Sørlandsbanen streicht Haltepunkte für mehr Pünktlichkeit

Die Fahrzeuge von „Sørtoget“ werden von Go Ahead auf Verschleiß gefahren und weisen mangels Wartung häufige Störungen auf. Nun hat die Gesellschaft mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde zur Vermeidung von Verspätungen sogar mehrere Unterwegshalte gestrichen. Die Zumutungen an die Fahrgäste überschreiten jedes Maß.©Erland Rasten 

Oslo, 15. Januar 2024. Die erfolglose Privatisierung der norwegischen Eisenbahn, in deren Ergebnis aus der ehemaligen NSB ein schwer zu durchschauendes Gebilde von zehn verschiedene Gesellschaften geschaffen wurde, sorgt fortlaufend für Ärger und Frustrationen. Nirgends sonst manifestiert sich der Misserfolg der gescheiterten Reformbemühungen derart extrem wie bei den Reisezügen auf der Sørlandsbanen von Oslo über Kristiansand nach Stavanger, die seit Dezember 2019 unter der Marketing-Bezeichnung „Sørtoget“ von der englische Gesellschaft „Go Ahead“ betrieben werden. Zudem bedient das Unternehmen auch die Nebenlinie der Arendalsbanen von Nelaug nach Arendal. Wie sich immer deutlicher zeigt, werden die bei Norske tog gemieteten Züge von Go Ahead auf Verschleiß gefahren. Denn der Unterhalt der Fahrzeuge muss vom Betreiber in Auftrag gegeben werden. Dabei wird jedoch gespart, was sich an zunehmend verlotterten Zügen inklusive nicht funktionierenden sanitarischen Einrichtungen zeigt. Zeitweise waren vier von zehn gemieteten Zügen wegen Defekten mangels Wartung außer Betrieb. 

Immer mehr Reisenden meiden die Züge hauptsächlich wegen der massiven Verspätungen von teilweise mehreren Stunden. Auf der Sørlandsbanen verkehrten im vergangenen Jahr lediglich 65 Prozent der Züge planmäßig. Das war die schlechteste Pünktlichkeitsrate im ganzen Land. Schuld an der Nichteinhaltung des Fahrplans ist meist die marode Infrastruktur, wofür Bane Nor als Infrastrukturbetreiber verantwortlich ist. Nicht aber, wenn die Züge beispielsweise schon am Abfahrtsort mit großer Verspätung bereitgestellt werden. Besonders ärgerlich sind fehlende Schlafwagen im Nachtzug von Oslo nach Stavanger. 

Im Dezember wurden zur Verbesserung der Pünktlichkeit in Absprache mit Bane Nor die Unterwegshalte in Nordagutu, Lunde, Neslandsvatn, Gjerstad, Vegårdshei und Audnedal einfach gestrichen. Eine ungeheuerliche Maßnahme, die einer Bankrotterklärung gleichkommt und bei den Reisenden zu noch mehr Frustration sorgt. Die Aufhebung der Halte ist die primitivste aller Methoden – obschon sie offiziell als befristet bezeichnet wird –, um eine bessere Pünktlichkeit zu erreichen.

Bei Einführung der norwegischen „Jernbanerevolusjon“ im Jahr 2016 fehlte es nicht an vollmundigen Versprechungen der Politik für angeblich bevorstehende Verbesserungen. Für mangelhafte Leistungen wurden Sanktionen angekündigt. Daraus ist jedoch nichts geworden. Aus Fairness ist zu erwähnen, dass die SJ Nord auf ihren Strecken und VY als der Rest der NSB auf der Bergensbanen einen deutlich besseren Service bieten als „Go Ahead“, die von den Kunden in England zur schlechtesten Verkehrsgesellschaft gewählt wurde.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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