Risikoanalyse: Russische Streitkräfte als größte militärische Bedrohung für Norwegen

Oslo, 12. Februar 2024. Norwegen sieht sich heute einem ernsteren Bedrohungsumfeld gegenüber als in den vergangenen Jahrzehnten. Während der Krieg in der Ukraine in sein drittes Jahr geht, stehe Russland kurz davor, die militärische Oberhand zu gewinnen. Die russische Militärindustrie laufe auf Hochtouren und China, Weißrussland, Iran und Nordkorea leisteten erhebliche materielle Unterstützung. Russland sei im Krieg besser aufgestellt als noch vor einem Jahr, und die russischen Streitkräfte blieben die größte militärische Bedrohung für Norwegens Souveränität, seine Bevölkerung, sein Territorium, wichtige gesellschaftliche Funktionen und seine Infrastruktur. Zu diesem Schluss kommt der norwegische Auslandsgeheimdienst NIS in seinem jährlichen Bericht Focus, der am 12. Februar gemeinsam mit der Bedrohungsanalyse des norwegische Polizeisicherheitsdienstes PST und dem Bericht „RISK 2024“ der Nationalen Sicherheitsagentur NSM der Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurde.

China stelle für Norwegen keine militärische Bedrohung dar, habe aber ein Interesse daran, in der Arktis politisch, wirtschaftlich und mit der Zeit auch militärisch Fuß zu fassen. Die jüngsten Investitionen in polare Fähigkeiten, einschließlich Eisbrecher, hätten China die Möglichkeit gegeben, in der Region unabhängiger zu agieren.

Verteidigungsminister Bjørn Arild Gram und Justiz- und Notstandsministerin Emilie Enger Mehl eröffneten die Pressekonferenz zur Vorstellung der Bedrohungs- und Risikoberichte der norwegischen Sicherheitsdienste.©Torbjørn Kjosvold/Forsvaret

Die Privatwirtschaft habe im Zuge der sicherheitspolitischen und technologischen Entwicklung zunehmend an Bedeutung für die nationale Sicherheit gewonnen, heißt es im Bericht „RISK 2024“ der Nationalen Sicherheitsagentur. Er enthält unter anderen folgende Aussagen:

  • Da sich die Bedrohungen ändern, muss sich auch unser Verständnis der offengelegten Schwachstellen und Werte ändern. Unternehmen und Personen, die bisher kaum in die Arbeit mit der nationalen Sicherheit involviert waren, stehen jetzt im Mittelpunkt.
  • Kleinere Unternehmen und Betriebe, die Zulieferer größerer Unternehmen sind, geraten ins Visier. Sicherheit muss bei der Beschaffung Vorrang haben. 
  • Durch die technologische Entwicklung werden auch Einzelpersonen zu Zielen. Spearphishing missbraucht einzelne Mitarbeiter als Zugang zu Unternehmen. 
  • NSM warnt vor Konzentrationsrisiken in der Gesellschaft. Die allgemeine nationale Abhängigkeit von Ländern, die eine Sicherheitsbedrohung für Norwegen darstellen, stellt eine erhebliche Schwachstelle für nationale Sicherheitsinteressen dar.

„Die Bedrohungssituation, in der wir uns befinden, ist ernst. In Europa steht ein umfassender Invasionskrieg bevor. Wir stehen an einem Scheideweg. Kleine Staaten wie Norwegen müssen geschickt manövrieren. Wir müssen das Versicherungsrisiko bei Entscheidungen in allen Branchen berücksichtigen. Norwegen und Europa müssen bereit sein, mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit und die ihrer Verbündeten zu übernehmen. Die heute vorgelegten Berichte unterstreichen, dass die Welt gefährlicher und unberechenbarer sei“, sagte Verteidigungsminister Bjørn Arild Gram.

Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz MSC hat der norwegische Außenminister Espen Barth Eide dem FAZ-Podcast ein längeres Interview gegeben. Darin spricht er u.a. 

  • über die Konsequenz ausbleibender Waffenlieferungen an die Ukraine;
  • die Beistandsverpflichtung der NATO und
  • die Genozid-Anschuldigungen an Israel.

Finden Sie hier gesamte Interview ab Minute 15 (bis Minute 35):

In der jährlichen Bedrohungsbewertung „FOCUS“ liefert der norwegische Geheimdienst seine Analyse zum Status und zu den erwarteten Entwicklung in thematischen und geografischen Bereichen, die der Dienst als besonders relevant für die norwegische Sicherheit und nationale Interessen erachtet.

Lesen Sie es hier: Forsvaret.no

Die jährliche Bedrohungsanalyse des Polizei-Nachrichtendienstes PST ist eine Analyse der erwarteten Entwicklungen im Verantwortungsbereich des PST wie Terrorismus, Spionage und Drohungen gegen Behörden.

Lesen Sie es hier: PST.no

In „RISK 2024 – Unsicherheit erhöhen – höhere Bereitschaft“ bewertet die nationale Sicherheitsbehörde NSM, die Fachbehörde für präventive Sicherheit, das Risiko für die Gesellschaft in den Bereichen digitale Sicherheit, Personalsicherheit, physische Sicherheit und Sicherheitsmanagement. In dieser Analyse geht es vor allem um Bedrohungen, die Unternehmen ausgesetzt sind, und um Vorsorgemöglichkeiten.

Lesen Sie es hier: Nsm.no

Sehen Sie sich hier die Aufzeichnung der Pressekonferenz an: Gemeinsame Präsentation der Bedrohungs- und Risikobewertungen – regjeringen.no

Lesen Sie hier den Bedrohungsbericht in englischer Sprache.

1. Kapitel: Die veränderte Sicherheitssituation (insbesondere im Norden)

2. Kapitel: Russlands dauerhafter Bruch mit dem Westen

3. Kapitel: Chinas globale Ambitionen

4. Kapitel: Wettrüsten erreicht neues Niveau

5. Kapitel: Mittlerer Osten

6. Kapitel: Terroristische Bedrohung in Europa

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