Wenig aussichtsreicher Kampf für das Überleben von Flytoget

Die Gesellschaft Flytoget genießt bei den Fahrgästen zwischen Lufthavn Gardermoen, Oslo Sentralstasjon und Drammen einen hervorragenden Ruf. Das Jernbanedirektoratet möchte den 2028 endenden Verkehrsauftrag trotzdem nicht erneuern. Zu viele parallele Strukturen mit Vy belasten Streckenkapazität und Infrastruktur.©Øystein Grue / Norwegische Eisenbahndirektion

Oslo, 28. November 2023. Seit dem Jahr 2000 betreibt die staatliche Flytoget die sogenannten „Flugzüge“ zwischen dem Flughafen Oslo Gardermoen und Oslo, die später bis nach Drammen verlängert wurden. Das Jernbanedirektoratet hat jedoch angekündigt, den im Januar 2028 auslaufenden Verkehrsvertrag nicht zu verlängern. Im Jahr 2028 soll dann anstelle der bisherigen Schnellverbindung eine neue Regionalzugverbindung zwischen Drammen/Oslo S und dem Flughafen Oslo eingeführt werden, teilt das Eisenbahndirektorat mit. Die Fahrt mit den Regionalzügen, die dann von Vy betrieben werden, soll nicht länger dauern als heute die Fahrt mit dem Schnellzug von Flytoget. Die damit drohende Abwicklung von Flytoget mit 350 Mitarbeitern schlägt inzwischen hohe Wellen und das Wortgefecht zwischen Flytoget und Vy wird schärfer.

Der Wirtschaftsverband von Asker hat im Namen von 3.000 Unternehmen seine Bedenken in einem Brief an Premierminister Jonas Gahr Støre kundgetan. Denn viele Betriebe in der Kommune Asker rechnen bei Schließung von Flytoget mit einem Attraktivitätsverlust ihrer Standorte. Befürchtet wird eine Zunahme des Straßenverkehrs von und nach Gardermoen um jährlich eine Million Autos. Dies werde zu häufigen Verkehrsstaus führen. Heute nutzen 70 Prozent aller Passagiere des Flughafens Gardermoen die Bahn als Zubringer. Das ist der höchste Anteil des Zubringerverkehrs auf der Schiene von allen europäischen Flughäfen. 

Tatsächlich ist es Flytoget bei höheren Ticketpreisen durch geschicktes Marketing gelungen, sich ein sehr vorteilhaftes Image der Exklusivität aufzubauen – als wäre die Fahrt mit Flytoget bereits ein integrierter Teil der gesamten Flugreise. Zudem vermochte die damalige NSB mit noch zu wenig schnellen Zügen mit den 210 km/h von Flytoget und den dadurch kürzeren Fahrzeiten zwischen Gardermoen und Oslo Sentralstasjon nicht mitzuhalten. Dies hat sich inzwischen mit den umfangreichen Lieferungen von 200 km/h schnellen Flirt-Zügen an die NSB und späteren Vy nahezu angeglichen. Ein weiterer Vorteil von Flytoget besteht darin, dass in Gardermoen für die Fahrgäste stets ein leerer Zug bereitgestellt wird. Die Züge von Vy kommen hingegen bereits von Lillehammer, Hamar und Eidsvoll und können in Gardermoen eine nur noch beschränkte Anzahl von freien Plätzen aufweisen. Wer nach einem langen Flug einfach nur noch so rasch als möglich nach Hause möchte, nutzt gerne das eng getaktete Angebot der Züge von Flytoget. 

Flytoget hatte sich an der Ausschreibung für die stark frequentierte Strecke von Oslo nach Fredrikstad – Halden beworben, um das Geschäftsgebiet auszuweiten, hat dabei jedoch gegen Vy verloren. Zu den von Vy gewonnenen Østlandet-Pakke 1 und 2 ab 2026 für zehn Jahre gehört auch der Zubringerdienst zum Lufthavn Gardermoen. Tatsächlich macht es auf Dauer wohl wenig Sinn, dass sich zwei staatliche Gesellschaften auf identischen Linien gegenseitig konkurrenzieren. Auch sucht das Jernbanedirektoratet im stark frequentierten Großraum Oslo nach jeder verfügbaren Trasse. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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