Unternehmer aus Norwegen, Dänemark und den Niederlanden diskutieren über Fortschritte der Erschließung der Nordsee als Powerhaus Europas

V.l. Die Geschäftsführer der AHK Norwegen, Dänemark und Niederlanden und die Moderatorin Hanna Marit Grønning Strand. Die Auslandshandelskammern haben gemeinsam den „North Sea Offshore Summit“ im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin organisiert.©BPN

Berlin, 7. Juni 2024. Auf Initiative der AHK Norwegen haben am 7. Juni 2024 Unternehmer aus Deutschland, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden auf der Konferenz „North Sea Offshore Summit“ darüber diskutiert, wie das Potenzial der Nordsee zur Energieversorgung noch besser und schneller genutzt werden kann. Alle Panelisten waren sich einig, dass die Möglichkeiten, die die Nordsee zur Produktion erneuerbarer Energie und damit zur Erreichung der Klimaziele bietet, gemeinsam genutzt werden müssen.

In einer ersten Diskussionsrunde stellten die Geschäftsführer der drei Auslandshandelskammern den aktuellen Stand des Aufbaus von Windenergieanlagen in den jeweiligen Ländern vor. Günter Gülker, Geschäftsführer der AHK Niederlande, sieht das Land als Pionier der Windenergie. Mit 500 Kilometrn Küste, gutes Windverhältnissen, niedrigem Wasserstand und kurzen Wegen zu den Kunden hätten die Niederlande beste Bedingungen für den Ausbau der Offshore-Windkraft. Elf Gigawatt weien bereits installiert, aber es gebe noch große Pläne.

Michael Kern, Geschäftsführer der AHK Norwegen, informierte darüber, dass Norwegen bezüglich des Ausbaus der Windenergie auf dem Meer noch in den Kinderschuhen stecke. Er unterstrich aber gleichzeitig das Knowhow der Norweger in diesem Bereich. Norwegen hat mit dem Hywind Tampen den ersten schwimmenden Windpark der Welt gebaut. Mit einer Systemkapazität von 88 MW ist es zudem der weltweit größte schwimmende Offshore-Windpark. 16 Prozent der Vertragspartner von Hywind Tampen kämen aus der Öl- und Gasindustrie. Das zeige die besondere Kompetenz der Branche auch im Bereich Windkraft.

Auch Dänemark sei ein Pionier in Sachen Windenergie, erklärte Andreas Wenzel, Geschäftsführer der AHK Dänemark. 19 Prozent der Stromproduktion erfolgen bereits aus erneuerbaren Energien. Wenzel hob vor allem die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Industrie-Partnern weltweit hervor.

V.l.: Die Botschafter aus Dänemark, Norwegen und den Niederlanden: Susanne Hüldelund, Laila Stenseng und Ronald van Roeden.©BPN

Die Botschafter aus Norwegen, Dänemark und den Niederlanden stellten die nationalen Pläne zum Ausbau der Windenergie vor und die damit verbundenen Herausforderung. Die Niederlande wollen den größten Offshore-Windpark der Welt bauen. Bis 2040 sollen es in den Niederlanden 30 Gigawatt Offshore-Wind-Kapazitäten installiert sein. Wie Botschafter Ronald van Roeden erklärte, würden in den Niederlanden ständig neue Windanlagen in Betrieb genommen. Jetzt würden die Niederlande den größten Offshore Windpark in der Geschichte des Landes bauen. Die Ausschreibung zu dem Vorhaben wurde im Februar 2024 eröffnet. 

Dänemark plane Ausschreibungen zwischen neun und 14 GW bis 2030. 15 Millionen Haushalte sollen dann mit Strom aus Windenergie versorgt werden. Wie Botschafterin Susanne Hüldelund erklärte, sei es das politische Ziel der dänischen Regierung, andere Länder mit Windenergie zu beliefern. Deutschland werde als wichtiger Markt nicht nur für grünen Strom gesehen, sondern auch als wichtiges Partnerland beim Aufbau der Infrastruktu in Deutschland.

Norwegen sieht den Aufbau von 70 Gigawatt Offshore-Windkapazitäten bis 2050 vor. Das sei vor allem eine Herausforderung für die Zulieferer. Botschafterin Laila Stenseng gab zu bedenken, dass in der Nordsee die Interessen verschiedener Akteure aufeinander treffen, so der Sicherheitskräfte, der Fischereiindustrie, der Umweltverbände und des Tourismus. Sie verwies unter anderem auf eine gemeinsame Erklärung der Anrainerstaaten der Nordsee vom April dieses Jahres zur Zusammenarbeit zum Schutz der Energie- und Telekommunikationsinfrastruktur in der Nordsee. Zur kritischen Infrastruktur zählen unter anderem Unterwasser-Glasfaserkabel, Gas- und Ölpipelines, Kabel zur Stromübertragung sowie Offshore-Windanlagen. Die gemeinsame Erklärung konzentriere sich auf Resilienz und Prävention und sei daher eine Ergänzung zur Arbeit der NATO. Die Unterwasserinfrastruktur in der Nordsee sei über Ländergrenzen hinweg vernetzt, daher bedürfe es einer gemeinsamen Initiative für Sicherheit und Schutz.

Die Botschafter waren sich einig, dass der Ausbau der Windenergie einen wettbewerbsfähigen EU-Markt braucht. Projekte sollten nicht nur bilateral in Angriff genommen werden. Mehr Großprojekte seien notwendig, die nur mit einer engen internationalen Zusammenarbeit realisiert werden können. Die Interkonnektivität werde künftig eine große Rolle spielen. Die EU-Staaten müssten enger Zusammenarbeiten und einen europäischen Energiemarkt schaffen.

In weiteren Panels diskutierten Unternehmensvertreter aus den drei Ländern über Herausforderungen beim Aufbau der Windenergie in den Bereichen Infrastruktur, Finanzierung, politische Rahmenbedingungen und Preise, Offshore Hydrogen, Regulierung, Ausschreibungen und Marktentwicklungen.

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