COP 28: Gemeinsame Abschlusserklärung ändert nichts an Norwegens Öl- und Gaspolitik

Im kommenden Jahr erwartet Offshore Norge neun Prozent mehr Öl- und Gasinvestitionen auf dem norwegischen Festlandsockel als 2023.©Mats Bakken/Offshore Norge

Dubai, 13. Dezember 2023. Der UN-Klimagipfel in Dubai ging 13. Dezember nach Verlängerung mit einer gemeinsamen Erklärung zu Ende. Einen ersten Entwurf der gemeinsamen Erklärung, die unter Federführung des Präsidenten der COP 28, Sultan Ahmed Al-Jaber, erarbeitet wurde, hatten zahlreiche Staaten, darunter Norwegen, Deutschland und die USA, nicht zugestimmt. Grund der Ablehnung waren die äußerst vagen Formulierungen zum Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen. Die nun unterzeichnete zweiten Erklärung löste weltweit viel Jubel aus, da sich alle Länder der Welt darauf geeinigt haben, ihre Energiesysteme von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umzustellen. Von einer historischen Vereinbarung ist die Rede und von einem Durchbruch. Auf Anfrage von e24.no, was sich für Norwegen mit der Unterzeichnung der Erklärung ändere, sagte Energieminister Terje Aasland, dass das Klimaabkommen nichts mit Norwegen zu tun habe. „Nein, es ändert nichts für Norwegen. Wir haben mehrere Instrumente, sowohl die CO₂-Bepreisung als auch Klimaquoten.“ Der Ausstieg geschehe von allein.

Am selben Tag, an dem die Klimaverhandlungen abgeschlossen wurden, veröffentlichte der Branchenverband Offshore Norge einen Bericht, der für das kommende Jahr Öl- und Gasinvestitionen auf dem norwegischen Festlandsockel in Höhe von 240 Milliarden NOK voraussagt – eine Steigerung von neun Prozent gegenüber dem laufenden Jahr.

„Zum ersten Mal sind sich die Länder der Welt darüber einig, dass ihre Energiesysteme von fossilen Brennstoffen, einschließlich Öl und Gas, Abstand nehmen müssen. Dies ist ein Durchbruch und gibt allen Ländern eine klare Richtung vor. Wir bewegen uns von der fossilen zur erneuerbaren Welt“, sagt Norwegens Klima- und Umweltminister Andreas Bjelland Eriksen. Außenminister Espen Barth Eide, der eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung des Klimagipfels und bei den Abschlussverhandlungen zur Erklärung gespielt hat, nennt das Dokument eine historische Vereinbarung. Dies sei das erste Mal, dass sich die Welt in einer so klaren Botschaft vereint, sich von fossilen Brennstoffen zu verabschieden. 

Norwegens Umweltminister Andreas Bjelland Eriksen beim Klimagipfel in Dubai.©Martin Lerberg Fossum

In der Entscheidung heißt es, dass es „auf gerechte, geordnete und ausgewogene Weise zu einem Übergang weg von fossilen Brennstoffen in den Energiesystemen kommen muss, der die Maßnahmen im entscheidenden Jahrzehnt beschleunigt, um im Einklang mit der Wissenschaft bis 2050 den Netto-Nullpunkt zu erreichen.“

In dem Dokument stimmten alle Unterzeichner zu, dass die Welt bis 2030 die erneuerbaren Energien verdreifachen und die Energieeffizienz verdoppeln, die Methanemissionen schneller reduzieren und Technologien wie die CO2-Abscheidung und -Speicherung schneller einführen muss. Die Länder betonten zudem, wie wichtig es sei, die Natur zu erhalten und zu schützen und die Abholzung bis 2030 zu stoppen. Darüber hinaus wurden wichtige Meilensteine ​​hervorgehoben, die erreicht werden müssen, um das 1,5-Grad-Ziel aufrechtzuerhalten. Die weltweiten Emissionen müssten im Jahr 2025 ihren Höhepunkt erreichen, dann bis 2030 um 43 Prozent und bis 2035 um 60 Prozent reduziert werden. Im Jahr 2050 müsse die Welt klimaneutral sein, heißt es in einer Pressemitteilung der norwegischen Regierung.

„Auch wenn wir das Zeitalter der fossilen Brennstoffe in Dubai nicht beendet haben, ist dieses Ergebnis der Anfang vom Ende“, erklärte UN-Klimaschutzsekretär Simon Stiell in seiner Abschlussrede. „Jetzt müssen alle Regierungen und Unternehmen diese Zusagen unverzüglich in realwirtschaftliche Ergebnisse umsetzen.“

Formulierungen zu fossilen Brennstoffen in der Gemeinsame Erklärung vom 12. Dezember 2023, die von der Mehrheit der COP-Teilnehmer abgelehnt wurde:

Formulierungen zu fossilen Brennstoffen in der Gemeinsame Erklärung vom 13. Dezember 2023, die von den Teilnehmerstaaten unterzeichnet wurde:

Einigkeit besteht auch über verstärkte Anstrengungen zur Klimaanpassung, zur Klimafinanzierung und -unterstützung sowie zu Verlusten und Schäden.

Die Entscheidung der norwegischen Regierung, den Bergbau auf dem Meeresboden zu erlauben, sorgte nach Angaben der norwegischen Umweltorganisation Bellona beim Klimagipfel in Dubai für großes Aufsehen. Eine Gruppe norwegischer und internationaler Organisationen und Wissenschaftler habe gefordert, dass Norwegen eine Kehrtwende machen muss. In einer Petition weist sie auf eine solide wissenschaftliche Grundlage hin, die zeigt, dass der Bergbau in der Tiefsee zu irreparablen Schäden an den Ökosystemen des Ozeans führen kann und enorme Folgen für die Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht im Ozean haben wird. „Man kann nicht von einem nachhaltigen Bergbaubetrieb auf dem Meeresboden sprechen, das sei ein Widerspruch“, sagte Lisa A. Levin, Professorin für biologische Ozeanographie und Meeresökologie an der Scripps Institution of Oceanography. Sie betonte insbesondere, wie wenig man über das Leben in diesen Gebieten wisse und wie wichtig es gleichzeitig für die Ökosysteme im Meer ist. Auch Maximiliano Bello, Berater für globale Meerespolitik bei der amerikanischen Organisation Mission Blue, wies darauf hin, wie unglaubwürdig Norwegens Rolle als Manager des Ozeans sei.

Während der 15-Jahr-Feier des Amazonas-Fonds auf der COP28 kündigte Norwegen einen Beitrag von 50 Millionen Dollar zu den Bemühungen Brasiliens zur Reduzierung der Entwaldung an. Dies ist der erste Beitrag aus Norwegen seit 2018. Der Amazonas-Fonds wurde vor 15 Jahren von Präsident Lula ins Leben gerufen, um die Verwaltung internationaler Beiträge zur Unterstützung der Bemühungen Brasiliens gegen die Entwaldung zu ermöglichen. Brasilien war Norwegens erstes Kooperationsland nach der Gründung der Klima- und Waldinitiative der Regierung, die gerade während eines weiteren Klimagipfels im Dezember 2007 auf Bali ins Leben gerufen wurde.

Die Klima- und Waldinitiative ist nach Angaben der Regierung Norwegens wichtigster internationaler Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Schutz des Regenwaldes

Seit ihrer Gründung vor 15 Jahren hat die Klima- und Waldinitiative ihren Wirkungsbereich auf eine Reihe anderer tropischer Partnerländer ausgeweitet. Im Staatshaushalt für 2024 erhöht die Regierung die Mittel für diese Arbeit um mehr als 30 Prozent.

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