Norwegen nimmt neuen Anlauf für Wasserstoff- und Ammoniakprojekte für die Schifffahrt – bisherige Vorhaben gescheitert

Nur ein Schiff, die MS Hydra, wird in Norwegen mit Wasserstoff betrieben – der aus Deutschland geliefert werden muss, da es eine eigene Produktion in Norwegen nicht gibt. Die staatliche Förderagentur Enova kündigt jetzt eine Verstärkung der Maßnahmen für Produktion und Infrastruktur für Wasserstoff und Ammoniak im Jahr 2024 anEnova

Oslo, 13. Dezember 2023. Die norwegische staatliche Förderagentur Enova hat zwei neue Förderprogramme im Bereich Wasserstoff angekündigt: eines für Wasserstoff-Hubs, an denen erneuerbarer Wasserstoff produziert und gebunkert werden kann, und eines für den Aufbau einer Infrastruktur zur Speicherung und Bunkerung von Ammoniak entlang der norwegischen Küste. Ziel ist es, die ersten funktionierenden Wertschöpfungsketten für Wasserstoff und Ammoniak für die Schifffahrt zu etablieren. Aus diesen Programmen können Unternehmen eine Übernahme von bis zu 80 Prozent der Investitionskosten beantragen. Die Kraftstoffe sollen ab 2030 verfügbar sein. Hintergrund der Initiative ist die Tatsache, dass die Förderagentur im Frühjahr 2022 insgesamt 1,12 Milliarden NOK an Projekte verteilte, die bis heute nicht in Angriff genommen wurden: fünf Hubs für die Produktion von grünem Wasserstoff und zwanzig wasserstoff- und ammoniakbetriebene Schiffe. Insgesamt habe Enova den maritimen Sektor im Bereich Wasserstoff und Ammoniak bisher nach eigenen Angaben mit 2,2 Milliarden NOK unterstützt. Trotz dieser massiven Investition seien bisher keine Projekte realisiert worden.

„Wir müssen feststellen, dass externe Faktoren wie Marktbedingungen und der Wechselkurs der Krone die Projekte trotz erheblicher Unterstützung für die Investitionen sowohl der Produzenten als auch der Reeder zu teuer machten. Eine Herausforderung ist insbesondere, dass die grünen Kraftstoffe Wasserstoff und Ammoniak immer noch deutlich teurer sind als fossile Brennstoffe“, sagt Nils Kristian Nakstad, CEO von Enova. Damit der Übergang gelingt, müsse sichergestellt werden, dass die grünen Kraftstoffe mit der Zeit mit den fossilen konkurrieren können.

Derzeit sind die Investitionen in Wasserstoff- und Ammoniak-Projekte für die Schifffahrt in Norwegen auf Null: Es ist nur ein Schiff auf See, Norleds Hydra im Südwesten Norwegens. Es wurde 2021 als erste mit Wasserstoff betriebene Fähre der Welt in Betrieb genommen – weitere Fähren kamen seitdem aber nicht dazu. Auch gibt es in Norwegen keine Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff. Der Wasserstoff für Hydra wird aus Deutschland geliefert.

Neben den Förderprogrammen „Wasserstoff-Hubs“ und „Ammoniak-Infrastruktur“ gab Enova die endgültigen Kriterien für Programme zum Einsatz von Wasserstoff auf Schiffen und Ammoniak auf Schiffen bekannt. Für dieses Förderinstrument können sich Unternehmen ab dem kommenden Jahr bewerben, die erste Bewerbungsfrist endet am 15. März 2024. Die Förderung wird für Projekte vergeben, die Wasserstoff als Treibstoff für Schiffe nutzen. Hier sind ebenfalls Investitionszuschüsse in Höhe von bis zu 80 Prozent der Mehrkosten zur Umrüstung des Schiffes möglich.

Bei beiden Programmen „Wasserstoff-Hubs“ und „Ammoniak-Infrastruktur“ ist die Wirtschaftlichkeit der Projekte das wichtigste Kriterium für eine Förderung. Das Programm zur Unterstützung der „Ammoniak-Infrastruktur“ soll im Herbst 2024 starten.

„Unsere Analysen zeigen, dass eine ausreichende Investitionsförderung im Laufe der Zeit zu finanziell nachhaltigen Projekten führen wird. Die Produzenten können den Wasserstoff zu einem wettbewerbsfähigen Preis im Vergleich zu fossilen Brennstoffen verkaufen und trotzdem Geld verdienen – während die Reeder durch erhebliche Investitionsförderung gute Hilfe bei der Durchführung der Investition erhalten“, sagt Nakstad.

Wenn Wasserstoff und Ammoniak mit verstärkten Investitionen zu den gleichen Kosten wie fossile Brennstoffe verfügbar sein können, werde es für Schiffseigner auch einfacher, in Schiffe zu investieren, die diese Brennstoffe nutzen. Die Unternehmen müssen in ihren Anträgen auf Förderung nachweisen, dass dies mit ihren Projekten möglich ist, heißt es in einer Enova-Pressemitteilung.

Da die Ausschreibung als Wettbewerb durchgeführt wird, gewinnt derjenige, der pro installierter Kapazität der Produktionsanlage die geringste Förderung beantragt. DIe Antragsteller müssen nachweisen, dass das Projekt auf Grundlage der beantragten Förderung finanziell tragfähig ist und dass der Verkaufspreis für den Wasserstoff am Markt mit fossilen Alternativen konkurrieren kann.

Die fünf „Hub-Projekte“, die im Jahr 2022 von Enova unterstützt wurden, haben nun eine Frist, um bis zum 31. Januar 2024 eine endgültige Investitionsentscheidung zu treffen. Die Projekte, die keine Investitionsentscheidung treffen, werden annulliert. Somit wird rechtzeitig vor Ablauf der Bewerbungsfrist für das neue Programm geklärt, welche dieser Projekte möglicherweise realisiert werden.

Das Förderprogramm „Wasserstoff-Hubs“ soll im ersten Quartal 2024 auf den Markt gebracht werden, „Ammoniak-Infrastruktur“ soll im Herbst 2024 starten.

Lesen Sie hier mehr über die neuen Förderprogramme.

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