Neujahrsansprache des norwegischen Premierministers: Klimaschutz muss schneller voranschreiten als Klimawandel

Premierminister Jonas Gahr Støre. ©Fredrik Varfjell / NTB

Oslo, 1. Januar 2024. Im Rückblick erklärte Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre in seiner Neujahrsansprache 2023 zu einem Jahr, in dem Kräfte wirkten, die außerhalb der menschlichen Kontrolle lagen wie das Unwetter Hans, das Norwegen im August schwer getroffen hat. „Aber es war auch ein Jahr, in dem wir daran erinnert wurden, dass wir Menschen nicht machtlos sind“, erklärte der Premierminister. Außerdem sei das Leben im vergangenen Jahr, die Umgebung oder die Finanzen vieler Menschen auf den Kopf gestellt worden von extremen Wetter auf der ganzen Welt, von teuren Zeiten und erhöhten Zinsen und von Krieg und Konflikten, die Leben fordern und Angst und Verzweiflung erzeugen.

Støre ging auf die Veränderung der sicherheitspolitischen Lage ein, speziell auf die Lage im Nahen Osten, auf die erhöhte Verteidigungsbereitschaft des Landes, die verstärkte Zusammenarbeit in der NATO und mit den nordischen Nachbarn und auf die Unterstützung der Ukraine. Kriege, Unruhen in der Weltwirtschaft, die Folgen der Pandemie, Preis- und Zinserhöhungen: All das wirke sich sowohl auf die Staats- als auch auf die Haushaltsbudgets aus.

Er sprach das Problem der hohen Zinsen und der hohen Preise in Norwegen an, die jetzt besonders hart zu spüren seien. Die Regierung habe seit Beginn der wachsenden Inflation jeden Tag auf einen Wendepunkt in der Wirtschaft hingearbeitet. Nun nähere sich das Land diesem Wendepunkt. „Wir haben Aussichten auf eine stabilere Wirtschaft, für das Land, die Unternehmen und für jeden von uns“, sagte der Premierminister. Er hob die Tatsache hervor, dass in Norwegen noch nie so viele Menschen beschäftigt waren wie jetzt. Mehrere Tausend Menschen, die zuvor von Bildung und Arbeit ausgeschlossen waren, erlebten nun die Sicherheit, einen Arbeitsplatz zu haben.

Der Klimawandel schreite viel schneller voran als der Klimaschutz. Künftig müsse der Klimaschutz schneller voranschreiten als die Veränderungen. „Es liegt in unserer Verantwortung und es ist unsere große Chance“, sagte Støre.

Vor dem Hintergrund der weltweiten Rekordhitze im letzten Jahr gebe es Zeichen, die Hoffnung machen. Dazu zählte er die Vereinbarungen des UN-Klimagipfels im vergangenen Dezember. Die Bemühungen, Emissionen zu reduzieren und den Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien sicherzustellen, gewinne an Dynamik. „Nicht nur bei internationalen Treffen, sondern auch bei uns zu Hause, an Universitäten, bei Forschern und in Unternehmen.“ Als ein Beispiel nannte er das Industrieunternehmen Mapei in Nord-Odal, das eine Technologie zur Herstellung von Beton mit weniger Emissionen entwickelt hat.

Brasilien und Indonesien, mit denen Norwegen zusammenarbeitet, gelinge es nun, die Abholzung zu verlangsamen und den Regenwald zu schützen. Dies sei von entscheidender Bedeutung für die Bemühungen gegen den Klimawandel. Kommunale Unternehmen in Norwegen ersetzten jetzt alte Fähren und Busse durch neue, elektrische. Rund um norwegische Häuser würde Energie gespart. Die Summe all aller kleinen und großen grünen Taten im Alltag zähle.

Norwegen sei auch dabei, schwimmende Windkraftanlagen zu entwickeln. Offshore-Wind sei eine einzigartige, erneuerbare Ressource entlang der norwegischen Küste. Innerhalb weniger Jahrzehnte könnte der Strom aus Offshore-Windenergie so groß sein wie die Wasserkraft, sagte Støre.

Der grüne Übergang sei in vollem Gange und das Tempo nehme zu. Norwegen müsse die Klimaziele erreichen. Mit all dem Fachwissen, den Ressourcen und Möglichkeiten werde Norwegen seinen Teil dazu beitragen, dass der Klimaschutz schneller voranschreitet, zu Hause in Norwegen und draußen in der Welt.

Der Glaube, dass Handeln nützlich ist, die Gewissheit, dass das Land großen Kräften nicht machtlos gegenüberstehe, hänge auch vom gegenseitigen Vertrauen ab. Støre lobte die Offenheit der Menschen gegenüber Neubürgern und Flüchtlingen, viele davon aus der Ukraine. Menschlichkeit und Fürsorge – gute Taten – würden das soziale Gefüge Norwegens verbinden.

„Toleranz, Haltung und Vertrauen bestimmen, wie wir, die Norweger, in Zukunft mit Unruhe und Unsicherheit umgehen“, erklärte der Premierminister. „Wir sind nicht machtlos.“

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Drei Tage Oslo mit BusinessPortal Norwegen