Europäische Kulturhauptstadt Bodø mit über eintausend Veranstaltungen im Norden Norwegens

Die spektakuläre Eröffnungszeremonie Bodø2024 im Stadthafen Molobukta.©David Engmo

Bodø, 2. Februar 2024 (aktualisiert am 4.1.2024). Am 11. Januar dieses Jahres erhielt Bodø, das Verwaltungszentrum der Provinz Nordland, offiziell den Status der Kulturhauptstadt Europas für 2024. Bodø ist die erste arktische Stadt in der Geschichte mit dem Status Kulturhauptstadt Europas. Am 3. Februar fand die Eröffnungszeremonie statt, an der sich eine Sami-Kulturwoche anschließt. Der 6. Februar ist der Nationalfeiertag des Volkes der Samen in Norwegen und wird mit einer samischen Woche gefeiert. Die Eröffnungsshow werde die größte Show sein, die Nordnorwegen je gesehen hat, erklärte André Wallann Larsen, Direktor von Bodø2024 – ein komplexes Werk aus Orchestermusik, Theater, Comedy, Tanz, Gesang, Beleuchtungseffekten und Feuerwerk, das von der deutschen Company „Phase 7“ inszeniert wurde. Da der Orkan Ingunn, einer der schwersten Stürme in Nordnorwegen seit 30 Jahren, der am 31. Januar und 1. Februar über Bodø fegte, bis zum morgen des 3. Februar abgeflaut war, fand die Eröffnungszeremonie wie geplant am Yachthafen Molobukta auf einer schwimmenden Bühne im Stadtzentrum von Bodø statt. Im Rådhusparken gibt es einen samischen Markt. Die norwegische Königin Sonja eröffnete das Kulturhauptstadtjahr. Unter anderen sprachen Norwegens Premierminister, der Präsidenten des Sámi-Parlaments, der EU-Botschafters in Norwegen sowie der Bürgermeister von Bodø und der Bezirksratsvorsitzende in Nordland während der Zeremonie.

Bodø2024 ist das größte nordnorwegische Kulturprojekt aller Zeiten und strahlt auf alle fünf Regionen Nordnorwegens aus: Salten, die Lofoten, die Vesterålen, Ofoten und Helgeland. Bodø will die nachhaltigste Europäische Kulturhauptstadt werden. Die Kultur der Samen, des indigenen Volkes in der Region, wird bei der Präsentation der Region eine wichtige Rolle spielen.

Alle Veranstaltungen finden Sie im Kulturkalender von Bodø2024.

Die Bühne für die Eröffnungsschau im Hafen wurde vom norwegischen Architekturstudio Bjørnådal entworfen. Lesen Sie hier mehr über die schwimmende Bühnenkonstruktion.©David Engmo

Bodø ist mit zirka 42.700 Einwohnern die größte Stadt der Provinz Nordland. Die Stadt gilt mit dem preisgekrönten Kulturzentrum Stormen, dem jährlichen Musikfestival Parken, arktischer Street Art, der Fußballmannschaft FK Bodø/Glimt und reicher kulinarischer Tradition als arktischer Kultur-Hotspot.

Nordnorwegen erlebte in den vergangenen Monaten einen bemerkenswerten Anstieg des internationalen Flugverkehrs. Immer mehr Direktverbindungen werden zwischen europäischen Großstädten und den Städten Bodø, Evenes, Tromsø und Alta nördlich des Polarkreises eingerichtet. Es locken die Nordlichter im Winter und die Mitternachtssonne im Sommer. Die Hurtigruten-Schiffe legen täglich in Bodø an.

Aber auch für Unternehmen ist die Region interessant.

Die UiT Norges arktiske universitet ist die nördlichste Universität der Welt. Seine Lage am Rande der Arktis bestimmt die Themen, denen sich die Universität Tromsø widmet. Die Schwerpunkte der UiT liegen auf in den Bereichen polare Umwelt, Klimaforschung, indigene Völker, Friedens- und Konflikttransformation, Telemedizin, medizinische Biologie, Weltraumphysik, Fischereiwissenschaft, Meeresbioprospektion, Linguistik und Computerchemie. UiTs Center for Advanced Studies in Theoretical Linguistics, CASTL, und CTCC, Center for Theoretical and Computational Chemistry, sind norwegische Exzellenzzentren. Das NST, das norwegische Zentrum für Telemedizin, wurde 2002 zum Kooperationszentrum der Weltgesundheitsorganisation ernannt. Mehr als 20 Prozent des akademischen Personals, unter ihnen zahlreiche Deutsche, und zehn Prozent der Studenten kommen aus dem Ausland. Die Universität bietet mehr als 20 englischsprachige Masterstudiengänge an, und an allen Fakultäten gibt es englischsprachige Kurse sowohl auf Bachelor- als auch auf Masterniveau.

