Forscher aus München und Tromsø entwickeln potenziellen Impfstoff gegen antibiotikaresistente Krankenhausbakterien Enterokokken

Enterokokken, runden Bakterienbällchen, sind für viele schlimme Infektionen in Krankenhäusern auf der ganzen Welt verantwortlich. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass sie tatsächlich Abwehrwaffen gegen sich selbst herstellen.©UiT

Tromsø, 8. Dezember 2023. Die Entwicklung neuer Impfstoffe ist eine von mehreren möglichen Strategien im Kampf gegen antibiotikaresistente Bakterien. Forscher der Arktischen Universität Norwegens (UiT) und der Ludwig-Maximilians-Universität in München haben jetzt einen neuen und innovativen Weg gefunden, einen Enterokokken-Impfstoff, einen Impfstoff gegen hoch antibiotikaresistente Krankenhausbakterien, herzustellen. Ein solcher Impfstoff gegen antibiotikaresistente Enterokokken werde ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen sein, teilt die Arktische Universität mit.

Enterococcus faecium ist ein Bakterium, gegen das es noch keine Impfstoffe gebe. Es ist resistent gegen viele gängige Antibiotika, einschließlich einer Art Ersatzantibiotikum oder „letzter Ausweg“-Antibiotikum namens Vancomycin. Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, hätten oft ein geschwächtes Immunsystem und seien besonders anfällig für Infektionen mit diesem Bakterium. Darüber hinaus führten Antibiotikaresistenzen dazu, dass immer öfter keine wirksamen Medikamente mehr zur Verfügung stehen, um Patienten im Kampf gegen dieses Bakterium zu unterstützen, heißt es in einer Pressemitteilung von UiT.

Theresa Wagner beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Enterokokken und Antibiotikaresistenzen. Hier ist sie im Zusammenhang mit einem anderen Forschungsprojekt zu Enterokokken zu sehen.
©Jan Fredrik Frantzen, UiT Norwegens Arktische Universität

Das Schlüsselwort zur Entwicklung eines Impfstoffes seien Membranvesikel. Das sind kleine Kügelchen, die die Bakterien aus der Zellwand absondern und einige faszinierende Eigenschaften besitzen. Sie seien im Wesentlichen Miniaturversionen der Bakterien, die sie absondern, und hätten einige Vorteile, die sie zu möglichen Kandidaten für einen Impfstoff machen, der auf natürliche Weise im Körper freigesetzt werden kann.

Die Vesikel enthielten sowohl immunstimulierende Proteine, DNA als auch Fettstoffe. Sie seien außerdem sehr stabil und hätten keine infektiösen Eigenschaften. Sie könnten die Menschen dementsprechend nicht krank machen. 

Die UiT-Forscher haben zuvor gezeigt, wie diese Vesikel isoliert und genutzt werden können. Nun wurde ein neues und wichtiges Einsatzgebiet für sie gefunden. 

„Wir haben diese Vesikel an Kaninchen getestet und das Ergebnis war, dass das Immunsystem der Kaninchen einen starken Schub erhielt. Wir haben das von den Kaninchen produzierte Serum mit großem Erfolg an verschiedenen Enterokokkenstämmen getestet. Es tötete sogar Enterokokken ab, die gegen eine Reihe von Antibiotika resistent sind, darunter auch Vancomycin-resistente Bakterien“, sagt Theresa Wagner, Forscherin am Department of Medical Biology der UiT.  

„Enterokokken sind sehr anpassungsfähig und entwickeln leicht Resistenzen gegen neue Antibiotika. Daher ist es wichtig, alternative Strategien zur Bekämpfung dieser wichtigen antibiotikaresistenten Krankenhausbakterien zu finden“, erklärt Professorin Kristin Hegstad von der Abteilung für Medizinische Biologie und Mitautorin der neuen Studie. 

Die Studie Enterokokken-Membranvesikel als Impfstoffkandidaten wird von Helse Nord und dem norwegischen Antibiotikaresistenz-Überwachungssystem (NORM) am Universitätskrankenhaus von Nordnorwegen (UNN) finanziert. Die Forschung wurde im Rahmen der Forschungsinitiative der UiT im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen durchgeführt. CANS – Zentrum für neue antibakterielle Strategien. CANS wird von UiT und der Tromsø Research Foundation (TFS) finanziert.

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