NATO-Wintermanöver in Norwegen: Aus Cold Response wird Nordic Response

Während des Manövers wird es auf mehreren Hauptstraßen militärische Übungen geben. Die norwegische Straßenverwaltung Statens vegvesen informiert über Sperrungen und Behinderungen.©Torbjørn Kjosvold, Norwegische Streitkräfte

Oslo, 20. Februar 2024. 20.000 Soldaten aus 13 Nationen, rund 50 Schiffe und über 110 Luftfahrzeuge werden den Norden Norwegens, Schwedens und Finnlands vom 3. bis 14. März in ein Kriegsgebiet verwandeln. Das traditionelle NATO-Manöver Cold Response, das alle zwei Jahre im Norden Norwegens stattgefunden hat, wird in diesem Jahr um die neuen NATO-Mitglieder Schweden und Finnland erweitert und in Nordic Response umbenannt. Die Hälfte der Soldaten trainiert an Land, der Rest auf See und in der Luft. In Norwegen findet die Übung hauptsächlich in Troms und der West-Finnmark sowie den Seegebieten statt.

Die Übung ist in die NATO-Übung Steadfast Defender integriert, die den ganzen Winter und Frühling über andauert. Bald soll das NATO-Kommando über die nordische Region vom Hauptquartier in Brunssum in den Niederlanden an das Joint Force Command Norfolk in den USA übertragen werden. Nordic Response werde somit in vielerlei Hinsicht zu einer Generalprobe für das NATO-Kommando in Norfolk, heißt es in einer Pressemitteilung von Forsevaret.

20.000 Soldaten aus 13 Nationen, rund 50 Schiffe und über 110 Luftfahrzeuge werden an dem Manöver Nordic Response teilnehmen.©Forsvaret

Die norwegischen Streitkräfte Forsvaret informierten darüber, dass es bei solch großen Militärübung in Troms und der Finnmark gelegentlich zu Lärmbelästigungen und zu Straßensperrungen kommen kann. Auch im Flugverkehr und beim Einsatz von Drohnen werde es Einschränkungen geben. Die Streitkräfte kündigten verstärkte Aktivität von Militärflugzeugen am Flugplatz Evenes an. Die  norwegischen Kampfjets F-35, P-8 und die amerikanischen F-35 würden bis vor Mitternacht im Einsatz sein, um den Dunkelflug zu trainieren.

Felleskjøpet Agri ist der Hauptlieferant von Rentierfutter. Nachdem bekannt wurde, dass Rentiere wegen des NATO-Mannövers umgesiedelt werden mussten, hat  Felleskjøpet Agri seine Produktion erweitert und liefert nun große Mengen in den Norden.©Felleskjøpet Agri

Für die NATO-Übungen wurden auch Rentiere umgesiedelt. Das NATO-Mannöver und die Weidekrise hätten zu einer großen Nachfrage nach Rentierfutter geführt, teilt der Hersteller von Rentierfutter, Felleskjøpet, mit. „Nachdem uns bewusst wurde, dass aufgrund der NATO-Übung viele Rentiere umgesiedelt werden müssen und in einigen Gebieten Weidekrisen ausgerufen wurden, haben wir die Produktion in der Fabrik in Steinkjer, in der FK Reinfôr Bas hergestellt wird, angepasst“, sagt Produktmanager Rune Lostuen von Felleskjøpet. Es sei viel Futter auf dem Weg nach Norden mit dem Boot und weiter mit dem Auto. „Unsere Fabrik wird in den kommenden Wochen rund um die Uhr produzieren.“

Für die Öffentlichkeit in Norwegen wird die Übung von Bjerkvik im Süden über Indre Troms und weiter nach Alta und Midt-Finnmark sichtbar sein. Wie die staatliche Verwaltungsbehörde von Troms und Finnmark mitteilt, würden zahlreiche zivile Dienste wie Gesundheitsdienste, Wartungs- und Ingenieurdienste und mehrere kleiner Nischenkapazitäten wie meteorologische Dienste für das Manöver in Bereitschaft stehen. Darüber hinaus würden Güter benötigt, von denen die Treibstoffversorgung erfolgen soll. Sowohl die zivilen Zulieferer als auch die Streitkräfte selbst seien auf Basisdienstleistungen wie die Stromversorgung oder zivile IKT-Dienste angewiesen.

„Wir tun alles, was wir können, um die Belastung des Straßennetzes, der Natur, der Rentierhaltung und anderer Aktivitäten zu reduzieren. Wir danken der Bevölkerung vor Ort für ihre Geduld und hoffen auf Verständnis, dass diese Übung für die norwegische Sicherheit wichtig ist“, sagt Vizeadmiral Rune Andersen, Leiter des operativen Hauptquartiers (FOH) der norwegischen Streitkräfte. Da Finnland und Schweden bald der NATO beitreten, sei die Übung eine Arena für die nordische Integration und Zusammenarbeit an der Verteidigungsfront.

Die norwegischen Streitkräfte hätten erhebliche Ressourcen aufgewendet, um die Auswirkungen auf die Umwelt, die Tierwelt, das Gelände und die Rentierhaltung zu verringern. Darüber hinaus würde die Armee eng mit den Organisatoren des Finnmarksløpet, dem größten Hundeschlittenrennen zusammenarbeiten, das zeitgleich mit dem Manöver Nordic Response am 8. und 9. März in der Region stattfindet. Es ist mit 580 Kilometern und 1.200 Kilometern sowie einem Juniorenrennen mit 200 Kilometern das längste und nördlichste Hundeschlittenrennen der Welt.

Die Armeen selbst musste Einschränkungen bezüglich der Logistik befürchten. Die Eisenbahnstrecke, die den Norden Norwegens und Schwedens verbindet, die Ofoten-Linie genannte Strecke in Norwegen und die Malmbanen genannte Strecke in Schweden, war mehr als zwei Monate wegen einer großflächigen Entgleisung nahe der norwegischen Grenze in Nordschweden gesperrt. Am 20. Februar wurde der Betrieb wieder aufgenommen, fünf Tage später, am 25. Februar, entgleiste erneut ein Zug unweit der Stelle, an der die Entgleisung im Dezember passierte. Die schwedische Polizei ermittelte wegen Sabotage.

Im Zuge der NATO-Erweiterung um Schweden und Finnland werde die Bedeutung der Ost-West-Verbindung im Norden stark zunehmen, sagte der schwedische Verteidigungschef Eirik Kristoffersen gegenüber High North News. Der Bau einer Doppelspur zwischen Schweden und dem Hafen Narvik wird seit langem gefordert.

Die Polizei und der Polizeisicherheitsdienst (PST) der Finnmark haben die Bevölkerung aufgerufen, sicherheitsgefährdende Aktivitäten zu melden. Eine große NATO-Übung sei sowohl für ausländische Geheimdienste als auch für kriminelle Akteure von großem Interesse, schreibt die Polizei auf ihrer Website. Unter sicherheitsgefährdende Aktivitäten nennt die Polizei beispielsweise Personen, die militärische Ausrüstung, Personal oder Gebäude filmen oder fotografieren, Fahrzeuge oder Boote mit ungewöhnlich technischer Ausrüstung oder ungewöhnliche Bestellungen.

Lesen Sie hier mehr über die Übung unter vorset.no

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