Zugunglück in Norwegen: Güterzug überfährt auf der Bergensbanen geschlossenes Ausfahrtsignal 

Der Containerzug von Onrail überfuhr in Arna auf der Bergensbanen das Ausfahrtsignal und entgleiste durch eine Schutzweiche. Der Kreuzungszug kam im einspurigen Tunnel infolge Stromunterbrechung noch rechtzeitig zum Stillstand. Die auf der Schutzweiche entgleiste Lokomotive des Containerzuges erreichte noch den Eingang des Arnanipa-Tunnel. Der Lokführer wurde leicht verletzt.©Bane Nor

Bergen, 22. März 2024. Am 22. März um 19 Uhr fuhr ein Containerzug der Güterbahn Onrail in den Bahnhof Arna auf der Bergensbanen ein. Das Ausfahrtsignal stand wegen des planmäßigen Abwartens der Kreuzung mit dem Schnellzug von Oslo nach Bergen auf Halt. Doch der von der Traxx-Lokomotive 187 406 geführte Güterzug hielt nicht an und überfuhr auch das geschlossene Ausfahrtsignal. Vor der Einfahrt in den folgenden Arnanipa-Tunnel brachte die dortige Schutzweiche den Güterzug am Tunnnelportal schließlich zur Entgleisung. Gleichzeitig war im einspurigen, zwei Kilometer langen Tunnel nach Arna in der Gegenrichtung der Schnellzug von Oslo nach Bergen mit etwa 200 Reisenden unterwegs. 

Wegen der Stromunterbrechung als Folge des Unglücks kam der Reisezug noch vor dem Ende des Tunnels zum Stillstand. Weshalb der Güterzug auf dem Bahnhof Arna nicht anhielt oder wegen Bremsproblemen nicht anhalten konnte wird untersucht. Es handelt sich um die erste Bremsung nach Bergen dem Ausgangsbahnhof. Auf dem Triebfahrzeug befanden sich der Lokomotivführer sowie ein Rangierer. Einzig der Lokomotivführer wurde trotz des seitlich umgekippten Triebfahrzeugs nur leicht verletzt. Norwegen könnte dank einer Schutzweiche und dem Unterbrechung in der Stromversorgung einer weit größeren Zugskatastrophe mit Todesopfern entgangen sein. Ob das ATC-Sicherungssystem dies noch rechtzeitig verhindert hätte, bleibt eine andere Frage.    

Beim Unglück entgleisten die Lokomotive und mehrere Güterwagen. Wegen des Auftürmens auf das Tunnelportal sind die Schäden an den Containern und dem Ladegut besonders groß. Ein Fahrleitungs-Querträger mitsamt den Fahrdrähten wurde heruntergerissen. Wegen den Trümmern in Arna durften die Reisenden den Schnellzug nicht verlassen, um zu Fuß den Bahnhof zu erreichen. Nach vier Stunden gelang es den von einer El 18 geführten Reisezug mit Diesel-Traktoren des Baudienstes in Gegenrichtung aus dem Tunnel nach Stanghelle herauszuziehen, wo die Reisenden in Autobusse umsteigen konnten. Bis zum Ende der Aufräum- und Reparaturarbeiten bleibt die Bergensbanen in Arna noch unterbrochen.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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