Norwegens Kronprinzessin in Berlin: Wir müssen weiterhin Mauern einreißen

Norwegens Kronprinzessin während ihrer Rede zur Gedenkveranstaltung zum Fall der Berliner Mauer am 9. November 2023 in Berlin©Heiko Junge / NTB

Berlin, 9. November 2023. Den letzten Tag des Besuches in Deutschland verbringen der norwegische Kronprinz und die Kronprinzessin in Berlin. Das Kronprinzenpaar nahm an der Gedenkveranstaltung zum Fall der Berliner Mauer teil, Kronprinzessin Mette Marit hielt hier eine Rede. Sie zeigte sich tief beeindruckt, den 34. Jahrestages des Falls der Berliner Mauer an der Gedenkstätte verbringen zu können.

„Wir waren 16 Jahre alt. Der Kronprinz war in Oslo, ich war in Kristiansand. Wir versammelten uns mit unseren Klassenkameraden vor dem Fernseher. Und wie Tausende junger Menschen in ganz Europa hatten wir das Gefühl, Teil eines historischen Moments zu sein“, sagte die Kronprinzessin. „Mit einem Gefühl des Unglaubens und des kollektiven Sieges betrachteten wir die Bilder von Menschen, die auf der Mauer tanzten – diesem Symbol Nummer eins für Unterdrückung und Trennung. Wir werden die Fernsehaufnahmen von Tausenden von Menschen, die über die Grenze zwischen bis dahin getrennten Welten strömten, nie vergessen.“

Die Freiheit habe gesiegt, die Demokratie habe gesiegt. Die jungen Menschen hätten ein starkes Gefühl der Hoffnung, des Optimismus verspürt, sagte die Kronprinzessin. Das sei das Gefühl jener Novembertage vor 34 Jahren gewesen.

Glücklicherweise sei die Berliner Mauer nun Geschichte. Deutschland sei heute ein Garant für Frieden und Freiheit in Europa.

Norwegen bewundere die Bereitschaft und Fähigkeit Deutschlands, sich der Vergangenheit zu stellen. Förderung der Versöhnung im Namen der europäischen – und globalen – Gemeinschaft – es sei nicht selbstverständlich, dass Deutschland diese Rolle übernehmen würde, und es war nicht immer einfach. „Aber es ist Ihnen gelungen, und dafür danken wir Ihnen“, so die Kronprizessin weiter.

„Hier in der Gedenkstätte Berliner Mauer erinnern wir uns in tiefer Dankbarkeit an die vielen Menschen, die den Mut hatten einzustehen und für die Freiheit zu kämpfen – im Namen von uns allen, hier in Deutschland und auf der ganzen Welt.“

Aber was sei eine Mauer? Mauern seien physische Strukturen, können aber auch in unserem Inneren errichtet werden. Sie können aus Beton, Glas oder Metall gebaut sein. Sie können auch aus Intoleranz, Lügen und Feindseligkeit aufgebaut sein.

„Im Raum zwischen ‚ihnen‘ und ‚uns‘ entstehen Mauern. Sie basieren auf vergangenen Wunden und ererbten Konflikten. Von mangelnder Bereitschaft, die Perspektiven anderer zu akzeptieren. Aber als Menschen mit freiem Willen haben wir immer die Wahl. Wir können uns dafür entscheiden, Mauern zu bauen. Und wir können uns dafür entscheiden, sie niederzureißen.“

Die Kronprinzessin gedachte in ihrer Rede auch der Novemberpogrome vom 9. November 1938. „Wir werden uns weiterhin an das unerträgliche Leid der Juden während des Zweiten Weltkriegs erinnern und es nie vergessen“, sagte sie.

Leider würden in der Nachbarschaft wieder einmal Kriege toben. „Wir sind erschüttert über das menschliche Leid in der Ukraine und im Nahen Osten. Aber wir dürfen unsere Hoffnung auf die Kraft des menschlichen Willens, Konflikte zu lösen und Barrieren niederzureißen, nicht aufgeben. Wenn wir heute hier an der Gedenkmauer stehen, werden wir daran erinnert, dass das deutsche Volk genau das getan hat. Das gibt uns Hoffnung.“

Der Fall der Berliner Mauer habe eine neue Phase des Optimismus eingeleitet. Es sei der Beginn einer Bewegung hin zu mehr Freiheit und Demokratie in weiten Teilen der Welt gewesen. Auch wenn sich die Welt in den optimistischen Novembertagen des Jahres 1989 nicht ganz so entwickelt habe wie erhofft, so lebe das Erbe dieses Augenblicks weiter.

Es sei wichtiger denn je, es am Leben zu erhalten.

Die Kronprinzessin ermutige die Anwesenden und alle Menschen, zu hoffen. Sie beendete ihre Rede mit der Mahnung: „Denn auch wenn die Dinge schwierig sind und die Zukunft düster aussieht, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass wir die Zukunft gestalten. Wir gestalten alle gemeinsam die Zukunft. Wir müssen also weiterhin Mauern einreißen.

Denn – im besten Fall – ist uns klar, dass es ’sie‘ und ‚uns‘ nicht gibt. Es gibt nur ‚wir‘.“

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