Quotenpflichtige Treibhausgasemissionen in Norwegen 2023 gesunken

Strom aus Offshore-Windenergie und Strom von Land sind Maßnahmen, die zur Reduzierung der Emissionen auf See beigetragen haben. Im Bild:Offshore-Windpark Hywind Tampen.©Reuters, NTB/Umweltbehörde.

Oslo, 30. Mai 2024. Der obligatorische Ausstoß von Treibhausgasen ist im Jahr 2023 in Norwegen um fünf Prozent gesunken. Dies sei unter anderem auf eine geringere Produktion in der Industrie und die Offshore-Elektrifizierung zurückzuführen, teilt die norwegische Umweltbehörde Miljødirektoratet mit. 2023 sind die Emissionen im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zurückgegangen. Ungefähr 150 norwegische Unternehmen haben der norwegischen Umweltbehörde Emissionen im Rahmen des EU-Klimaquotensystems für das Jahr 2023 gemeldet. Dazu gehören fünf Luftfahrtbetreiber. 

„Das Klimaquotensystem verteuert den Ausstoß von Treibhausgasen und trägt so zur Emissionsminderung bei. Damit wir den notwendigen Übergang bewältigen können, müssen die Treibhausgasemissionen künftig stark und schnell gesenkt werden“, sagt Ellen Hambro, Direktorin der Umweltbehörde. Auch wenn die quotenpflichtigen Treibhausgasemissionen etwas zurückgegangen sind, bedarf es einer deutlich verstärkten Klimapolitik, damit Norwegen bis 2050 eine Niedrigemissionsgesellschaft wird. Maßnahmen in der Branche erforderten Jahre zum Planen und Bauen – und Investitionen in Milliardenhöhe. Die Unternehmen stünden vor unterschiedlichen Hürden und es brauche mehr Maßnahmen als die Quotenregelung.

Das Klimaquotensystem der EU legt eine gemeinsame Obergrenze für die Gesamtmenge der CO2-Emissionen der erfassten Unternehmen fest. Der Preis der Zertifikate trägt zur Reduzierung der Emissionen im Gesamtsystem bei. 

Quotenpflichtige Emissionen von 2016 bis 2022©Miljødirektoratet

Die quotenpflichtigen Emissionen der Mineralölindustrie konnten im Jahr 2023 im Vergleich zu 2022 um vier Prozent gesenkt werden.   Das Edvard-Grieg-Feld wurde Ende 2022 mit Landstrom elektrifiziert und verzeichnete im Jahr 2023 eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 82 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit Mitte 2023 erhalten die Felder Gullfaks und Snorre Strom vom schwimmenden Offshore-Windpark Hywind Tampen.  

Veslefrikk und Knarr stellten die Aktivitäten auf dem Feld im Jahr 2022 ein und hatten daher im Jahr 2023 kaum oder gar keine Emissionen. Hammerfest LNG hatte sein erstes Jahr mit voller Produktion nach dem Brand im Jahr 2020 und das Njord-Feld hatte sein erstes Jahr mit voller Produktion nach dem Wiederaufbau der Anlage. 

Die quotenpflichtigen Emissionen der landbasierten Industrie konnten im Vergleich zum Jahr 2022 um 6,5 Prozent reduziert werden.  

Die Emissionen der metallurgischen Industrie ging um zehn Prozent zurück, was unter anderem auf hohe Strompreise und eine geringere Produktion in mehreren Anlagen zurückzuführen ist. Aufgrund schwankender Strompreise reduzierte Eramet Kvinesdal im vergangenen Jahr den Betrieb des Kraftwerks. Auch Alcoa Lista stellte im Herbst 2022 Teile seiner Produktion aufgrund hoher Strompreise ein. Dieser Teil des Werkes ist für das gesamte Jahr 2023 geschlossen. Auch Hydro Aluminium Karmøy hatte geringere quotenpflichtige Emissionen als im Vorjahr. Das Werk reduzierte die Produktion Ende 2022 und hatte auch 2023 eine geringere Produktion.  

Gleichzeitig stiegen die Treibhausgasemissionen der Mineraldünger- und Chemieindustrie um drei bzw. zehn Prozent. Mehrere der Anlagen mussten im Jahr 2022 wegen Audits geschlossen werden, und Produktion und Emissionen liegen im Jahr 2023 wieder auf dem gleichen Niveau wie 2021.  

