Arctic Train meldet Konkurs – doch es soll weitergehen

Arctic Train nach einem Zwischenhalt auf der Station Rombak hoch über dem Rombaksfjord. Zwar hat Arctic Train den Konkurs angemeldet, doch soll eine neue Gesellschaft auch weiterhin Touristenzüge auf der Ofotbanen anbieten.©Arctic Train

Narvik, 30. Dezember 2023. Wie schon seit längerer Zeit erwartet, wurde am 29. November der Konkurs über die Touristenbahn Arctic Train eröffnet. Die Gesellschaft führte Touristenzüge von Narvik über die Ofotbanen nach Bjørnfjell und zeitweise bis ins schwedische Abisko. Es gibt aber Hoffnung für die spätere Weiterführung der Touristenzüge über die spektakuläre, als Ofotbanen bezeichnete Gebirgslinie von Narvik nach Bjørnfjell an der Grenze zu Schweden. 

Das Bezirksgericht Midtre Hålogaland eröffnete am 29. November 2023 den Konkurs über das Vermögen von Togreiser Nord AS, die zuvor Arctic Train hieß. Die erste Nachlasssitzung wird am 15. Februar 2024 im Bezirksgericht Midtre Hålogaland in Narvik stattfinden. Der Zugbetrieb von Arctic Train hat in den letzten Jahren ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet. Wie Pål R. Amundsen, Vorsitzender des Verwaltungsrates, ausführte, hätten die wirtschaftlichen Realitäten über mehrere Jahre sowie zuviel Ballast in der Bilanz dazu geführt, dass Unternehmen nicht mehr weitergeführt werden kann. Damit dieses touristische Eisenbahnangebot auf der Ofotbanen überleben könne, sei es unausweichlich geworden, die Insolvenz anzumelden. Geplant sei eine neue Gesellschaft mit neuem Konzept für den Betrieb von Touristenzügen. Diese soll flexibler an den Markt angepasst sein und ein profitables Wachstum ermöglichen. Die wichtigsten Kundengruppen innerhalb von Kreuzfahrten und Reiseveranstaltern müssten erfolgreicher angesprochen werden. Man glaube weiterhin, dass die Ofotbanen als eine der schönsten Bahnstrecken der Welt sowohl national als auch international attraktiv ist. 

Wie zudem June Berg-Sollund, Geschäftsführerin von Visit Narvik, mitteilte, sei es wichtig, das bisherige touristische Angebot auf der Ofotbanen für den Kreuzfahrtmarkt weiterzuführen. Für 2024 lägen bereits zahlreiche Buchungen vor und zwar sowohl für den Winter wie auch den Sommer. Man werde hart daran arbeiten, der künftigen Gesellschaft eine größere Verkehrsbasis zu verschaffen. Der Tourismus in Nord-Norwegen werde in den kommenden Jahren wachsen und sowohl die Flüge aus dem Ausland nach Evenes als auch die Kreuzfahrten nach Narvik nähmen zu. In Narvik werde gerade ein neues Hotel eröffnet und es gebe Pläne für weitere Hotels.

Tatsächlich stand bereits der Start von Arctic Train unter keinem guten Stern. Die erste Zugfahrt fand am 17. Mai 2020 statt – nach einem langwierigen Prozess von drei Jahren bis zur staatlichen Zulassung. Doch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt herrschte die Corona-Pandemie und die anvisierten Fahrgäste von Kreuzfahrtschiffen blieben – wie die meisten anderen Touristen – aus. Nach Corona kamen die Touristen ebenfalls nicht wie erwartet. Auch schlug der Versuch fehl, durch Fahrten bis ins schwedische Abisko mehr Reisende zu gewinnen. Zudem zeigten bisher auch die Tour Operators kein großes Interesse.

Zu Beginn verkehrten noch bis zu drei Zugspaare täglich. Gegen Ende waren es in Narvik noch lediglich zwei Abfahrten pro Woche. Unterwegs informieren Zugbegleiterinnen über die Landschaft und die schwierigen Arbeiten der „Rallaren“, der damaligen Bauarbeiter an der Ofotbanen. Zum Einsatz gelangt ein ehemaliger Vorortszug des Typs 69 der NSB, dessen Inneneinrichtung geschmackvoll aufgewertet ist. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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