Auf der malerischen Insel Andøya im Norden Norwegens hat das Luft- und Raumfahrtunternehmen Andøya Spaceport seinen Hauptsitz. Der allererste Start einer norwegischen zivilen, suborbitalen Forschungsrakete erfolgte am 18. August 1962 von Andøya aus. Die Mission war eine Zusammenarbeit zwischen Norwegen, Dänemark und den Vereinigten Staaten, wobei die NASA die Mission mit Radar- und Telemetriesystemen unterstützte. Seitdem fanden Tausende von Starts statt. Länder wie die USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich haben von Andøya aus viele Missionen durchgeführt, sowohl mit Höhenforschungsraketen als auch mit Forschungsballons. Inzwischen spielen Satellitenstarts eine wichtige Rolle. Am 2. November vergangenen Jahres hat Norwegens Kronprinz Haakon den Andøya Spaceport offiziell eröffnet. Es handelt sich dabei um den ersten betriebsbereiten orbitalen Weltraumbahnhofs in Kontinentaleuropa. Der Startplatz befindet sich in der finalen Phase vor der operativen Inbetriebnahme. Insgesamt sollen drei Startrampen entstehen, die kleine Satelliten in polare und sonnensynchrone Umlaufbahnen um die Erde befördern können. Bis zu 30 Starts pro Jahr werden möglich. Das Münchner Unternehmen Isar Aerospace hat exklusiven Zugang zum ersten Startplatz.

Auf der Insel Sørøya in Hasviker baut der norwegische Lachszüchter Cermaq Norway AS eine neue Anlage für Jungfische. Hier sollen etwa 12 Millionen Post-Smolts (Jungfische) pro Jahr aufgezogen werden. Im Juni 2023 wurde der Grundstein für die Anlage gelegt.

Narvik ist Norwegens wichtigster Umschlagplatz für den Lachsexport. Von hier befördert der Arctic Rail Express von CargoNet hauptsächlich Zuchtlachs über Schweden nach Oslo. 27 Stunden braucht der „Flyvende FIsktog“, der fliegende Fischzug, für die Strecke von 1.970 Kilometern. Die Verbindung gehört zu den größten Innovationen im skandanivischen Güterverkehr. Seit 2011 verkehrt der North Rail Express von DB Schenker auf derselben Strecke. Etwa 80 Prozent der Lebensmittel, Post und Verbrauchsmaterialien für Nordnorwegen nördlich des Tysfjords werden mit diesen Zügen geliefert. Außerdem ist der Hafen Narvik ein Umschlagplatz für Eisenerz. Das schwedische Bahnunternehmen befördert im Auftrag des schwedischen Eisenerzproduzenten Kaunis Iron seit 2018 Eisenerz vom schwedischen Pitkäjärvi über 226 Kilometer zum norwegischen Hafen Narvik zur Verschiffung in die Welt.

Die Region verfügt auch über wertvolle Rohstoffe. Ganz im Norden befindet sich eine der weltweit größten Quarzitminen, die von dem norwegischen Unternehmen Elkem ausgebeutet wird. Das Unternehmen Rana Gruver betreibt Eisenerzabbau und Mineralverarbeitung zur Herstellung von Eisenerzkonzentraten und Spezialprodukten in fünf Eisenerzvorkommen im Dunderland-Tal in der Provinz Nordland. Das Unternehmen Nusser ASA hat die Genehmigung zum Abbau von Kupfererzen in der Gemeinde Hammerfest erhalten. An der Wiedereröffnung der Eisenerzmine in Sydvaranger wird gegenwärtig gearbeitet.

Die Öl- und Gasindustrie erkundet und produziert in der Region. Das Gasfeld Snøvit gehört zu den ältesten und größten Vorkommen auf dem norwegischen Festlandsockel. Auf der Insel Meløyka befindet sich das größte LNG-Werk Europas, das von Equinor betrieben wird. Hier haben die Bauarbeiten zur Elektrifizierung des Werkes begonnen.

Die Tätigkeit der Unternehmen im Industriepark Mo am Rande der Region strahlt auch auf Nordland aus. Er ist mit 260 Hektar der größte Industriepark im Norden Norwegens. Hier ist vor allem die Metallurgie mit allen dazugehörigen Dienstleistungen beheimatet. Über einhundert Unternehmen sind im Mo Industriepark angesiedelt, die mehr als 2.300 Mitarbeiter beschäftigen. Rana ist gemessen an den Festlandexporten die größte Exportgemeinde in Nordnorwegen. Hier wurde im Januar 2023 das weltweit erste Pilotprojekt zur CO2-Abscheidung für Hüttenwerke offiziell eingeweiht. Das Unternehmen Freyr hat den Standort für eine Batteriezellenfabrik ausgewählt. Gegenwärtig liegt das Projekt aber auf Eis.

Der norwegische Flughafenbetreiber Avinor wird zusammen mit der Gemeinde Bodø und den norwegischen Streitkräften einen neuen Flughafen bauen. Der Spatenstich für den neuen Flughafen erfolgte am 21. März 2023. Die Eröffnung ist für 2029 geplant.

Last but not least ist das Militär in Nordland mit verschiedenen Standorten sehr aktiv. Die NATO hält immer wieder große Manöver in Nordland ab.

Neben Bodø wurden Bad Ischel in Österreich und Tartu in Estland als europäische Kulturhauptstädte gewählt.

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