Verheerende Ergebnisse einer Untersuchung der Osloer Feuerwehr und Rettungsdienste zum Brandschutz im Blixtunnel

So sieht es im Winter als Folge des eindringenden Wassers in den Blix-Tunnelröhren aus.©Bane Nor

Oslo, 28. Februar 2024. Am 11. Dezember 2022 wurde in Norwegen der Blixtunnel von Oslo nach Ski auf der Achse nach Halden – Göteborg eröffnet. Mit einer Länge von zwanzig Kilometern ist er der längste Eisenbahntunnel in Skandinavien. Die Gesamtkosten der Strecke mit zwei Röhren betrugen 37 Milliarden NOK. Unmittelbar nach der Eröffnung durch König Harald begannen die Probleme im Tunnel, die zu häufigen Sperrungen führten. So brachen mehrere kleine Brände aus. In jüngster Zeit dringt alkalisches Wasser in die Tunneldecken ein. Dadurch werden Fahrleitungsanlagen beschädigt und es kommt zu Kurzschlüssen, auch durch die Bildung von Eiszapfen. Im Juni 2023 hat Pricewaterhouse Coopers einen Untersuchungsbericht vorgelegt, der dem Infrastrukturbetreiber Bane Nor die fachliche Kompetenz zur Beurteilung des komplexen Bauwerks abspricht. Jetzt veröffentlichte die Zeitung Nettavisen Auszüge aus einem Untersuchungsbericht der Osloer Feuerwehr und Rettungsdienste vom Dezember 2023 zur Brandsicherheit im Blixtunnel – mit verheerenden Ergebnissen.

Die im Dezember 2023 vorgelegte Untersuchung des Blix-Tunnels durch die Feuerwehr ergab gravierende Mängel im Bereich des Brandschutzes. Die Feuerwehr und die Rettungsdienste fordern Bane Nor auf, sofortige Maßnahmen zu ergreifen. Während des Audits wurden besonders zwei Nichtkonformitäten festgestellt: 

Abweichung Nr 1: Bane Nor verfügt über unzureichende Abläufe die sicherstellen, dass die für Bauarbeiten geltenden Brandschutzanforderungen eingehalten werden. Die Routinen von Bane Nor sind unzureichend an die Größe, Komplexität, Nutzung und Risiken des großen Bauwerks angepasst. 

Abweichung Nr 2: Die Routinen von Bane Nor, die sicherstellen müssen, dass Gebäudekomponenten, Installationen und Geräte in den Bauwerken, welche Brände erkennen oder die Folgen eines Brandes begrenzen sollen, nicht so gesteuert und gewartet werden, dass sie wie geplant funktionieren.  

Zudem hat die Feuerwehr im Inneren des Tunnels folgende konkrete Feststellungen gemacht:

  • Fehlende Routinen für die Anwendung des Lautsprechersystems, welches die zu Evakuierenden mit Informationen versorgen sollte.
  • Die Telefon, die den Reisenden in Notfällen helfen sollen, besitzen in einigen Gebieten keine Schutzabdeckungen.
  • Entlang mehrerer Fluchtwege fehlen Feuerlöscher. Auch CO₂-Geräte sind nicht vorhanden. 
  • Die Überdruckanalge im Evakuierungsgebiet von Åsland funktioniert nicht ordungsgemäß.
  • Brandschutztüren lassen sich nur schwer öffnen. 
  • Mangelhafte Übereinstimmungen zwischen den von Bane Nor vorgelegten Unterlagen und den tatsächlich angetroffenen Maßnahmen innerhalb des Tunnels. Einige der erforderlichen Maßnahmen als Folge von Risikobewertungen wurden von Bane Nor schlicht nicht umgesetzt. 

Die Feuerwehr kritisiert Bane Nor auch für die unzureichende Ausbildung ihres Personals sowie mangelhafte Informationsweitergaben an die Feuerwehr. Der Feuerwehr fehlen Informationen über die Evakuierungsstrategie von Bane Nor und ebenso fehlen die Vorkehrungen für die Rettungsdienste in den Tunneln. Die Feuerwehr verweist auf die Notunterkünfte in Ski, Haven und Åsland und kommt zum Schluss, dass es für die Evakuierten zu schwierig ist herauszufinden, wohin sie im Brandfall evakuiert werden müssen. 

Speziell hervorgehoben haben die Feuerwehr und die Rettungsdienste in ihrer Untersuchung die unzureichenden Dokumentation von Bane Nor an die Rettungskräfte. Basierend auf den gewonnenen Ergebnissen während des Audits gelangt die Feuerwehr zum Fazit, dass die Sicherheitsarbeit von Bane Nor nicht ausreichend an den Blix-Tunnel angepasst ist.

Der Verkehrsminister Jon-Ivar Nygård wird von mehreren Politikern zu einer Stellungnahme im Storting aufgefordert. 

Finden Sie hier den Bericht der Unternehmensberatung Pwc.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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