Ruter: Elektrobusse halten dem norwegischen Winter stand

Nicht mit den Elektrobussen gab es in Oslo kürzlich nach Wintereinbruch Probleme, sondern mit den Ladegeräten.©Ruter

Oslo, 18. Dezember 2023. In der vergangenen Woche berichteten mehrere norwegische Medien darüber, dass Elektrobusse in Oslo der Kälte nicht standhalten würden. Mehrere deutsche Medien sprangen auf das Thema auf – allen voran BILD – und verbreiteten die Meldung, dass bei den neuen Bussen der Firma Solaris den Sommer über alles gut lief, sich zum Wintereinbruch nun aber die Schwächen der elektrischen Gefährte gezeigt hätten: Obwohl eigentlich 250 Kilometer Reichweite angepriesen werden, seien die Busse in der Kälte einfach liegengeblieben. Tatsächlich kam es zu Ausfällen von Elektrobussen – jedoch nicht, weil die Busse in der Kälte „einfach liegengeblieben“ sind. Der norwegische Verband der Elektroauto-Besitzer Elbilforering (elbil.no) hat sich nach den Ursachen bei Ruter AS, dem Verwalter des öffentlichen Nahverkehrs in und um Oslo, erkundigt.

 Dass sich Kälte auf die Reichweite von Elektrofahrzeugen auswirkt, ist für Elektrofahrer nichts Neues und ist auch dem Unternehmen Ruter bekannt, der bereits seit über sechs Jahren Elektrobusse im Einsatz hat. „Bei kaltem Wetter verringert sich die Reichweite der Busse, was die Busbetreiber nun jedoch durch Anpassung der Fahrpläne für die Fahrten kompensieren. Die ersten harten Kälteeinbrüche geben den Betreibern neue Informationen darüber, wie stark diese Pläne angepasst werden müssen“, erklärte Cathrine Myhren-Haugen, Kommunikationsmanagerin bei Ruter, gegenüber elbil.no. Die Herausforderungen bei abgesagten Abfahrten seien in letzter Zeit komplex gewesen, doch ein großer Teil des Problems drehe sich um Fehler in der Ladeausrüstung der Busse, erklärt Myhren-Haugen. Als sich die Temperaturen auf niedrigem Niveau stabilisierten, seien bei den Ladegeräten in Alnabru neue Fehler aufgetreten und die Ladegeräte mussten aufgerüstet werden. Inzwischen sei das Problem gelöst und die Ladegeräte müssten jetzt mindestens 30 Grad Celsius aushalten.

Bei Ladegeräten, die in Ordnung sind, hätten die Busse mit geringer Reichweite kein Problem. Die Betreiber würden für die Auswirkungen der Kälte in ihrer Flottenplanung einen Spielraum eingeplant. Das Laden sei im Winter aber ein aufwändigeren Vorgang. Im Winter sollen die Busse vorgewärmt werden, während sie an die Ladegeräte angeschlossen sind und bevor sie die Garagen verlassen. Wenn die Logistik dafür beispielsweise durch ausgefallene Ladegeräte oder andere Bedingungen gestört wird, verringert sich die Gesamteffizienz des Systems. „Dies sollte keine Auswirkungen auf die Kunden haben, es ist jedoch mehr Aufwand erforderlich, bis alle Teile des Systems angepasst sind“, so Myhren-Haugen.

Im November 2017 startete Ruter ein Pilotprojekt mit sechs Elektrobussen, um die Technologie zu testen. Nur zwei Jahre später wurden erstmals über einhundert neue Elektrobusse in den Regelbetrieb genommen. Inzwischen hat Ruter auch acht vollelektrische Passagierboote im Inneren Oslofjord in Betrieb genommen.

Einer jüngsten Ruter-Pressemeldung zufolge sollen bis Mitte 2025 147 emissionsfreie Busse in der Region Follo in Betrieb genommen. Sie sind für den Einsatz in Ski, Vestby, Nesodden und Drøbak vorgesehen. Die Connect Bus AS, die die Ausschreibung für die vier Strecken gewonnen hatte, wird am 29. Juni 2025 den Betrieb übernimmt. Der Vertrag wurde am 24. November 2023 unterzeichnet.

Die Busse müssen mit automatischen Ketten (Ortsketten) ausgestattet sein und für den Verkehr auf hügeligen Straßen gut geeignet sein. Wie Ruter mitteilt, ist noch nicht endgültig entschieden, welcher Bushersteller für die Ausschreibung herangezogen wird. Die Auslieferung der Busse und die Inbetriebnahme sind für den 29. Juni 2025 geplant.

Die Busse werden hauptsächlich in den Werkstätten aufgeladen, zusätzlich zu den Endhaltestellen in Drøbak und Seiersten.

Knapp 69 Prozent der erstzugelassenen Stadtbusse waren im vergangenen Jahr in Norwegen elektrisch. Bis Mitte dieses Jahres waren es mehr als 75 Prozent. 

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