Erzzug auf der schwedisch-norwegischen Malmbanen erneut entgleist – Polizei ermittelt wegen Sabotage

Nach zweimonatiger Streckensperrung ist nach lediglich fünf Betriebstagen die schwedisch-norwegische Malmbanen wegen erneuter Entgleisung eines LKAB-Zuges wieder unterbrochen.©LKAB

24. Februar 2024. Das Unfassbare ist eingetreten. Nach der zweimonatigen Streckensperrung der schwedisch-norwegischen Malmabanen wegen einer Entgleisung mit großem Sachschaden bei Vassijaure (Schweden) ist nach lediglich fünf Betriebstagen erneut ein Zug der LKAB entgleist. Am 24. Februar kurz vor 20 Uhr sprang ein leerer Erzzug mit sieben Wagen auf der Fahrt von Narvik nach Kiruna aus den Gleisen. Die Unfallstelle befindet sich zwischen Katterjokk und Vassijaure sechs Kilometer nördlich des vorherigen Entgleisungsortes vom 17. Dezember 2023. Der schwedische Infrastrukturbetreiber Trafikverket hat beschädigte Schienen, Schwellen und Fahrleitungsanlagen festgestellt. Die schwedische Polizei hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, das als Sabotage klassifiziert ist. Die Einleitung einer Voruntersuchung bei ähnlichen Ereignissen sei eine Routinemaßnahme, die weitere Ermittlungsmaßnahmen ermöglicht, heißt es in einer Pressemitteilung.  

Derzeit gebe es keine begründeten Tatverdächtigen. Die Polizei prüfe den Fall umfassend. Sie untersucht auch die Entgleisung vom vergangenen Dezember. Es sei noch zu früh um zu sagen, ob die beiden Ereignisse zusammenhängen. Die Untersuchung werde angesichts der herrschenden Umstände mit umfangreichen Schäden in einem großen geografischen Gebiet in schwer zugänglichem Gelände einige Zeit in Anspruch nehmen.

Bislang gibt es keine Prognosen, wann die Schäden behoben sein werden und der Betrieb wieder beginnen kann. Für die Grubengesellschaften der LKAB und Kaunis Iron bedeutet der erneute Streckenunterbruch eine Katastrophe. Das staatliche Unternehmen betreibt in Kiruna das weltgrößte Eisenerzbergwerk und fördert das Erz auch in Svappavaara und in Malmberget bei Gällivare. Mangels beschränkter Strecken- und Hafenkapazitäten kann lediglich ein geringer Anteil über Luleå und den Bottnischen Meerbusen exportiert werden. Erneut verliert die LKAB täglich 100 Millionen Kronen. Für die privatwirtschaftliche Kaunis Iron kann die erneute Unterbrechung zur Existenzbedrohung werden. 

Auch der Narviker Terminal Fagernes bleibt erneut ohne die Containerzüge aus Oslo und Padborg. Was bedeutet, dass die LKW wieder täglich in den 170 Kilometer entfernten Umschlagsterminal in Kiruna fahren müssen, um Container und Auflieger für den Arctic Rail Exrpess und North Rail Express zuzustellen und abzuholen. In den Focus gerät immer mehr Trafikverket, welcher für den Unterhalt der Infrastruktur verantwortlich ist. Auch wird abzuklären sein, welche Rolle der in den vergangenen Jahren ständig erhöhte Achsdruck auf im Regelfall heute 31 Tonnen spielt.

Mehrere schwedische und norwegische Unternehmen, Kommunen und Organisationen haben am 22. Februar einen Brief an die Regierungen Schwedens und Norwegens geschickt, in dem sie ein zweite Gleis auf der Malmbanen fordern.

Auf der Strecke werden nicht nur umfangreiche Eisenerztransporte, sondern auch Fisch, Mineralien, Lebensmittel und Post transportiert. Hinzu kommen Vorleistungen für die Industrie, der Personenverkehr und zunehmende Nutzung durch die Tourismusbranche. Es gibt keine alternativen Transportwege für die schweren Güter. Wenn andere Verkehre von der Schiene verlagert werden, würde dies zu erhöhten Emissionen, Verschleiß und Staus auf dem Straßennetz führen, heißt es in einer Pressemitteilung von LKAB.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören LKAB, H2GS, die Handelskammer Norrbotten, die Kommunen Luleå, Kiruna und Narvik, der schwedische Tourismusverband, Volvo und viele mehr.

„Wir ergreifen diese Initiative, weil wir zutiefst besorgt über die mangelhafte Funktion und mangelnde Kapazität der Strecke sind. Der bereits heute schlechte Zustand der Strecke hat schwerwiegende negative Folgen für unsere Geschäftstätigkeit, unsere Wettbewerbsfähigkeit sowie das Wohlergehen und das Bruttoinlandsprodukt unserer Länder. Auf lange Sicht ist auch die Wachstums- und Entwicklungsfähigkeit gefährdet, aber auch die Bereitschafts- und Verteidigungsfähigkeiten unserer Länder. Wir fordern daher, dass unsere jeweiligen Regierungen zusammenarbeiten und für einen zweigleisigen Ausbau der Strecke sorgen“, heißt es in dem Brief.

Finden Sie hier den vollständigen Brief.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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