Norwegen skeptisch gegenüber dänischem Angebot für Nachtzug von Oslo nach Kopenhagen 

1994 wurde der Nachtzug „Alfred Nobel“ von Oslo nach Hamburg eingestellt. An der Reaktivierung eines Nachtzuges als Flügelzug des Stammzuges von Hamburg nach Stockholm ist Norwegen nicht interessiert. Auch an einem Nachtzug von Oslo nach Kopenhagen will sich Norwegen nicht beteiligen©NSB

Oslo, 13. Dezember 2023. In ganz Europa sind die Nachtzüge im internationalen Verkehr auf dem Vormarsch. In ganz Europa? Nein, in wenigen Ländern nicht. Dazu gehören Spanien und Norwegen. Von Norwegen sind die internationalen Nachtzüge mit Schlafwagen und Liegewagen von Oslo nach Stockholm, Kopenhagen und Hamburg sowie von Trondheim nach Stockholm sukzessive gestrichen worden. Der bedeutendste abgeschaffte internationale Nachtzug war der 1994 eingestellte „Alfred Nobel“ von Oslo nach Hamburg mit Schlafwagen und Liegewagen sowie einem Buffetwagen bis Göteborg. Damals mussten die Wagen noch aufwendig von Helsingborg nach Helsingør und von Rødby nach Puttgarden mit Fährschiffen übergesetzt werden. Die großen Brücken über den Öresund und Store Belt waren noch nicht gebaut. Die Wagen aus Oslo wurden in Helsinborg für die Weiterfahrt nach Hamburg mit dem Stammzug aus Stockholm kombiniert.

Seit Februar 2023 fährt erneut ein Nachtzug der staatlichen SJ von Stockholm nach Hamburg und zeitweise bis Berlin – finanziell vom schwedischen Staat zu Gunsten der Eisenbahn als umweltfreundliche Alternative zum Flugzeug unterstützt. Für Norwegen wäre dies eine Gelegenheit für die Reaktivierung des Flügelzuges von Oslo nach Hamburg. Doch bekundet Norwegen, das sich so gerne umweltfreundlich gibt, keinerlei Interesse.

Nun droht sich dies zu wiederholen, da aktuell eine Gelegenheit für die Wiederaufnahme des im Jahr 2000 eingestellten Nachtzuges von Oslo nach Kopenhagen besteht. Die dänische Regierung hat nämlich einen Budgetposten für Nachtzüge bereitgestellt, und der dänische Verkehrsminister Thomas Danielsen ist bereit, damit die Reaktivierung des Nachtzuges von Oslo nach Kopenhagen zu fördern. 

Der „Alfred Nobel“ Hamburg-Oslo am 12. Oktober 1989 im Bahnhof Göteborg bereit zur Weiterfahrt nach Oslo.©NSB

Dem dänischen Angebot weht jedoch aus Norwegen ein eisiger Wind entgegen. Wie die Staatssektretärin Cecilie Knibe Kroglund von der Arbeiderpartiet in einer Reaktion schreibt, könne ein Nachtzug von Oslo nach Kopenhagen nicht als wirksame Umweltmaßnahme (!) angesehen werden. Der Nutzen der Reduzierung von Treibhausgasemissionen überwiege in seiner Bedeutung nicht im Verhältnis zur Notwendigkeit von Subventionen. Es sei ungewiss, wie groß die Nachfrage nach diesem Nachtzug im Verhältnis zu den Betriebskosten sein würde. Trotz dieser schroffen Reaktion auf das Angebot aus Dänemark weist Kroglund wenigstens darauf hin, dass die norwegische Regierung noch nicht zu einem abschliessenden Urteil gekommen ist. Dies werde sich beim kommenden Nationalen Verkehrsplan im März 2024 definitiv entscheiden. Die Förderung von Elektroautos scheint der norwegischen Regierung deutlich wichtiger zu sein als Nachtzüge. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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