Norwegen auf der COP 28: Erneuerbare Energien, Wälder, grüne Schifffahrt und Emissionsreduzierung statt Enddatum für Ausstieg aus Öl und Gas

70.000 Teilnehmer aus rund 200 Staaten nehmen an der UN-Klimakonferenz in Dubai teil.©COP28

Oslo, 29. November 2023 (aktualisiert am 4. Dezember). Am 29. November begann in Dubai der 28. UN-Klimagipfel. Die Konferenz ruft zum Handeln auf, um die Energiewende zu beschleunigen und die 1,5°C-Marke in Reichweite zu halten. Ziel ist es, den Stand der Fortschritte bei der Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens festzustellen und einen Fahrplan zu erarbeiten, um die Klimaziele zu erreichen. Vertreter von Regierungen, Institutionen, Unternehmen und Verbänden, insgesamt 70.000 Teilnehmer aus rund 200 Staaten, nehmen an der „Conference of the Parties“, COP28, teil. Für viele Teilnehmer ist die Ankündigung des Ausstiegs aus den fossilen Rohstoffen Kohle, Öl und Gas eine essentielle Bedingung für die Reduzierung der Treibhausgase. Sie fordern von den Ölstaaten ein klares Datum für den Stopp der Öl- und Gasförderung. Die norwegische Regierung und die norwegische Wirtschaft sehen darin nicht die Lösung des Klimaproblems und legen andere Vorschläge auf den Tisch.

Zweifellos wird die Forderung nach eine Ausstieg aus den fossilen Rohstoffen die Berichterstattung über die Konferenz dominieren. Norwegische und deutsche Medien bezeichnen das Land wegen seiner hohen Einnahmen aus dem Erdgasexport seit dem Lieferstopp aus Russland gern als „Kriegsgewinner“. In der Eröffnungsansprache forderte UN-Klimaschutzsekretär Simon Stiell die Delegierten der COP 28 auf: „Wenn wir nicht den endgültigen Niedergang des Zeitalters der fossilen Brennstoffe, wie wir es kennen, ankündigen, begrüßen wir unseren eigenen endgültigen Niedergang. Und wir entscheiden uns dafür, mit dem Leben der Menschen zu bezahlen.“ Diese drastischen Worte sind auch an Norwegen als wichtigen Produzenten von Öl und Gas gerichtet.

Das Land steht bei der Klimakonferenz am Pranger. Tatsächlich hat Norwegen bisher gerade 4,6 der 55 Prozent eingespart, die bis 2030 gegenüber 1990 eingespart werden sollen. Die Öl- und Gasindustrie ist mit einem Anteil von etwa 25 Prozent der größte Verursacher von Treibhausgasen. Bereits im Vorfeld der Konferenz haben 60 norwegische Organisationen aus einem breiten Teil der norwegischen Zivilgesellschaft gefordert, dass Norwegen die Eröffnung neuer Felder auf dem norwegischen Festlandsockel stoppt. „Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, gibt es nirgends Raum für die Suche nach mehr Öl und Gas. Daher wäre es von enormer Bedeutung, wenn Norwegen alle neuen Explorationslizenzen stoppen würde. Dies würde die Verhandlungen grundlegend verändern und ein äußerst starkes Signal an andere Ölförderländer senden“, sagt Truls Gulowsen, Vorsitzender des norwegischen Naturschutzbundes Naturvernforbundet und einer der Initiatoren der Forderung. Die Aufnahme der Verpflichtung zum Ausstieg aus allen fossilen Energiequellen zu einem bestimmten Datum soll Norwegen in der Abschlusserklärung der COP28 unterstützen.

Aber Norwegen hat einen anderen Fahrplan für Verhandlungen in Dubai. Støre gibt zu, dass Fragen zur Ölförderung eine Herausforderung sein können. Aber anders als der von der norwegischen Regierung eingesetzte Klimaausschuss 2050, der in seinem jüngsten Bericht die Ausarbeitung eines Plans zum Ausstieg aus Öl und Gas und eine Unterbrechung der Neuvergabe von Explorationslizenzen empfiehlt, hält der Premierminister an der Öl- und Gasförderung fest. Er glaubt, gute Antworten auf die Frage zum Aus für Öl und Gas zu haben. Gegenüber dem norwegischen Portal e24.no sagte er im Vorfeld der Konferenz: „Die Antwort ist, dass es die Herausforderung für die ganze Welt ist. Und wir müssen diesen Übergang schaffen. Wir glauben nicht, dass dies dadurch erreicht wird, dass wir ein Enddatum festlegen, sondern dass wir eine aktive Politik zur Förderung erneuerbarer Energien verfolgen, die letztendlich die Nachfrage nach fossiler Energie reduzieren wird. Das bedeutet in erster Linie Kohle, dann Öl und Gas, von dem wir das CO₂ abspalten.“

Norwegen spiele eine wichtige Rolle dabei, einen schnelleren globalen Übergang voranzutreiben, räumt Støre ein. „Norwegen beschäftigt sich beim diesjährigen Klimagipfel insbesondere mit vier Bereichen: Erneuerbare Energien, Wälder, grüne Schifffahrt und Emissionsreduzierung. Norwegens größte und wichtigste internationale Anstrengung gegen den Klimawandel besteht darin, zur Erhaltung des Regenwaldes und anderer tropischer Wälder beizutragen. Und als weltweit viertgrößte Schifffahrtsnation gemessen am Flottenwert muss Norwegen die Führung bei der Reduzierung der Emissionen aus der Schifffahrt übernehmen“, sagt Støre.

