Norwegische Umweltbehörde: Klimawandel braucht Zuckerbrot und Peitsche

Ellen Hambro, Direktorin der norwegischen Umweltbehörde, übergab den Bericht an Klima- und Umweltminister Andreas Bjelland EriksenMinisterium für Klima und Umwelt

Oslo, 10. Aprill 2024. Norwegen kann seine Emissionen bis 2035 gegenüber 1990 um 63 Prozent senken. Dafür sei aber die Umsetzung einer breiten Palette von Maßnahmen erforderlich, erklärt die norwegische Umweltbehörde Miljødirektoratet. In ihrem Bericht „Klimamaßnahmen in Norwegen – Wissensbasis 2024“  stellt sie die entsprechenden Maßnahmen vor.

Die norwegische Umweltbehörde hat die Aufgabe, jährliche Aktualisierungen der Wissensbasis über das Potenzial für Emissionsreduzierungen, Hindernisse und mögliche Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele bereitzustellen. Der Bericht zeigt Klimamaßnahmen auf, die bis 2035 landesweit umgesetzt werden können. Der Bericht baut auf früheren Analysen auf, unter anderem auf dem Bericht Klimamaßnahmen in Norwegen bis 2030, veröffentlicht im Jahr 2023.

„Die Zeit bis 2050 ist kurz. Der Kauf von Emissionsreduktionen in anderen Ländern war bisher eine sinnvolle Alternative, hat aber kaum nationale Veränderungen gebracht. Künftig müssen alle Länder ihre Klimaziele verschärfen und die Emissionen senken. Es kann sowohl teuer als auch schwierig sein, Emissionsreduktionen von anderen Ländern zu kaufen“, erklärt Ellen Hambro, Direktorin der norwegischen Umweltbehörde. „Unser neuer Bericht zeigt, wie wir den Ausstoß von Treibhausgasen auf nationaler Ebene reduzieren und zu den notwendigen Veränderungen hier zu Hause beitragen können.“

Bis Februar 2025 muss Norwegen den Vereinten Nationen ein neues und verschärftes Klimaziel vorlegen. Dieses Ziel wird eine längere Zeitperspektive haben als das aktuelle Ziel für 2030. Die Klimamaßnahmen im Bericht an die norwegische Umweltbehörde erstrecken sich daher bis 2035.

Die norwegische Umweltbehörde hat zuvor mögliche Einrichtungen und den Grad der Ambitionen für ein neues und verschärftes Klimaziel bewertet. Die norwegischen Treibhausgasemissionen konnten seit 1990 bisher um weniger als fünf Prozent reduziert werden. Bei Fortsetzung der aktuellen Politik geht die Umweltbehörde davon aus, dass die Emissionen im Jahr 2035 um 27 Prozent sinken. Mit den jetzt vorgestellten Maßnahmen sei eine Reduzierung um 63 Prozent möglich. Laut Klimagesetz muss Norwegen die Emissionen bis 2050 um 90 bis 95 Prozent senken, sagt Umweltdirektorin Ellen Hambro.

Nach der Analyse der norwegischen Umweltbehörde führt die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) zu erheblichen Emissionsreduzierungen sowohl in der Industrie als auch bei der Müllverbrennung, wo in mehreren Anlagen die Abscheidung von CO2 geplant ist.

Der Übergang zur Nutzung von Biomasse und grünem Wasserstoff in industriellen Prozessen seien weitere Beispiele für Klimamaßnahmen, die zu erheblichen Emissionsreduzierungen führen.

Im Erdölsektor könneLandstrom zu erheblichen Emissionsreduzierungen führen. Auch Gaskraftwerke mit Carbon Capture and Storage (CCS) seien eine Option.

Maßnahmen, die zu einer Verkehrsvermeidung führen, beispielsweise eine verkehrseffiziente Raumplanung sowie der Einsatz von Homeoffice und digitalen Lösungen, haben nach Auffassung der Umweltbehörde positive Auswirkungen sowohl auf das Klima als auch auf den Flächenbedarf und die Ressourcennutzung.

„Mit unseren Maßnahmen wird es weniger Fahrten mit Auto und Flugzeug geben, dafür werden mehr Menschen zu Fuß gehen, Rad fahren und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Dann gibt es auch weniger Bedarf für den Straßenausbau und damit weniger Emissionen und weniger Naturverlust“, sagt Ellen Hambro.

Um die Menschen dazu zu bringen, den Zug, den Bus oder das Fahrrad zu nehmen und zu Fuß zu gehen, anstatt das Auto zu benutzen, sei eine Kombination aus Zuckerbrot und Peitsche erforderlich. Instrumente, die das Radfahren, Zufußgehen und öffentliche Verkehrsmittel attraktiver machen, sollten mit autobeschränkenden Instrumenten kombiniert werden, wie einer Neuverteilung des Straßenraums, reduzierten Geschwindigkeitsbegrenzungen und Parkbeschränkungen.

Investitionen in die Elektrifizierung des Verkehrssektors seien nach wie vor von zentraler Bedeutung, um künftige Emissionsreduzierungen sicherzustellen. Die Lkw-Initiative, bei der im Jahr 2030 alle neuen Lkw emissionsfrei sein sollen oder mit Biogas betrieben werden, sei die größte Einzelinitiative im Transportsektor. Allein dadurch könnten im Jahr 2035 etwa 1,5 Millionen Tonnen eingespart werden.

Im Nationalen Verkehrsplan 2025–2036 (NTP) wird unter anderem ein Schwerverkehrspaket vorgeschlagen, was ein guter Schritt in die richtige Richtung sei. Die Analyse der norwegischen Umweltbehörde weist auf mehrere Instrumente hin, die mit dieser Investition zusammenarbeiten können, um das Ziel zu erreichen, dass alle neuen Lkw im Jahr 2030 emissionsfrei sind oder mit Biogas betrieben werden.

In der Landwirtschaft könnten Verbraucher eine wichtige Rolle spielen, indem sie Lebensmittelverschwendung reduzieren und die Ernährung umstellen. Eine geringere Nachfrage nach rotem und verarbeitetem Fleisch werde sich wiederum auf die Produktion auswirken. Dadurch könnten die Emissionen aus der Tierhaltung stark reduziert werden.

Der Zugang zu erneuerbarer Energie sei eine Voraussetzung für das Erreichen der Klimaziele – sowohl weltweit als auch in Norwegen. Energieeffizienz sei wichtig, aber nicht ausreichend.

Es bestehe Bedarf an großen Mengen emissionsfreier Energie, um die fossile Energie zu ersetzen. Wenn alle Maßnahmen des Berichts umgesetzt werden, könnte der Strombedarf im Jahr 2035 im Vergleich zu 2021 um bis zu 43 TWh steigen.

Die Stilllegung von Land verursache große Treibhausgasemissionen und habe erhebliche Folgen für die Natur. Als Verwalter des Planungs- und Baugesetzes legen die Kommunen Richtlinien für die Landnutzung für über 80 Prozent des Landes in Norwegen fest. Den Kommunen komme daher eine Schlüsselrolle zu, wenn es darum geht, die negativen Folgen von Landnutzungsänderungen zu reduzieren.

„Wir stehen unter vollem Druck, das Klimaziel für 2030 zu erreichen. Gleichzeitig planen wir, wie wir im Jahr 2050 zu einer emissionsarmen Gesellschaft werden können. Der Bericht der norwegischen Umweltbehörde ist ein wichtiger Teil der professionellen Grundlage, die wir brauchen, um diese Ziele zu erreichen“, erklärte Umweltminister Bjelland Eriksen bei der Übergabe des Berichtes an das Umweltministerium.

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