Erneute Streikdrohung im Flugverkehr in Norwegen – Einigungsfrist der Vermittlung endet am Freitag um Mitternacht

Piloten der Fluggesellschaft Norwegian Airlines drohen mit einer Arbeitsniederlegung, sollten die heute gestarteten Vermittlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber erfolglos verlaufen.©David Charles Peacock/Norwegian Airlines

Aktualisiert am 1. Juni, 12.00 Uhr: Ein Streik wurde abgewendet. Die Parteien der Vermittlung für die norwegischen Piloten haben sich auf eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit geeinigt. Es wird auch eine Gehaltserhöhung, die einige der Gehaltsunterschiede im Vergleich zu Kollegen in anderen europäischen Ländern ausgleichen werden. Es gibt aber weiterhin ein Gehaltsgefälle für Piloten mit langer Betriebszugehörigkeit.

Oslo, 30. Mai 2024. Nachdem vor wenigen Tagen ein Streik des Flughafenpersonals in Norwegen abgewendet wurde, drohen nun Piloten der Fluggesellschaft Norwegian Airlines mit einer Arbeitsniederlegung. Heute beginnt die Vermittlung zwischen der norwegischen Pilotengewerkschaft NPU und der Gewerkschaft Parat auf der einen Seite und dem Management von Norwegian Airlines und der Arbeitgeberorganisation NHO auf der anderen Seite. Die Einigungsfrist endet am Freitag um Mitternacht. Sollten sich die Parteien nicht einigen können, könne es ab Samstag zum Streik kommen, teilt Alf Hansen, Vorsitzender der norwegischen Pilotengewerkschaft (NPU), mit. Davon würde vor allem der Inlandsverkehr betroffen sein. Die Positionen würden weit auseinanderliegen, aber man arbeite daran, Lösungen zu finden.

Hansen sagt, es gebe Uneinigkeit sowohl über Arbeitszeitregelungen als auch über die Bezahlung.
„Wir arbeiten an sechs von neun Wochenenden. Darüber hinaus haben wir die höchste Arbeitsbelastung in den Zeiten, in denen die meisten Menschen und ihre Familien eine Auszeit nehmen möchten. Dies gilt für Sommerferien, Herbstferien, Weihnachtsferien, Winterferien, Osterferien und andere Feiertage. Wir arbeiten im Winter weniger, aber wir müssen uns auf eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben einigen“, sagt er. Wichtig seien eine gleichmäßigere Arbeitsbelastung und eine längere Ankündigungsfrist für Änderungen im Arbeitsprogramm.

Auch die Löhne seien ein Thema. „Die Pilotenlöhne sind im Vergleich zu den norwegischen Industriearbeiterlöhnen hoch, aber wir haben im Lohnkampf im Vergleich zum europäischen Arbeitsmarkt, dem wir angehören, über mehrere Jahre hinweg verloren. Gegen diese Lücke zwischen unserem Gehalt und dem Gehalt unserer Kollegen in Europa, auch innerhalb unseres eigenen Unternehmens, müssen wir etwas unternehmen“, sagt Hansen. „Das Problem für uns, die wir in der internationalen Luftfahrt arbeiten, besteht darin, dass die Arbeitgeberseite keinen Bezug zu einer norwegischen Lohnstruktur hat. Wir befanden uns seit vielen Jahren in einer schwierigen finanziellen Situation, in der das Unternehmen lange Zeit von der Insolvenz bedroht war. In all den Jahren haben wir Lohnstopps und geringfügige Lohnerhöhungen akzeptiert, auch im Vergleich zu norwegischen Arbeitnehmern.“

Jetzt verdiene Norwegian wieder Geld und das Management gewähre sich hohe Gehälter und hohe Prämien. In schwierigen Zeiten und beim Wiederaufbau des Unternehmens hätten die Piloten zu Wachstum und Gewinn beigetragen. Jetzt sei es an der Zeit, die Lohnlücke für Kollegen im Unternehmen zu schließen, die an anderen Standorten in Europa arbeiten. Das Unternehmen müsse erkennen, dass die Piloten Teil eines europäischen Arbeitsmarktes sind und entsprechend bezahlt werden müssen.

Für das Gesamtjahr 2023 erzielte Norwegian einen Betriebsgewinn (EBIT) von 2.232 Millionen NOK, den höchsten Betriebsgewinn in der Unternehmensgeschichte. Die Liquiditätslage habe sich im Laufe des vierten Quartals 2023 auf 9,5 Milliarden NOK zum Jahresende verbessert, teilt das Unternehmen mit. Die Fluggesellschaft gehöre in Bezug auf Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit weiterhin zu den besten Fluggesellschaften Europas. Im Januar schloss Norwegian die Übernahme von Widerøe ab, einer regionalen Fluggesellschaft in Norwegen mit einer Flotte von 48 Flugzeugen. 

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