Unsicherheit und knappe Finanzen bremsen in Norwegen Neuwagenverkäufe 2023 – weniger Elektroautos als im Vorjahr

Im vergangenen Jahr wurden 24,3 Prozent weniger Elektroautos neu zugelassen als 2022. Der Anteil an den Neuregistrierungen lag 2023 allerdings bei 82,4 Prozent – so hoch wie nie zuvor.©BPN

Oslo, 2. Januar 2024. Das Jahr 2023 war ein kalte Dusche für die Autoindustrie und für das Ziel, die Pkw-Flotte mit emissionsfreien Fahrzeugen zu ersetzen. Das erklärt der norwegische Straßenverkehrsrat OFV in seiner jüngsten Pressemitteilung. Die Zahl der neu zugelassenen Pkw endete bei 126.953 – 27 Prozent weniger als 2022. 104.588 Elektroautos wurden neu registriert. Das sind 24,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Anteil jedoch ist von 79,3 Prozent auf 82,4 Prozent gestiegen. Der Dezember 2023 stellte mit 40.000 Neuwagen einen neuen Zulassungsrekord für einen Monat auf. Allerdings lagen die Verkaufszahlen 69 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

 Der Hauptgrund für den Zulassungsrekord im Dezember 2022 sei die angekündigte Einführung der Mehrwertsteuer auf Elektroautos mit einem Preis über einer halben Million Kronen sowie die Einführung einer neuen Gewichtssteuer für alle Personenkraftwagen ab dem 1. Januar 2023 gewesen. Gleichzeitig habe die Auslieferung der Neuwagen Fahrt aufgenommen. Mit Blick auf das Jahr 2023 seien die neuen Gebühren in einem Jahr mit starken Preissteigerungen und mehreren Zinserhöhungen hinzugekommen. Insgesamt habe dies starke Auswirkungen auf die Neuwagenverkäufe im Jahr 2023 gehabt, sagt Direktor Øyvind Solberg Thorsen vom Informationsrat für Straßenverkehr (OFV).

Stabiler Anteil an Elektroautos – und viele entscheiden sich für Hybride

Zusammenfassend endete das Jahr 2023 mit 126.953 neu zugelassenen Pkw, das sind gut 47.000 Neuwagen weniger als im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von 27,2 Prozent. Obwohl der Anteil der Elektroautos bei 82,4 Prozent lag und das ganze Jahr über einigermaßen stabil auf diesem Niveau blieb, ist die Anzahl der Autos geringer als zuvor und verlangsamt den Übergang zu einer emissionsfreien Pkw-Flotte. Allein im Dezember 2023 wurden 12.183 Pkw neu zugelassen. Das sind gut 27.000 weniger als im Vorjahresmonat 2022 – ein Rückgang um 69,2 Prozent.

Es gibt immer noch viele Menschen, die gerne Plug-in-Hybride und Hybride mit Benzinmotor hätten. Zusammengenommen machten diese Autotypen im Jahr 2023 fast 14 Prozent der Neuzulassungen von Autos aus. Die Plug-in-Hybride erhielten im Jahr 2023 eine starke Steuererhöhung, was einen Rückgang der Zahl im Vergleich zu 2022 bedeutete. Neue Plug-in-Benzinhybride endeten bei 9.969, das waren 36,1 Prozent weniger als im Vorjahr.

Der Ausstieg aus reinen Benzin- und Dieselautos schreitet voran. 2023 wurden 4.610 Pkw mit traditionellen Antrieben zugelassen. Das sind 3,7 Prozent der gesamten Neuzulassungen – die niedrigste Zahl, die es je gab.

