Norwegens Verkehrsminister verspricht pünktlichere Züge in den kommenden Jahren

Das Bevölkerungswachstum in Norwegen erfordert auch einen Ausbau der Bahninfrastruktur, erkärte Verkehrsminister Jon-Ivar Nygård in seiner Eisenbahnrede.©BPN

Oslo, 9. Januar 2024. Im vergangenen Jahr lag die Pünktlichkeit der Personenzüge in Norwegen bei 87,6 Prozent. Zielvorgabe für Personenzüge laut Bane NOR ist es, dass mindestens 90 Prozent der Züge und 80 Prozent der Güterzüge fahrplanmäßig fahren sollen. In seiner Eisenbahnrede am 9. Januar 2024 vor Führungskräfte aus Behörden, Unternehmen und Organisationen im Eisenbahnsektor versprach Norwegens Verkehrsminister Jon-Ivar Nygård mehr Pünktlichkeit im Zugverkehr der kommenden Jahre. Er verlangte verstärkte Anstrengungen bei Betrieb, Wartung und Erneuerung sowie eine bessere Nutzung der vom Storting genehmigten Mittel. Vor Weihnachten verabschiedete das Storting das Verkehrsbudget für 2024. Es beläuft sich auf etwa 90 Milliarden NOK. Etwa ein Drittel davon geht an die Bahn. 

Noch vor Ostern stellt die Regierung einen neuen Nationalen Verkehrsplan (NTP) vor. Hier gibt es verschiedene Maßnahmen, die dafür sorgen sollen, dass mehr Züge planmäßig fahren, teilt das Verkehrsministerium mit.

Norwegens Verkehrsminister Jon-Ivar Nygård mahnte verstärkte Anstrengungen im Zugverkehr an.©CBP/SD

Bane Nor erklärte nach der Rede, man arbeite jeden Tag daran, die Bahn pünktlicher zu machen. Mit einer Pünktlichkeit von 87,6 Prozent sei es noch ein weiter Weg, um das Ziel von 90 Prozent zu erreichen. „Ich kann eine bessere Pünktlichkeit versprechen, aber ich kann sie nicht auf einen Termin festlegen, an dem das Ziel von 90 Prozent erreicht ist. Viele Maßnahmen werden nun umgesetzt. Unter anderem hat das Storting mehr Geld bereitgestellt, wir intensivieren die Wartungsarbeiten und ändern das Signalsystem. Das wird pünktlichere Züge bedeuten, aber es ist keine schnelle Lösung, denn wir hätten es schon vor langer Zeit getan“, sagt Thor Gjermund Eriksen, CEO von Bane NOR. 

Für das letztjährige Ergebnis gebe es mehrere Gründe. Die anhaltenden Startschwierigkeiten auf der Follobanen hatten große Auswirkungen, doch für die meisten Verspätungen und Ausfälle habe der Sturm „Hans“ gesorgt, teilt Bane Nor mit. Bei bis zu 94 Prozent eingleisigen Bahnen, die wenig Flexibilität bieten, hätten sich kleine Fehler schnell ausgebreitet und zu Verzögerungen bei mehreren Abfahrten geführt. In Zeiten, in denen die Kapazität der Infrastruktur unter Druck stehe, beispielsweise während der Hauptverkehrszeit, sei die Pünktlichkeit schlechter und die Ziele sehr anspruchsvoll zu erreichen. 

Wie Nygård hervorhob, gebe es gute Gründe, viel Geld für die Bahn auszugeben. Erstens wachse Norwegens Bevölkerung. Im Jahr 2060 werden in Norwegen 6,1 Millionen Menschen leben. Zweitens brauche das Land Transportlösungen, die nicht zu viel Platz beanspruchen. Viele Menschen werden sich in städtischen Gebieten niederlassen, wo der Platz ohnehin knapp ist. Und drittens brauche das Land einen Verkehr, der die Umwelt nicht belastet.

Die jetzige Regierung hatte versprochen, nach ihrem Amtsantritt 2021 die Bahnreform der Vorgängerregierung in weiten Teilen rückgängig zu machen. Wie Nygård erklärte, habe die jetzige Regierung gezielt an Veränderungen gearbeitet.

„Die Eisenbahnen und Zugunternehmen sind kritische Infrastrukturen für die Gesellschaft. Staatliche Kontrolle ist wichtig. Unter meiner Aufsicht haben wir daher mehrere Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass die Unternehmen im Eisenbahnsektor an einem Strang ziehen. Damit wir für Fahrgäste und Unternehmen die bestmögliche Bahn bekommen“, sagte der Minister.  

