Norwegen 2023 mit zweitgrößtem Handelsüberschuss aller Zeiten

Handelsbilanz, Exporte und Importe in Mrd. NOK, von oben: Exporte, Importe, Rohöl und Gas, Festlandexporte, Handelsbilanz©SSB

Oslo, 15. Januar 2025. Norwegens Handelsüberschuss hat sich 2023 gegenüber 2022 halbiert. Grund ist ein Rückgang der Gaspreise. Mit einem Überschuss von 849 Milliarden NOK handelt es sich aber immer noch um den zweithöchste Handelsüberschuss aller Zeiten. Wie das statistische Amt SSB mitteilt, wurden im Jahr 2023 Waren im Gesamtwert von 1.873 Milliarden NOK exportiert  – ein Rückgang von 29,7 Prozent gegenüber 2022. Der Wert der Importe für 2023 lag bei 1.023 Milliarden, 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Einnahmen aus den Gasexporten betrugen 55 Prozent weniger als 2022. Die gesunkenen Gaspreise sind unter anderem auf einen besseren Zugang zu Flüssigerdgas und den guten Füllungsgrad der europäischen Gasspeicher im Jahr 2023 zurückzuführen, heißt es bei SSB.

Auch die schwache Krone hat den Außenhandel stark beeinflusst. Gemessen am  importgewichteten Wechselkursindex der Norges Bank für wichtige Handelspartner (I-44) (norges-bank-no) war die Krone im Jahr 2023 um 8,5 Prozent schwächer als im Vorjahr. Gegenüber dem Euro waren es sogar 13,0 Prozent. Eine schwächere Krone wirkt sich positiv auf die Rentabilität der exportorientierten Industrie aus, während importierte Waren teurer werden.

Der Rückgang des Importwerts für 2023 sei ebenfalls auf die niedrigeren Energiepreise zurückzuführen, erklärt Therese Vestre von SSB. Die Stromimporte gingen wertmäßig um 13,9 Milliarden NOK beziehungsweise 62,7 Prozent zurück. Darüber hinaus gab es einen starken Rückgang bei der Zahl importierter Autos. Der Importwert sank um 22,4 Prozent und lag 2023 bei 64,5 Milliarden NOK.

Ansonsten war das Jahr stark von Preissteigerungen geprägt. Der Verbraucherpreisindex beschreibt den stärksten Preisanstieg seit den 1980er Jahren und weist auf ein Wachstum von sieben Prozent für importierte Waren hin.

Warenexporte vom Festland in Mrd. NOK©SSB

Der Importwert für Kleidung sank zum ersten Mal seit 2012. Er betrug im Jahr 2023 26,7 Milliarden NOK, ein Rückgang um 6,9 Prozent gegenüber 2022. Die Importmenge sank sogar um 16,9 Prozent, das niedrigste Volumen seit 2002. Verantwortlich hierfür ist ein Rückgang der Importe aus China. Auch der Importwert und das Importvolumen für Möbel gingen stark zurück.

Einen Anstieg des Importwerts war bei Industriemaschinen zu verzeichnen, da es mehr Investitionen in der Öl- und Gasindustrie gab. Die Lebensmittelimporte verzeichneten einen Importwertanstieg von 10,9 Prozent, während das Volumen um 1,1 Prozent zurückging.

Die Gasexporte betrugen im Jahr 2023 bei 633 Milliarden NOK – 55 Prozent weniger als im Rekordjahr 2022. Die Ölexporte (525 Milliarden NOK) gingen nur um 5,5 Prozent zurück. Hier führt die Statistikbehörde aufgeschobene Wartung ab 2022 als hauptsächliche Ursache auf.

Der Ölpreis lag im ersten Halbjahr 2023 zwischen 800 und 870 NOK pro Barrel. Nach dem Sommer war er etwas stärkeren Turbulenzen ausgesetzt, unter anderem aufgrund des Gaza-Krieges, und lag bei bis zu 960 NOK pro Barrel.

Im Dezember 2023 wurden fast 55 Millionen Barrel Rohöl exportiert, sodass die gesamten exportierten Barrel bei 615 Millionen Barrel lagen, etwas mehr als acht Prozent mehr als im Jahr 2022. Dies ist das höchste Volumen seit 2009 und erklärt sich hauptsächlich mit einer erhöhten Produktion aus Johan Sverdrup.

Der Ölexport nach China, der im Jahr 2021 bei 85 Millionen Barrel lag, ist im Jahr 2023 auf weniger als sieben Millionen Barrel gesunken. Der Ölexport nach Polen in Höhe von fast 93 Millionen Barrel hat sich 2023 gegenüber 2021 verzehnfacht. Polen importiert kein russisches Öl mehr und ist nun nach Großbritannien und den Niederlanden der drittgrößte Empfänger von norwegischem Rohöl.

Waren vom Festland wurden im Wert von 707,0 Milliarden NOK exportiert, ein Anstieg von 3,2 Prozent im Vergleich zu 2022. „Der schwache Wechselkurs der Krone hat dazu beigetragen, dass die Fischexporte, gemessen am Exportwert, neue Höhen erreicht haben, nämlich einen Anstieg um 12,9 Prozent von 2022 auf 165 Milliarden NOK im Jahr 2023“, sagt Therese Vestre.

Importierte Waren in Mrd. NOK, v.l.: Pkw, Industriemaschinen, Strom, Kleidung, Möbel©SSB

Norwegen exportierte im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Tonnen Lachs im Wert von 122 Milliarden NOK. Gegenüber 2022 ergibt sich eine Wertsteigerung von 15,8 Prozent, aber ein Mengenrückgang von 1,7 Prozent.

Auch die Exportmenge von Lachs nach Europa ist im Jahr 2023 zurückgegangen, die Inflation in Europa ist hoch in vielen Ländern ist die Kaufkraft schwächer geworden. Allerdings stieg das Exportvolumen nach Asien und in die USA.

Niedrigere Gaspreise im Jahr 2023 ließen die Strompreise sinken, was zu deutlich geringeren Exporterlösen für Strom von 27,3 Milliarden NOK führte, was einem Rückgang von 38,9 Prozent gegenüber 2022 entspricht.

Nach Deutschland lieferte Norwegen 2023 waren im Wert von 355,8 Milliarden NOK. Das sind etwa 19 Prozent der norwegischen Exporte. Damit war Deutschland nach Großbritannien der zweitgrößte Abnehmer norwegischer Waren. Auf Platz drei folgen die Niederlande. Öl (38,6 Milliarden NOK) und Gas (260 Milliarden NOK) dominierten die Lieferungen aus Deutschland. Sie machten etwa 84,1 Prozent der Gesamtlieferungen aus.

Der drastische Rückgang der norwegischen Importe aus China bracht Deutschland auf Platz eins der wichtigsten Lieferländer vor China und Schweden. Maschinen und Fahrzeuge waren 2023 die größten Lieferposten aus Deutschland nach Norwegen.

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