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Gebührenänderungen hatten große Auswirkungen

„Das Jahr 2023 wurde zu einem klaren Beispiel dafür, wie Änderungen und Erhöhungen der Kfz-Steuern den Neuwagenabsatz beeinflussen. Eine schwierige Wirtschaftslage führte dazu, dass viele den Kauf eines neuen Autos stornierten oder auf Eis legten. Die Frage ist, ob die Politik mit der neuen E-Auto-Steuer nicht einen etwas zu scharfen Kurs eingeschlagen hat, denn das Ziel, dass ab 2025 alle neuen Pkw emissionsfrei sein müssen, wird schwer zu erreichen sein“, sagt Solberg Thorsen. Und auch wenn der Anteil der Elektroautos im Jahr 2024 voraussichtlich weiter steigen wird, werde es bei der aktuellen Dynamik des Neuwagenmarktes länger dauern als gewünscht, die meisten Benzin- und Dieselautos auf Nullemissionen umzustellen.

Sehr geringer Auftragseingang

Die Spannung bei den Neuwagenverkäufen im Jahr 2024 ist groß. Viele Importeure und Händler sind besorgt und berichten bereits zu Beginn des neuen Jahres von sehr geringen Auftragseingängen.

„Während im Dezember 2022 ein „Allzeithoch“ verzeichnet wurde, erreichte der Januar 2023 ein „Allzeittief“ und endete mit weniger als 1.900 neuen Pkw. Es war die niedrigste Januar-Zahl für neu zugelassene Personenkraftwagen seit 1962. Und noch nie habe es von einem Monat zum anderen einen so großen Rückgang gegeben“, sagt Solberg Thorsen. Es gebe Grund zur Sorge über das derzeit geringe Interesse am Kauf eines Neuwagens. Das hohe Zinsniveau und die Verschärfung der Kreditvorschriften wirkten sich stark auf die Neuwagenverkäufe aus, und das Letzte, was der Markt braucht, seien noch höhere Kfz-Steuern, wenn Norwegen den ökologischen Wandel erreichen will.

Bekannte Automarken an der Spitze der Verkäufe

Bekannte Automarken stehen auf den ersten fünf Plätzen in der Zulassungsstatistik für Neuwagen im Jahr 2023: Tesla belegte den ersten Platz, während Toyota, Volkswagen, Volvo und Škoda ebenfalls starke Positionen bei der Neuwagenwahl der Menschen belegen.

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Über 500.000 Besitzerwechsel

Während die Neuwagenverkäufe im Jahr 2023 schleppend verliefen, lief der Gebrauchtmarkt auf Hochtouren. Es gab rund 507.000 Pkw, die den Besitzer wechselten, und das entspricht genau dem Niveau des Vorjahres. Diesel-Pkw, von denen es auch im Pkw-Bestand die meisten gibt, dominieren nach wie vor den Gebrauchtmarkt mit 41 Prozent der Besitzerwechsel. 

Auf dem Gebrauchtmarkt sind Elektroautos attraktiv und für viele eine gute Alternative zum Neukauf. Die Zahl der Besitzerwechsel von Elektroautos lag im Jahr 2023 um 6,3 Prozent höher als im Vorjahr. Fast einhunderttausend Elektroautos haben den Besitzer gewechselt.

Van-Absatz im Jahr 2023 leicht gestiegen

Die Zahl der neu zugelassenen Transporter ist im Jahr 2023 im Vergleich zu 2022 um 1,3 Prozent gestiegen. Insgesamt wurden 28.673 Transporter neu zugelassen. Davon betrug der Dieselanteil 67 Prozent, während Elektrotransporter einen Anteil von 31 Prozent hatten. Bei Elektro-Transportern gibt es einen Zuwachs von 6,7 Prozentpunkten gegenüber 2022.

„- „Das Angebot an Elektrotransportern wird ständig verbessert. Doch die Benutzerfreundlichkeit ist noch nicht gut genug, um den Bedürfnissen vieler Händler gerecht zu werden. Es geht um Preis, Reichweite und andere für diese Gruppe wichtige Faktoren. Das Ende der Enova-Subvention für den Kauf von Elektrotransportern kam zu früh“, sagt Øyvind Solberg Thorsen. Er forderte die Regierung und Enova auf, die Subvention wieder einzuführen und sie bis 2025 laufen zu lassen.

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