Letztes Privatgrundstück auf Spitzbergen steht zum Verkauf

Sptizbergen ist eine entmilitarisierte Zone. Die Lage im hohen Norwegen jedoch ist von großer geostrategischer Bedeutung. China interessiert sich für das Grundstück.©Kulspids

London, 14. Mai 2024. Ein ungewöhnliches Angebot beschäftigt derzeit die Gemüter weltweit. Zahlreiche internationale Zeitungen berichten über die Absichten der norwegischen Firma AS Kulspids, ihr Grundstück auf Spitzbergen (Svalbard) zu verkaufen. Das Unternehmen selbst teilt auf seiner Website mit: „Eine einzigartige Gelegenheit, das Unternehmen zu erwerben, das das letzte verbliebene Privatgrundstück auf Spitzbergen besitzt, das von erheblicher ökologischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung ist“. Das Startangebot für das 14.830 Hektar große, unberührte Land an einem Fjord mit einer fünf Kilometer langen Küstenlinie inklusive der Reinholmer Insel liegt bei 300 Millionen Euro. Laut Medienberichten interessieren sich auch chinesische Unternehmen für das Grundstück. Als Vermittler fungiert die Londoner Kanzlei Knight Frank London.

Das Land wird im Spitzbergen-Vertrag als „Søre Fagerfjord“ bezeichnet. Auf dem Grundstück fanden nie kommerzielle Aktivitäten statt. Ursprünglich wollte AS Kulspids hier Kohle abbauen. Es wurden aber keine Ressourcen von kommerziellem Wert entdeckt.

Experten diskutieren momentan öffentlich über die Rechtmäßigkeit des Verkaufs. „In der Praxis hat der Staat dafür gesorgt, dass das Grundstück Søre Fagerfjord für die Eigentümer wertlos ist“, sagt Arnstein Skaare, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Austre Adventfjord, gegenüber E24. „Durch den Kauf von Kulspids kann man sich nur eine Position erkaufen, in der man viel Geld für den Kampf gegen den norwegischen Staat ausgeben kann.“ Das Grundstück liegt seit im Nationalpark Südspitzbergen, was eine Nutzung, beispielsweise den Bau von Gebäuden, einschränkt.

Spitzbergen, eine entmilitarisierte Zone, steht unter norwegischer Verwaltung und Gesetzgebung. Der Spitzbergenvertrag, der 1920 unterzeichnet wurde und 1925 in Kraft trat, garantiert allerdings allen Bürgern der 46 Vertragsunterzeichner, darunter auch China und Russland, gleiche Rechte auf wirtschaftliche Nutzung. Tatsächlich haben heute nur Norwegen und Russland Siedlungen auf dem Archipel. Heute leben auf Spitzbergen etwa 3.000 Menschen, die Mehrheit davon in der Hauptstadt Longyearbyen. Spitzbergen ist auch für das Global Seed Vault bekannt, ein Silo, in dem Duplikate von über einer Million Saatgutsorten aus fast allen Ländern der Welt aufbewahrt werden.
Ungefähr 60 Prozent des Archipels sind mit Gletschern bedeckt.

©Kulspids

Der Anwalt der Verkäufer, Per Kyllingstad, erklärte gegenüber der Zeitung Børsen, dass der Zeitpunkt für den Verkauf günstig sei. Er begründet dies unter anderem mit den geopolitischen Rahmenbedingungen, der verstärkten Fokussierung auf die Arktis, dem Klimawandel und der Lage in Europa. Gegenüber Bloomberg erklärt er, dass dies eine einzigartige Gelegenheit für einen Käufer sei, „eine Position hoch oben in der Arktis zu erlangen und ein strategisches Standbein zu etablieren“. China sei auf jeden Fall ein Käufer. Das Land habe großes Interesse an der Arktis und wolle Stellung beziehen. Wie die Kanzlei in ihrem Angebot schreibt, würde das Grundstück einzigartig günstige Bedingungen für Satelliten bieten.

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