Harter Winter bringt Eisenbahn in Norwegen in große Schwierigkeiten

Der mehrmalige Verkehrskollaps im Süden des Landes ist kaum nachvollziehbar. Wesentlich mehr Verständnis gibt es bei Extremwetter für die Probleme auf der Bergensbanen, die als Gebirgslinie bei Finse 1222 Höhenmeter erreicht.©Bane Nor

Oslo, 25. Januar 2024. In dritter Folge erlebt Norwegen einen harten Winter. Im Januar kam es in einem Ausmaß zu Verspätungen und Zugsausfällen , wie dies seit Jahren nicht mehr der Fall gewesen ist. Vom 16. bis 18. Januar kam der Vorortsverkehr im Großraum von Oslo nahezu zum Erliegen. Laufend wurden die Züge auf dem großen Abfahrtsanzeiger in Oslo Sentralstasjon mit „Innstilt“ (Eingestellt) angezeigt. Am schlimmsten war die Østfoldbanen von Oslo nach Halden betroffen. Doch auch die Vestfoldbanen von Oslo nach Larvik war am 17. Januar immer wieder gesperrt. Diese großen Schwierigkeiten um die Hauptstadt eines Winterlandes werden von den vielen betroffenen Reisenden nicht verstanden.

In Oslo warteten die Reisenden wegen den ausfallenden Zügen bis zu vier Stunden auf ein Taxi. Währenddessen sorgte am 18. Januar mitten im Zugschaos eine große Mitarbeiter-Party von Bane Nor mit Kosten von zwei Millionen Kronen für zusätzliche Irritation. Manche der wartenden und frierenden Reisenden empörten sich über die Prioritätensetzung beim Infrastrukturbetreiber. Bei diesen unerfreulichen Meldungen kann auch der neue Blix-Tunnel von Oslo nach Ski nicht fehlen. Seit der Eröffnung im Dezember 2022 sorgen die beiden Röhren durch eindringendes alkalisches Wasser für Probleme. Am 18. Januar wurde eine Tunnelröhre wegen der Bildung von Eiszapfen an der Tunneldecke einmal mehr gesperrt. Die Eiszapfen haben zu Kurzschlüssen in der Fahrleitung geführt. Zum Austausch der Stromleitungen wird jeweils eine Röhre des Blixtunnels ab Frühjahr für mehrere Monate gesperrt.

Die Kälte führt dazu, dass sich über stromführenden Leitungen im Blix-Tunnel Eiszapfen bilden. Gelangen die Eiszapfen zu nahe an Teile des Stromnetzes, kann es zu einem Kurzschluss kommen.
©Henning Bråtebæk/Bane NO

Heftig kritisiert wird ebenso die bei Störungen weiterhin mangelhafte Information der Reisenden. Auch die neue hochmoderne Fernsteuerzentrale hat im Gegensatz zu allen Versprechungen keine Besserung gebracht. Hierfür kann nicht das Wetter zur Entschuldigung dienen. Wesentlich mehr Verständnis erhalten bei Extremwetter die Probleme auf der Bergensbanen, die als Gebirgslinie bei Finse 1222 Höhenmeter erreicht. Aus Sicherheitsgründen wegen Lawinengefahr und Schneerutschungen wurde der Zugsverkehr vom 21. bis 23. Januar eingestellt. Aus mehreren Zugsentgleisungen in den vergangenen Jahren hat man gelernt. 

Mit extremem Wetter hatte Anfang Januar auch Vy Tåg zu kämpfen, die schwedische Tochtergesellschaft der norwegischen Vy, die in Schweden die Fernzüge von Stockholm nach Kiruna – Narvik betreibt. Wegen der Kälte bis minus 40 Grad mussten die Reisezüge nördlich von Boden mehrmals eingestellt werden. Wenn Züge mit Stromausfall im unwegsamen Gelände steckenbleiben, könnte ohne rasche Rettung Lebensgefahr bestehen. Die bei Vassijaure wegen einer Entgleisung und Zerstörung der Schutzgallerie seit 17. Dezember unterbrochene Malmbanan nach Narvik sollte ursprünglich ab 31. Januar wieder durchgehend befahrbar sein. Am 26. Januar wurde die Inbetriebnahme ein weiteres Mal wegen schlechten Wetters auf den 4. Februar verschoben. Dann sollen die Erzzüge endlich wieder rollen.  

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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