Schwedisch-norwegische Erzbahn nach zwei Monaten wieder in Betrieb

Der erste Zug nach Narvik verließ Kiruna am Dienstagmorgen. Nach zwei Monaten der Streckenunterbrechung infolge einer schweren Entgleisung und Beschädigung der Infrastruktur konnte der Erzverkehr von Kiruna nach Narvik endlich wieder aufgenommen werden. Bis zum vollständigen Abtransport des angehäuften Eisenerzes kann es mehrere Jahre dauern. 

Kiruna, 20. Februar 2024 (aktualisiert am 21. Februar). Am 20. Februar wurde die Malmbanen zwischen Kiruna und Riksgränsen nach 63 Tagen wieder für den Verkehr freigegeben. Eine derart lange Unterbrechung war noch niemals zu verzeichnen. Viereinhalb Millionen Tonnen Eisenerz im Wert von fast acht Milliarden Kronen haben sich bei dem Bergwerksunternehmen LKAB in Kiruna und Svappavaara angehäuft und werden zur Verschiffung sukzessive über voraussichtlich mehrere Jahre nach Narvik abtransportiert. Denn Priorität hat der Abtransport der laufenden Produktion. Die LKAB kann täglich zehn Erzzüge nach Narvik fahren. Die Grubengesellschaft verlor über zwei Monate Einnahmen in Höhe von 100 Millionen Kronen pro Tag. 

Hinzu kommen auf der einspurigen Strecke noch die Erzzüge der Kaunis Iron von Pitkäjärvi nach Narvik. Statt vorzeitig in Kiruna wenden zu müssen, können auch die Containerzüge „Arctic Rail Express“ und „North Rail Express“ wieder zur Versorgung von Nord-Norwegen bis nach Narvik fahren. In der umgekehrten Richtung verkehren sie beladen mit Fisch und Meeresfrüchten nach Süden. Einzig der Reisezugverkehr bleibt aus Kapazitätsgründen zwischen Abisko und Narvik noch für Monate eingestellt. Als Ersatz verkehren Autobusse. Hingegen müssen Militärzüge für das Großmanöver „Steadfast Defender“ der Nato, das vom 3. bis 14. März in der Region stattfindet, zugelassen werden. Seit dem schwedischen und finnischen Beitritt zur Nato haben die Ofotbanen (Norwegen) und Malmbanan (Schweden) als West-Ost-Verbindungen strategisch an Bedeutung gewonnen. 

Am 17. Dezember 2023 war in einer Schutzgallerie ein vollbeladener Erzzug entgleist, wobei zehn zuvor entgleiste und mitgezogene Wagen von Tornehamn bis Vassijaure 15 Streckenkilometer beschädigt hatten. Bei Temperaturen bis unter 40 Grad und Wind bis Orkanstärken mussten 26.000 Betonschwellen und sechs Kilometer Schienen sowie mehrere Fahrleitungsmasten ersetzt und zunächst Schnee und Eis entfernt werden. Derartige Bedingungen sind für Mensch wie auch für die speziell für die Kälte ertüchtigen Maschinen ein ernsthaftes Problem. Soweit das Wetter es zuließ, wurde rund um die Uhr gearbeitet. Die Entgleisung wird von LKAB sowie der schwedischen Transportverwaltung und der Nationalen Unfallkommission untersucht.

Die Achslast bleibt nach der Wiedereröffnung zu Beginn auf 25 Tonnen statt normalerweise 31 Tonnen beschränkt. Dies bedeutet, dass die LKAB und Kaunis Iron zunächst jeden Erzwagen um 20 Tonnen weniger beladen können. Für mehrere Monate gilt auf der reparierten Strecke eine Beschränkung auf 40 km/h. Planmässig dürfen beladene Erzzüge mit 60 km/h, leere Erzzüge mit 70 km/h und die Containerzüge mit 100 km/h fahren. Durch die längeren Fahrzeiten vermindert sich die Kapazität der einspurigen Strecke. Das hat zu einem angepassten Fahrplan gezwungen. Die schwedische LKAB wie auch die norwegischen Spediteure verlangen seit geraumer Zeit den Ausbau der Strecke von Kiruna nach Narvik auf Doppelspur. 

Am Morgen des 21. Februar entgleiste innerhalb des Container-Terminals Fagernes in Narvik ein Containerzug. Das betrifft die Erzzüge der LKAB nicht. Es könnte jedoch die Erzzüge von Kaunis Iron behindern, die im Umschlagsterminal Fagernes ihren Erzverlade-Terminal haben. In erster Linie sind die Containerzüge betroffen. Doch kann ein solcher Unfall normalerweise innerhalb eines Tages aufgeräumt werden. „Wir arbeiten natürlich daran, den Wagen so schnell wie möglich wieder auf Kurs zu bringen und die Situation zu klären. Wir wissen nicht, wie groß die Folgen sein werden“, sagte Kirsten McDonagh, Pressesprecherin von BaneNor, gegenüber der Narviker Zeitung „Fremover“.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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