  • Erstens habe die Regierung kurz nach ihrem Regierungsantritt die Ausschreibung für den Personenzugverkehr in Ostnorwegen annulliert. Dieses Zugangebot sei direkt Vy zugeordnet.
  • Außerdem seien die Ausschreibungen für den Betrieb und die Instandhaltung der Eisenbahninfrastruktur gestoppt worden. Um eine umfassende Kontrolle über den Zustand der Infrastruktur zu gewährleisten, sei Spordrift AS letztes Jahr zurück nach Bane NOR gekommen.
  • Nygård selbst habe die Initiative ergriffen, die zukünftige Organisation der Unternehmen Vy und Flytoget zu untersuchen. Eine Fusion der beiden Unternehmen sei eine von mehreren Optionen.
  • Viertens wurden die Organisation und das Management im Eisenbahnsektor einer gründlichen Überprüfung unterzogen – mit dem Ziel einer einfacheren Organisation, einer klareren Aufteilung der Verantwortlichkeiten und weniger Unternehmen. Eine Konsequenz dieses Prozesses bestehe darin, dass der Verkehrsminister ab dem 1. Januar 2024 eine stärkere Nachverfolgung der staatlichen Mittel eingeführt habe, die Bane NOR erhält.

Noch vor Ostern will die Regierung den neuen Nationalen Transportplan vorstellen. „Ich kann schon jetzt ankündigen, dass wir im neuen NTP Maßnahmen priorisieren werden, die dafür sorgen, dass mehr Züge planmäßig fahren. Mit anderen Worten: Wir wollen die Pünktlichkeit auf der Schiene verbessern. Wir nennen es ein Pünktlichkeitsversprechen.“ Dies sei erstens ein Versprechen an die Reisenden und die Frachtbranche, dass weitere Züge im Fahrplan sein werden. Zweitens werde dies ein Schub, den die ganze Bahnfamilie mitmachen müsse.

Neben mehr Geld sowohl für den Unterhalt als auch für die Erneuerung der bestehenden Bahnstrecke bedeute dies, dass intelligenter gearbeitet und präzise Maßnahmen dort ergriffen werden müssen, wo sie sowohl für Passagiere als auch für Frachtkunden den besten Effekt erzielen.

In den kommenden Jahren werde Bane NOR mehrere neue Bahnanlagen eröffnen – nicht zuletzt in Ostnorwegen. Darüber hinaus wird Norske tog viele neue Züge in Betrieb nehmen. Beide Maßnahmen würden für einen stabileren Zugverkehr sorgen. Dasselbe werde durch den Austausch der Signalanlagen erreicht. 

Die Ambitionen sind klar: 2024 und 2025 werden mehr Züge auf der Strecke unterwegs sein als 2023. In den letzten Jahren seien die Fördermittel für die Bahn deutlich gestiegen. Tatsächlich sei noch nie zuvor so viel für die Eisenbahn bereitgestellt worden.

Die Probleme auf der Follobanen und der Zugstopp in Romeriksporten sowie mehrere andere Vorfälle würden zeigen, dass es immer noch Schwächen in den aktuellen Systemen und Abläufen gebe. „Ich erwarte von Ihnen, dass Sie innerhalb Ihrer eigenen Organisation und untereinander gut zusammenarbeiten, damit in der gesamten Branche eine gute Sicherheitskultur herrscht. Das ist Führungsaufgabe“, erklärte der Verkehrsminister. 

Es sei nicht hinnehmbar, wenn Passagiere vier Stunden lang ohne Informationen und Strom in einem Tunnel festsitzen. Die Regierung erwarte, dass Sie gute Routinen und Systeme einführen, die befolgt werden. Jeder von Ihnen trägt eine Verantwortung. Der Bahn- und ÖPNV-Service müssten vom Reisenden als hochwertige Dienstleistung erlebt werden. „Wenn nicht, verlieren wir gegen den Privatwagen.“

Es soll auch einfach sein, eine Reise nahtlos über alle Betreiber und Transportmittel hinweg zu planen und zu buchen. Auch müsse gut über Verspätungen und andere Reisemöglichkeiten informiert werden.

Um dies zu erreichen, bedürfe es einer guten digitalen Grundlage. Daher erhalte das Unternehmen Entur, der Entwickler und Betreiber eines öffentlichen nationalen Reiseplaners sowie von Verkaufs- und Ticketing-Lösungen für den öffentlichen Nahverkehr, mehr Geld, um die Plattform für Reiseplanung und Ticketverkauf zu verbessern. Darüber hinaus werde Entur mit wichtigen Arbeiten zur Erleichterung des Verkaufs internationaler Bahntickets beginnen.

Aber die Digitalisierung der Bahn sei natürlich noch viel umfangreicher. In den nächsten zehn Jahren will die Bahn die alten Anlagen durch das digitale Signal- und Sicherheitssystem ERTMS ersetzen. Das Wort „Signalausfall“ soll aus dem Wortschatz getilgt werden, wenn die alten und veralteten Signalsysteme ersetzt wurden. 

Pünktlichkeit für Personenzüge in Norwegen:

2019: 89,1 Prozent
2020: 92,7 Prozent (unter Corona-Bedingungen)
2021: 90,3 Prozent (unter Corona-Bedingungen)
2022: 87,8 Prozent
2023: 87,6 Prozent

Finden Sie hier den Staatshaushalt 2024 – die Vergabe an das Eisenbahndirektorat.
Finden Sie hier den Staatshaushalt 2024 – die Vergabe an die norwegische Eisenbahnbehörde.
Lesen Sie hier die ganze Eisenbahnrede.

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