Treibhausgasemissionen in Norwegen 2022 leicht gesunken – geringe Reduzierung gegenüber 1990

Seit 1990 sind die Emissionen in Norwegen um 4,6 Prozent gesunken.©ssb.no

Oslo, 3. November 2023. Der Ausstoß von Treibhausgasen ist in Norwegen im Jahr 2022 um 0,8 Prozent gegenüber 2021 gesunken. Das zeigen die endgültigen Zahlen zu den Emissionen des norwegischen Statistikamtes SSB. Unter anderem gingen die Emissionen der Öl- und Gasindustrie um 0,4 Prozent zurück, obwohl die Produktion stieg. Bis zur Erreichung der Klimaziele ist es allerdings noch ein weiter weg. Mit dem Pariser Abkommen hat sich Norwegen verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken. Gegenüber 1990 konnten die Emissionen bisher um lediglich 4,6 Prozent reduziert werden. Die Öl- und Gasindustrie ist mit einem Anteil von etwa 25 Prozent der größte Verursacher von Treibhausgasen.

„Es ist noch ein weiter Weg bis zum Erreichen der Ziele, auch wenn sechs von acht Hauptquellen eine gewisse Reduzierung der Emissionen verzeichnen“, sagt Trude Melby Bothner, leitende Beraterin bei Statistics Norway.

Die Öl- und Gasförderung trug im Jahr 2022 zu einem Viertel der Treibhausgasemissionen bei. Betrachtet man den Emissionstrend von 1990 bis 2022, so ist ein Anstieg um 46 Prozent zu verzeichnen, der auf die erhöhte Öl- und Gasproduktion in diesem Zeitraum zurückzuführen ist. In den letzten Jahren gehen die Emissionen allmählich zurück. Im Jahr 2022 stieg die Gesamtproduktion von Öl und Gas gegenüber dem Vorjahr, die Emissionen sanken um 0,4 Prozent.  Wie Melby Bothner erklärt, habe die Elektrifizierung des Schelfs und die stärkere Förderung von Erdgas zum Rückgang beigetragen.

Die Emissionen aus Industrie und Bergbau gingen von 2021 bis 2022 um 1,3 Prozent zurück. Der Rückgang ist teilweise auf die Schließung der Ölraffinerie in Slagentangen sowie geringere Emissionen aus der petrochemischen Industrie zurückzuführen, teilt Statistic Norway mit. Eine Steigerung der Produktion von Kunstdünger haben diesen Rückgang gemildert. Seit 1990 konnten die Emissionen aus Industrie und Bergbau um 40 Prozent gesenkt werden, was vor allem auf den Ausstieg und die Reduzierung der starken Treibhausgase SF6 und PFK aus der Metallindustrie zurückzuführen ist.

Die Emissionen aus dem Agrarsektor lagen im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 um 2,3 Prozent niedriger. Dies sei hauptsächlich auf weniger Milchkühe und einen geringeren Verkauf von Kunstdüngern im Jahr 2022 zurückzuführen. Seit 1990 hat die Landwirtschaft ihre Treibhausgasemissionen um 6,8 Prozent reduzieren können.

Im Jahr 2022 gab es einen starken Anstieg beim Verkauf von Elektroautos, was den Pkw-Verkehr emissionsfreundlicher machte, so Bothner. Zum Jahresende waren 21 Prozent der Pkw-Flotte vollelektrisch unterwegs .

Der Dieselabsatz stieg ab 2021 aufgrund von mehr Fahrten mit Lkw und Bussen, was zu höheren Emissionen beim Schwertransport führte. Gleichzeitig wurde der Anteil an Biokraftstoff im Kraftstoffgemisch reduziert (miljodirektoratet.no). Dies trug zu etwas höheren Emissionen bei. Insgesamt kam es daher im Jahr 2022 zu minimalen Veränderungen der Treibhausgasemissionen des Straßenverkehrs im Vergleich zu 2021. Gegenüber 1990 allerdings sind die Treibhausgasemissionen des Straßenverkehrs um fast 17 Prozent gestiegen. Die Emissionen von Pkw sanken in diesem Zeitraum um 21 Prozent, wurden aber von den Schwertransportern mehr als „aufgefressen“. Diese stiegen nämlich um 80 Prozent.

„Im Herbst dieses Jahres hat die Regierung einen Plan vorgelegt, wie wir im Einklang mit unserem selbstgesteckten Klimaziel die nichtquotierten Emissionen bis 2030 um 50 Prozent reduzieren wollen. Von der Vorlage eines Plans bis zur tatsächlichen Reduzierung der Emissionen vergeht Zeit. Je länger die Klimapolitik wirken kann, desto größere Auswirkungen wird sie auf Klimaeinsparungen haben“, sagte Klima- und Umweltminister Andreas Bjelland Eriksen anlässlich des Übergabe des Klimaberichtes des norwegischen Klimaausschusses, in dem unter anderem die endgültigen Zahlen zu den norwegischen Emissionen veröffentlicht wurden.

„Die Regierung legt konkrete Ziele für den Ausstieg aus fossilen Emissionen aus Industrie, Schifffahrt, Bau- und Baustellen sowie dem Straßenverkehr fest. Dies muss durch gezielte Initiativen geschehen, die Politikpakete bestehend aus Geboten, Verboten, Steuern und Förderprogrammen nutzen. Die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft führt zu konkreten Initiativen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen des Sektors, insbesondere der Emissionen aus der Viehhaltung. Darüber hinaus stärken wir Enova (die norwegische Wirtschaftsförderagentur im Umweltbereich, d.Red.)seit mehreren Jahren und verschärfen die Umwelt- und Klimaanforderungen im öffentlichen Beschaffungswesen. Dies wird dazu beitragen, unsere Klimaziele im Jahr 2030 zu erreichen und den Weg für 2050 zu weisen“, so Bjelland Eriksen weiter.

Der Vorsitzende des Klimaausschusses Martin Skancke (l.) und Umweltminister Andreas Bjelland Eriksen bei der Übergabe des Berichtes©regjeringen.no

Am 27. Oktober hat der Vorsitzende des Klimaausschusses Martin Skancke beim Kåkånomics-Wirtschaftsfestival in Stavanger den Bericht „Umstellung des Ausstoßes der Treibhausgase“ an Umweltminister Andreas Bjelland Eriksen. Darin empfiehlt der Klimaausschuss unter anderem die Ausarbeitung einer Strategie für die Endphase der Erdöliaktivitäten. Bis zum Abschluss einer solchen Strategie sollten keine weiteren Genehmigungen zur Exploration vergeben werden.

Finden Sie hier den Klimabericht 2050 (in norwegischer Sprache)

Die Erarbeitung eines Plans zum Ausstieg aus der Öl- und Gasindustrie lehnt Premierminister Jonas Gahr Støre allerdings ab. Der Klimaausschuss hatte in einem in der vergangenen Woche vorgelegten Bericht zum Stand der Klimaemissionen angeregt, dass keine weiteren Genehmigungen für die Exploration und Förderung von Erdl erteilt werden sollen, bevor eine endgültige Strategie für das Erdölgeschäft festgelegt wurde. Die Erarbeitung eines solchen Plans lehnte Premierminister Jonas Gahr Støre ab. „Wir werden die Entwicklung des norwegischen Festlandsockels nicht stoppen“, sagt Støre gegenüber E24.

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Drei Tage Oslo mit BusinessPortal Norwegen