Bahn-Infrastruktur in Norwegen: Über ein Fünftel der Anlagen müssen erneuert werden

Mit einer Huddig-Arbeitsmaschine werden alte Holzschwellen durch neue Betonschwellen ersetzt. Dies ist Teil der täglichen Wartungsarbeiten an der Bahn.©Simen Slette Sunde, Bane NOR

Oslo, 17. Juni 2024. Über ein Fünftel der Infrastrukturanlagen der norwegischen Eisenbahn müssen in den nächsten zwölf Jahren erneuert werden. Dies geht aus dem aktuellen Bericht „InfraStatus 2023“ hervor, der den Zustand der Bahn Ende letzten Jahres beschreibt. Innerhalb eines Jahres ist der Bedarf der norwegischen Eisenbahn an langfristiger Instandhaltung um elf Milliarden NOK gestiegen, heißt es in dem Bericht. Die jährliche Zustandserhebung zeige, dass der Wartungsbedarf stetig steigt, teilt das für die Bahn-Infrastruktur zuständige Unternehmen Bane NOR mit.

Eisenbahnnetz in Norwegen©InfraStatus 2023

Aus diesem Grund habe Bane NOR die Politiker aufgefordert, im Nationalen Verkehrsplan, den die Regierung dem Storting vorgelegt hat, mehr Geld für den Ausbau und die Erneuerung der seit vielen Jahren unterfinanzierten Eisenbahnstrecke bereitzustellen. Vor allem müssten der Hochwasserschutz ausgebaut und die Oberleitungen im ganzen Land erneuert werden.

Im Jahr 2023 wurde der Zustand der Bahn als „gut“ eingestuft, obwohl 22 Prozent der Anlagen in den nächsten zwölf Jahren einer Erneuerung bedürfen. Dies werde 123 Milliarden NOK kosten. Im Jahr 2022 lag die entsprechende Schätzung bei 112 Milliarden NOK. Das heißt: Der Wartungsbedarf ist in einem Jahr um elf Milliarden NOK gestiegen.

Im Bericht wird auch das Extremwetters „Hans“ für die steigenden Kosten verantwortlich gemacht, das im vergangenen Jahr in weiten Teilen Ostnorwegens und Südnorwegens wütete. Neuanlagen, die über gut gewartete Durchlässe und Entwässerungsanlagen verfügten, hätten Sturm und Starkregen gut überstanden. Andernorts sei es dagegen zu erheblichen Schäden nach Erdrutschen und Überschwemmungen.

Notenverteilung für die Eisenbahn, 2020 – 2023, von oben: sehr gut, gut, zufriedenstellend, mangelhaft, schlecht, kritisch©InfraStatus 2023

Unabhängig davon hat Bane NOR kürzlich die Einzugsgebiete der Durchlässe entlang der Eisenbahnstrecke kartiert und festgestellt, dass mindestens 3.000 von ihnen nicht dafür ausgelegt sind, kleineren Überschwemmungen standzuhalten. Bane NOR sei bereits dabei, die Entwässerung vieler dieser Orte zu verbessern. 

Der Bericht weist auch darauf hin, dass die Zahl der Zugabfahrten und der Fahrgäste auf der Bahn deutlich gestiegen ist. Das sei sehr positiv, allerdings sei auf einigen Abschnitten die Kapazität überschritten und die Züge würden im Stau fahren. So verbreiteten sich kleine Fehler schnell und führten zu weiteren Verzögerungen bei Abfahrten. Das große Verkehrsaufkommen führe auch dazu, dass alte und veraltete Schienen schneller verschleißen, als sie repariert weden können. 

„Wir haben viel alte Infrastruktur und einige heruntergekommene Einrichtungen. Das macht unsere Arbeit kompliziert, zeitaufwändig und teuer. Es gibt keine einfachen Lösungen, die schnelle Ergebnisse liefern. Wir arbeiten daran, die Eisenbahn langfristig zu stärken, in Zusammenarbeit mit den Eisenbahnunternehmen und unseren anderen Kollegen in der Branche“, sagt Thor Gjermund Eriksen, CEO von Bane NOR.

Laden Sie hier den Bericht zum Infrastrukturstatus 2023 herunter.

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