Widerstand gegen Lachszuchtanlage im ehemaligen Bergwerk nahe des Weltkulturerbe-Fjords Geiranger

Das Landprojekt im Synnylvsfjorden. World Heritage Salmon (WHS) hat mit Benchmark Genetics bereits einen Fünfjahresvertrag über die Bereitstellung von jährlich 20 bis 25 Millionen Eizellen für die Fischzucht im Berg abgeschlossen.©Benchmark Genetics

Oslo, 18. März 2024. Die Nationale Behörde für Kultur- und Denkmalschutz Riksantikvaren hat Einwände gegen eine geplante landbasierte Lachszuchtanlage World Heritage Salmon WHS in Raudbergvika in Møre og Romsdal erhoben. Die Anlage, die in einem alten Bergwerk entstehen soll, stehe eindeutig im Widerspruch zu den Weltkulturerbe der westnorwegischen Fjordlandschaft, sagt Hanna Geiran, Leiterin des Amtes. Das ehemalige Bergwerk liegt in der Gemeinde Fjord am Eingang zum Sunnylvsfjord, der weiter in den Geirangerfjord führt. Das Planungsgebiet umfasst Teile des Landschaftsschutzgebiets Geiranger-Herdalen und das Weltkulturerbe Westnorwegische Fjordlandschaft.

In einem einzigartigen Bergbaukonzept in der Nähe des Geirangerfjords will das Lachszucht-Unternehmen World Heritage Salmon bis zu 100.000 Tonnen Fisch pro Jahr produzieren. Geschäftsführer und Lachsunternehmer Roger Hofseth möchte darin Norwegens größte Fischfarm bauen. Das Unternehmen Artec Aqua hat den Auftrag zum Bau der Anlage erhalten. WHS hat die Genehmigung für die Anlage beantragt, deren erste Bauphase im Jahr 2025 fertiggestellt sein soll.

Fischfarm Raudbergvika. In diesem Berg soll eine riesige Fischfarm entstehen.©Abbildung: Norconsult.

„Unsere berufliche Verantwortung besteht darin, Einwände zu erheben, wenn die Werte des Weltkulturerbes gefährdet sind“, erklärt Geiran. „Hier sehen wir eine Maßnahme, die in klarem Widerspruch zu den zukunftsorientierten und universellen Weltkulturerbe in der westnorwegischen Fjordlandschaft besteht. Die internationalen Experten der UNESCO für das Weltnaturerbe IUCN lehnen diese Entwicklung klar ab.“

Zuchtkäfige im Bergwerk©Illustration: Artec Aqua

Sorge bereitet der Behörde insbesondere die Einleitung von Abwässern in den Fjord Sunnylvsfjorden, der mit dem Geirangerfjord verbunden ist, und den Umgang mit überschüssigem Material aus der Sprengung der Berghallen. Die vorgelegten Zahlen würden auch darauf hindeuten, dass die Stickstoffemissionen im Fjord den Emissionen von einer Million Menschen entsprechen.

Auch die Verwaltung im Bezirksrat von Møre og Romsdal sei der Ansicht, dass die Maßnahme im Widerspruch zum Weltkulturerbestatus steht und dass eine derart umfangreiche Anlage den Weltkulturerbestatus gefährden wird, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die IUCN (World Conservation Union), das Beratungsgremium der UNESCO, hat die Pläne 2021 vor Ort geprüft und die Folgenabschätzung der Maßnahme ausgewertet. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Maßnahme nicht der Bewahrung der universellen Werte im Welterbegebiet entspricht. Auch die UNESCO selbst hat in einem Brief vom 6. November 2023 mitgeteilt, dass sie über die Entwicklung besorgt sei. 

Die westnorwegische Fjordlandschaft, der Geirangerfjord und der Nærøyfjord, wurden am 14. Juli 2005 in die UNESCO-Liste des Weltkultur- und Naturerbes aufgenommen. Sie gelten als zwei der bedeutendsten Fjordgebiete der Erde.

Norwegen hat sich durch die Ratifizierung der UNESCO-Welterbekonvention verpflichtet, die westnorwegische Fjordlandschaft als Teil des Weltnaturerbes zu schützen. Diese Verantwortung bedeutet, dass die Erhaltung des Welterbes für alle acht norwegischen Weltkulturerbestätten nach der bestmöglichen Praxis erfolgen muss, teilt die Behörde mit. Riksantikvaren untersteht dem norwegischen Umweltministerium.

Die Bergbautätigkeit in Raubergvik wurde 2013 eingestellt. 2018 teilte Sibelco Nordic AS der norwegischen Bergbaudirektion, Direktoratet for mineralforvaltning, „DMF“ mit, dass die Anlage/Bergbautätigkeit in Raubergvika ab dem 1. November 2018 endgültig geschlossen werden. Sibelco Nordic AS hat das Gebiet aufgrund eines genehmigten Sanierungsplans restauriert und die Restaurierungsarbeiten 2021 abgeschlossen. Der belgische Konzern Sibelco baut bis heute in Åheim Olivine ab, hauptsächlich für die Bau-, Metallurgie-, Filter- und Schleifmittelindustrie. Norwegen ist mit einem Anteil von 50 Prozent des Weltmarktes der größte Produzent von Olivine.

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