Rechnungshof kritisiert schlechtes Zugangebot in Norwegen

Jeder vierte Personenzug und jeder dritte Güterzug hatte im vergangenen Jahr Verspätung oder fiel aus.©BPN

Oslo, 30. Mai 2024. Auf der Bahn in Norwegen kommt es immer häufiger zu Verspätungen und Ausfällen, wie die jüngste Untersuchung des norwegischen Rechnungshofes Riksrevisjonen zu Verspätungen und Zugausfällen zwischen 2016 und 2023 zeigt. Jeder vierte Personenzug und jeder dritte Güterzug hatte im vergangenen Jahr Verspätung oder fiel aus. Der Hauptgrund seien Versäumnisse im Bereich der Infrastruktur. Wer die Bahn nutzt, habe ein schlechteres Bahnangebot als noch vor einigen Jahren, teilt die Kontrollbehörde des Storting mit.

Anteil der pünktlichen Personenzüge©Analyse der TIOS-Daten durch den nationalen Rechnungshof

„Das Verkehrsministerium, die norwegische Eisenbahndirektion und Bane NOR wissen seit langem um die Herausforderungen auf der Schiene. Sie haben viel Geld erhalten, um ein gutes Zugangebot zu gewährleisten, haben jedoch nicht das Notwendige zur Wartung und Erneuerung getan. Die Konsequenz ist, dass wir ein schlechteres Zugangebot haben“, sagt Rechnungsprüfer Karl Eirik Schjøtt-Pedersen.

In den letzten Jahren habe das Storting viel Geld für Investitionen, Betrieb, Instandhaltung und Erneuerung der Eisenbahn bereitgestellt. Von 2016 bis 2024 stiegen die Zuwendungen um 12,6 Milliarden NOK auf insgesamt 26,3 Milliarden NOK – fast eine Verdoppelung in acht Jahren.

Der Rechnungshof hat berechnet, wie viele Züge im Zeitraum 2016 bis 2023 tatsächlich auf der Strecke waren. Die Untersuchung ergibt Folgendes:

  • Im Jahr 2023 hatte jeder vierte Personenzug und jeder dritte Güterzug Verspätung oder fiel aus.
  • Das letzte Jahr lieferte das schlechteste Ergebnis im gesamten Zeitraum. 2023 kam es zu insgesamt 37.000 Stunden Verspätung der Züge – 12.000 mehr als im Jahr 2016.
  • Der Anteil der Verspätungen und Ausfälle ist im Berichtszeitraum um rund acht Prozent gestiegen. Dies gilt sowohl für Personenzüge als auch für Güterzüge.
Rechnungsprüfer Karl Eirik Schjøtt-Pedersen erläutert in einer Pressekonferenz die Ergebnisse einer Untersuchung zu Zugverspätungen und -ausfällen.©Screenshot/Riksrevisjonen

Obwohl mehr Geld zur Verfügung steht, gehe die Entwicklung also in die falsche Richtung. Bedenklich sei, dass ein Großteil der Züge nicht fahrplanmäßig unterwegs ist und das Ausmaß an Verspätungen und Ausfällen zugenommen hat. Nach Ansicht des Nationalen Rechnungshofs könnte dies die Attraktivität der Eisenbahn beeinträchtigen, ihren Ruf schwächen und dazu führen, dass die Menschen weniger Vertrauen in die Bahn haben.

Anteil der pünktlichen Güterzüge©Analyse der TIOS-Daten durch den nationalen Rechnungshof/Güterzüge, die mangels Nachfrage ausfielen, sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

Die aktuelle Kundenbefragung für die norwegische Eisenbahndirektion zeigt, dass Bahnreisende unzufriedener sind als zuvor. Verspätungen und Ausfälle seien einer der Hauptgründe, sagen die Kunden.

Wie die Untersuchung zeigt, sei vor allem die Infrastruktur die Ursache für schlechten Zustand der Bahn. Diese liege in der Verantwortung von Bane NOR. Störungen an Bahngleisen, Signalanlagen oder bei der Stromversorgung führten zu großen Verzögerungen, in den vergangenen Jahr Jahren beispielsweise auf den Follobanen, in der Nähe von Oslo S und in Bergen.

Es sei zu beanstanden, dass die Infrastruktur schlecht gewartet und nicht erneuert wird. Trotz eines deutlichen Anstiegs der Zuwendungen für die Eisenbahn sei der Wartungsstau groß und er nehme immer noch zu, betont Schjøtt-Pedersen. Das Verkehrsministerium müsse Bane NOR besser kontrollieren und sicherstellen, dass die vom Storting gewährten Gelder für die Bereitstellung eines besseren Zugdienstes verwendet werden.

Auch andere Arten von Fehlern führten zu Verzögerungen und Annullierungen. Unerwartete Ereignisse, zum Beispiel das Extremwetter „Hans“, seien eine Ursache gewesen, die die Regierungsbehörden nicht kontrollieren können. Auch Problemen mit den Zügen selbst seien eine wichtige Ursache. Hierfür seien die Eisenbahngesellschaft verantwortlich.

Eine geringfügige Verspätung in einer Stadt könne sich schnell ausbreiten und größere Teile des Zugverkehrs beeinträchtigen. Das Problem werde noch größer, wenn mehr Züge eingesetzt werden und die Kapazität an ihre Grenzen stößt.

„Der gesamte Bahnsektor muss an seiner Pünktlichkeitskultur arbeiten. Es mag den Anschein haben, dass die Akzeptanz von Verzögerungen zu groß ist. So sollte es nicht sein“, schließt Schjøtt-Pedersen.

Im Jahr 2023 ist die Zahl der mit der Bahn reisenden Passagiere in Norwegen nach Angaben der Statistikbehörde SSB im Vergleich zu 2022 um 17 Prozent gestiegen. Dies entspricht einem Anstieg von fast zwölf Millionen Passagieren. Allerdings wurde die Passagierzahlen von 2019 vor der Korona-Pandemie noch nicht erreicht. Die Verkehrsleistung für den Personenverkehr mit der Bahn stieg 2023 ggenüber dem Vorjahr von 3,1 Milliarden auf 3,5 Milliarden Personenkilometer.

Der Güterverkehr auf der Schiene hingegen ging von 2022 bis 2023 um 1,3 Millionen Tonnen zurück, während die Gütertransportleistung um 3,2 Milliarden z Tonnenkilometer im Jahr 2023 sank. Gemessen in Tonnen ist der Warenimport von 2022 bis 2023 am stärksten zurückgegangen.

Das Nationale Rechnungshof ist die größte und älteste Kontrollbehörde des norwegischen Parlaments Storting.

Finden Sie hier den Untersuchungsbericht.

Finden Sie hier mehr Statistiken zum Personen- und Güterverkehr in Norwegen.

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