonet auf der Nordlandsbanen für Güterzüge. Es wäre möglich, solche Diesellokomotiven aushilfsweise zum Beispiel bei der schwedischen Vermietungsgesellschaft Nordic Re-Finance zu mieten. Dies ist jedoch der SJ Nord als Betreiber vertraglich untersagt.

Letztlich zeigen die unhaltbaren Zustände für die Reisenden auf der Nordlandsbanen ein weiteres Desaster der norwegischen „Jernbanerevolusjon“ – der extremsten Eisenbahn-Deregulierung in Europa. Im Zuge dieser Reform wurde die ehemalige NSB auf über zehn Gesellschaften aufgesplittert, deren Zusammenarbeit bis heute nicht funktioniert.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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