Die Treibhausgasemissionen des quotenpflichtigen Luftverkehrs lagen im Jahr 2023 in etwa auf dem gleichen Niveau wie im Jahr 2022. Das heißt, 1,16 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr 2023 von den fünf Betreibern, die im Klimaquotensystem Emissionen an Norwegen melden. Flyr AS ging im Januar 2022 in Konkurs und meldete keine Emissionen für 2023. SAS meldet seine Emissionen an Schweden.  

Zu den quotenpflichtigen Treibhausgasemissionen des Luftverkehrs zählen sowohl der inländische Luftverkehr als auch alle Füge im EWR-Raum sowie vom EWR nach Großbritannien und in die Schweiz. 

Die Emissionen von Treibhausgasen aus quotenpflichtigen Emissionen in Ländern, die Teil des Klimaquotensystems der EU sind, zeigen, dass die Emissionen für die EU/EWR-Länder zusammen im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent gesunken sind. Dies ist die größte Emissionsreduzierung in einem Jahr seit Einführung des EU-Klimaquotensystems vor 19 Jahren. Insgesamt konnten die quotenpflichtigen Emissionen in Europa gegenüber dem Jahr 2005 um 47 Prozent gesenkt werden. 

Im Energiesektor konnten in vielen Ländern der EU die Emissionen stark reduziert werden. Diese Reduzierung basiert vor allem auf einem Übergang von der Nutzung von Kohle und Gas zur Produktion und Nutzung von Strom aus Sonne und Wind. Die Emissionsminderungen in der EU sind auch auf geringere Produktionszahlen und Effizienzsteigerungen unter anderem im Zement-, Eisen- und Stahlsektor zurückzuführen. 

Im Rahmen des EU-Klimapakets Ready for 55 bzw. Fit for 55 wurden Änderungen in der EU-Klimaquotenrichtlinie beschlossen. Mit den Änderungen wird unter anderem die Emissionsobergrenze im EU-Klimaquotensystem verschärft, um das EU-Ziel einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 zu erreichen. Quotenpflichtige Emissionen müssen bis 2023 um 62 Prozent im Vergleich zu 2005 reduziert werden.  

Ab dem 1. Januar 2024 wurden bestimmte Teile des Seeverkehrs in das Klimaquotensystem der EU einbezogen. Daher müssen Schiffsbetreiber im Jahr 2025 erstmals Emissionen melden und Zertifikate zur Abrechnung des quotenpflichtigen Anteils an den Emissionen einreichen.  

Ab dem 1. Januar 2024 wurden auch Müllverbrennungsanlagen in das Quotensystem einbezogen. Diese Anlagen müssen zunächst nur ihre Emissionen überwachen und melden. Im Jahr 2026 wird die EU prüfen, ob mit Wirkung zum 1. Januar 2028 auch Quotenpflichten für die Müllverbrennung eingeführt werden sollen.  

Außerdem wird ein neues Klimaquotensystem namens ETS2 geschaffen, um Kraftstoffe in den Straßenverkehr, das Baugewerbe und andere Sektoren umzuwandeln. Von ETS2 erfasste Kraftstoffbetreiber müssen ab 2025 Emissionen melden und überwachen.  

Die Änderungen in den Klimaquotenbestimmungen bedeuten auch eine deutliche Erhöhung der Zahl der von der norwegischen Umweltbehörde zu verwaltenden Akteure, insbesondere durch die Einbeziehung des Seeverkehrs in das System. 

Vorläufigen Zahlen zu den quotenpflichtigen Treibhausgasemissionen im Jahr 2023 

  • Im Jahr 2023 meldeten rund 150 Anlagen- und Flugzeugbetreiber, die unter das Klimaquotensystem der EU fallen, ihre Treibhausgasemissionen an die norwegische Umweltbehörde. Im nächsten Jahr müssen auch Schiffsbetreiber und Müllverbrennungsanlagen ihre Emissionen melden. 
  • Im Jahr 2023 beliefen sich die an Norwegen gemeldeten quotenpflichtigen Emissionen auf insgesamt 22,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Das ist eine Reduzierung um ca. 1,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Vergleich zu 2022.  
  • Die Berichte wurden von einem unabhängigen Dritten überprüft und müssen von der norwegischen Umweltbehörde überprüft werden.  
  • Die norwegische Umweltbehörde hat die Bearbeitung aller Emissionsberichte noch nicht abgeschlossen und die Zahlen sind daher noch nicht endgültig.  

    Am 10. April 2024 veröffentlichte die norwegische Umweltbehörde den Bericht Klimamaßnahmen in Norwegen – Wissensbasis 2024, der Maßnahmen aufzeigt, die die Treibhausgasemissionen aus allen Sektoren bis 2035 reduzieren werden.

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