Die emiratische Präsidentschaft des Klimagipfels hat Außenminister Eide und Singapurs Außenministerin Grace Fu mit der Leitung der Verhandlungen über Emissionsreduzierungen beauftragt. 
Eide ist auch Norwegens Verhandlungsführer beim Klimagipfel.©UD

Bezüglich der Vorreiterrolle, die Norwegen im Bereich der grünen Schifffahrt spielen will, wurde das Land in Dubai bereits am ersten Tag der Konferenz aktiv. Støre leitet mit dem US-Klimabeauftragten John Kerry eine internationale Initiative für schnellere Emissionsreduzierungen in der Schifffahrt. Im Rahmen der Initiative „The Green Shipping Challenge“ haben Länder und die Schifffahrtsindustrie zu Beginn der internationalen Klimaverhandlungen 61 neue und aktualisierte Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen aus der Schifffahrt angekündigt. Norwegen hat Klimaanforderungen für die Inlandsschifffahrt eingeführt und ist dabei, mit der maritimen Industrie eine Klimapartnerschaft aufzubauen. Daran sind unter anderem große norwegische Akteure wie Yara, Höegh Autoliners, Wallenius Wilhelmsen und ASKO beteiligt. Im Zeitraum 2024 bis 2030 will Norwegen 210 Millionen NOK zur umweltfreundlichen Schifffahrt in Entwicklungsländern beitragen. Dies geschieht durch das Hilfsprojekt Green Voyage 2050. Bei der Green Shipping Challenge haben Norwegen und die USA eng mit Dänemark und Frankreich zusammengearbeitet. 

Die Ambitionen des Landes zur Erhaltung des Regenwaldes und anderer tropischer Wälder unterstrich der Premierminister ebenfalls gleich am ersten Tag mit einer konkreten Aktion. Norwegen sagte Indonesien eine finanzielle Unterstützung von einhundert Millionen US-Dollar zu, nachdem es dem Land bereits im vergangenen Jahr 56 Millionen US-Dollar zur Erhaltung der Wälder zur Verfügung gestetllt hatte.

Premierminister Jonas Gahr Støre wird erstmals von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet. „Die norwegische Wirtschaft wollte selbst an der COP28 teilnehmen. Dafür sollten wir sehr dankbar sein. Es ist nicht so, dass die Wirtschaft wirklich einen Klimagipfel braucht – aber der Klimagipfel braucht auf jeden Fall die Wirtschaft“, schreibt Håkon Haugli, Vorsitzender der Wirtschaftsfördergesellschaft Innovation Norway, in einem Gastbeitrag bei e24.no. Das Geschäft nähme viel zu wenig Platz ein. Ohne den Beitrag der Wirtschaft werde es unmöglich sein, die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Deshalb müsse man mehr Geschäfte machen, nicht weniger. Haugli erinnert daran, dass der norwegische Energiekonzern Equinor bei der Offshore-Windenergie weit vorne liege, insbesondere bei der schwimmenden Offshore-Windenergie, während Aker bei der CO2-Abscheidung weit vorne liegt. Beide Bereiche würden eine wichtige Rolle im Wandel spielen.

Während des ersten Tages der COP 28 kündigte Norwegen neue Vereinbarungen zur Klimaanpassung im Wert von 500 Millionen NOK an, mit dem Ziel einer Verdreifachung bis 2026. „Die Vereinbarungen, die Norwegen während der COP28 ankündigt, richten sich größtenteils an die am wenigsten entwickelten Länder. Sie sind diejenigen, die die schlechtesten Voraussetzungen haben, die notwendigen Anpassungen selbst vornehmen zu können. Gleichzeitig ist es entscheidend, dass sie das Sagen haben und dabei helfen, die Lösungen so zu gestalten, dass sie relevant sind. „Das stellen wir durch diese Unterstützung sicher“, sagt Entwicklungsministerin Tvinnereim. Am Schadensfonds, der am ersten Konferenztag eingerichtet wurde, beteiligt sich Norwegen mit 270 Millionen NOK. Darüber hinaus kündigte Norwegen in Dubai einen Zuschuss von 350 Millionen NOK für das Welternährungsprogramm (WFP) über einen Zeitraum von fünf Jahren an. Das Geld soll nach Angaben der Regierung für Benachrichtigungsmaßnahmen zur Ernährungssicherheit und zur Reduzierung des humanitären Bedarfs in Afrika südlich der Sahara verwendet werden.

Norwegen spielt durch Außenminister Espen Barth Eide gemeinsam mit Singapur eine wichtige Rolle bei der Leitung politischer Konsultationen über Emissionsreduzierungen.

Finden Sie hier die Leitlinie Norwegens für die COP 28.

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