In Trondheim wird die nördlichste Tramlinie endlich modernisiert 

Eine Straßenbahn in der Wendeschleife im Stadtzentrum von Trondheim. Die als Gråkallbanen bezeichnete Tramlinie hat ein bewegtes Schicksal hinter sich und wurde zeitweise eingestellt. Doch jetzt ist die umfassende Modernisierung des nördlichsten Trams beschlossen und das Weiterbestehen gesichert.©Jürg Streuli

Trondheim, 10. Juni 2024. Die Trøndelag fylkeskommune, der Bezirksrat des norwegischen Gebietes Trøndelag, hat den Generalunternehmer Norconsult mit der längst überfälligen Modernisierung der Gråkallbanen in Trondheim beauftragt. Als Gråkallbanen wird bezeichnet, was vom einst 15,6 Kilometer langen Tramnetz heute noch übrig geblieben ist. Die 8,8 Kilometer lange Strecke führt vom Stadtzentrum nach Lian, einem beliebten Ausflugsort oberhalb der Stadt. Der überwiegende Teil der Strecke verläuft einspurig, nur im Stadtzentrum fährt die Straßenbahn auf einer Doppelspur. Die umfassende Modernisierung beinhaltet die Beschaffung von neuen Fahrzeugen, den Ausbau der Infrastruktur sowie ein neues Depot und eine neue Werkstätte. Die geplanten Erneuerungen sollen 2029 abgeschlossen und betriebsbereit sein.

Nach Rückschlägen verzeichnet die Gråkallbanen in den letzten Jahren ein deutliches Verkehrswachstum und befördert Pendler, Schulkinder, Freizeitreisende und Touristen. Leider bisher nicht beschlossen, jedoch dringend notwendig, wäre die Wiederherstellung der anschließenden Linie zum Bahnhof. 

Das Trondheimer „Trikken“ (Straßenbahn) weist eine sehr bewegte Geschichte auf. Im Jahre 1901 wurde in Trondheim der erste Trambetrieb Norwegens aufgenommen. Kristiania, das heutige Oslo und Bergen, folgten erst später. Die ersten von Siemens & Halske gelieferten zweiachsigen Straßenbahnen hatten bis 1908 noch beidseitig offene Plattformen. Wegen der winterlichen Kälte dieser Breitengrade war es für den im Freien stehenden Tramführer bei dichtem Schneetreiben manchmal schwierig, immer die Augen offen zu behalten. Bis 1988 erreichte das Tramnetz zwischen Lade im Norden und Lian im Süden die größte Ausdehnung, wovon über die Hälfte auf eigener Trasse fuhr. Außerhalb des Stadtzentrums besaß Trondheim sporvei damit den Charakter einer einspurigen Überland-Straßenbahn. Mehrere Stichlinien, wie diese zum Bahnhof, ergänzten die lange Durchmesserlinie. Ein schwerer Rückschlag war der Großbrand vom 10. Oktober 1956 in der Wagenhalle Dalsenget, dem viele Fahrzeuge zum Opfer fielen.

Im Jahr 1972 wurde die bisher eigenständige Tramgesellschaft in die neugegründete Trondheim Traffikkselskap integriert, bei der es sich um eine große Busgesellschaft handelt. Wie befürchtet stellte diese im Jahr 1988 den Trambetrieb vollständig ein. Nur vier Jahre vorher noch von Linke-Hofmann-Busch und Siemens abgelieferte elf neue Motorwagen wurden in der Wagenhalle Voldsminde eingemottet und harten eines ungewissen Schicksals. Das ältere Rollmaterial wurde bis auf wenige Museumsfahrzeuge verschrottet. Doch nach andauernden Protesten der Bevölkerung wurde 1990 der Betrieb als Gråkallbane wieder aufgenommen. Der Unterhalt fand danach jedoch nur auf minimalem Niveau statt. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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