Preiskampf in Norwegen: REMA 1000 senkt Preise von über 200 Artikeln

Der Discounter Rema 1000 will Preissenkungen der Lieferanten künftig sofort an die Kunden weitergeben.©Rema 1000

Oslo, 29. Januar 2024. Der Handelskonzern REMA 1000 hat die Preise von über 200 Artikeln in seinen Märkten gesenkt. Damit steigt das Unternehmen aus dem System der sogenannten „Preisfenstern“ aus, bei dem Lieferanten zweimal im Jahr, jeweils am 1. Februar und am 1. Juli, ihre Preise für die Lebensmittelketten ändern konnten. Die Lebensmittelkonzerne gaben die höheren Preise dann an die Kunden weiter. Bereits im Juni 2023 ist REMA 1000 nicht mitgezogen und hat im Januar dieses Jahres einen Preisstopp für über 1.000 Artikel verhängt. Norwegische MEdien kritsieren, dass es sich bei der Preissenkung nur um wenige Øre pro Artikel handelt. Seit Anfang dieses Jahres tobt in Norwegen der Preiskampf zwischen den Discounterketten.

„Jetzt verhandeln wir das ganze Jahr über. Wenn wir Preissenkungen erhalten, gehen diese durch niedrigere Preise direkt an die Kunden.“, sagt Pia Mellbye, Vertriebs- und Marketingleiterin bei REMA 1000.

Der norwegische Lebensmittelmarkt wird von wenigen Akteuren beherrscht. Den Ketten gehören nicht mehr nur die Filialen, sondern auch die Großhandelsfirmen, die Logistikfirmen und zunehmend auch die Produktionsunternehmen. Norwegens Regierung setzt sich für eine Stärkung des Wettbewerbs im Lebensmittelmarkt ein. Industrieminister Vestre hat Anfang vergangenen Jahres einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, der Maßnahmen vorsieht, das Angebot zu erhöhen und die Preise für Lebensmittel zu senken. Unter anderem ließ er die Praktiken der Unternehmen bei der Preisbildung und die Wettbewerbsbedingungen zwischen den Lebensmittelakteuren sowie die Bedeutung von Eigenmarken und vertikaler Integration untersuchen, um gegebenenfalls mit Verboten eingreifen zu können. „Die Tatsache, dass einige wenige Akteure gleichzeitig auf mehreren Seiten des Tisches sitzen, beispielsweise dadurch, dass sie mehrere Teile der Wertschöpfungskette besitzen und betreiben, kann Konsequenzen für die Wettbewerbssituation haben“, sagte Vestre am 15. Januar dieses Jahres bei der Präsentation der Ergebnisse der Untersuchung des Preisbildungssystems. Die norwegische Wettbewerbsbehörde kommt in ihrem Bericht zur Wettbewerbssituation im Lebensmittelhandel zu dem Schluss, dass es insgesamt wahrscheinlich ist, dass die Praxis der festen Preisanpassungsfenster wettbewerbsbeschränkend war und dass es daher positiv für den Wettbewerb ist, dass diese Praxis offenbar eingestellt wird.

In Norwegen haben drei Akteure den Lebensmittelmarkt unter sich aufgeteilt: Norgesgruppen mit Kiwi und Meny, Rema 1000 und Coop. Die Gründer und/oder Besitzer der großen norwegischen Lebensmittelketten gehören zu den reichsten Menschen des Landes. So lag Odd Reitan, Gründer des Lebensmittelkonzerns Rema 1000 und Vorsitzender der Reitangruppen, mit einem Nettovermögen von 7,98 Milliarden NOK im Jahr 2022 auf Platz zwei der Liste der reichsten Norweger. Johan Johannson von Norgesgruppen verfügte über ein Vermögen von 5,12 Milliarden NOK – Platz acht der reichsten Norweger.

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