Arctic Train in großen Schwierigkeiten

Das Interesse an Fahrten mit den Touristenzüge von Arctic Train auf der Ofotbanen bleibt weit unter den Erwartungen. Die Zukunft der Gesellschaft ist ungewiss. Im Bild: Arctic Train beim Zwischenhalt in Katterat.©Norwegian Travel

Narvik, 9. Oktober 2023. Die Fortsetzung der Touristenzüge von Arctic Train auf der Ofobanen von Narvik nach Bjørnfjell, der nördlichsten Eisenbahnlinie im Westen Europas, ist unsicher. Denn die Gesellschaft fährt hohe Verlust ein. So verlor Arctic Train in den letzten zwei Jahren 28 Millionen Kronen. Die Besitzverhältnisse sind kompliziert. Die Arctic Train Holding AS besitzt 100 Prozent der Anteile. Sie gehören dem Unternehmen Arctic Travel. Dieses wiederum gehört der Gruppe Norwegian Travel. Der Betreiber des Touristenzuges ist die TM Togdrift, die von der Narviker Baufirma Taralksvik Maskin gegründet wurde. 

Schon der Start von Arctic Train stand unter keinem guten Stern. Die erste Zugfahrt fand am 17. Mai 2020 statt – nach einem langwierigen Prozess von drei Jahren bis zur staatlichen Zulassung. Doch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt herrschte die Corona-Pandemie und die anvisierten Fahrgäste von Kreuzfahrtschiffen blieben – wie die meisten anderen Touristen – aus. Nach Corona kamen die Touristen ebenfalls nicht wie erwartet. Auch schlug der Versuch fehl, durch Fahrten bis ins schwedische Abisko mehr Reisende zu gewinnen. Zudem zeigen auch die Tour Operators kein großes Interesse. Im Gegensatz zur erfolgreichen Flåmsbana mit Bergen als Touristenmagnet im Hintergrund verfügt Arctic Train über nichts Gleichwertiges. 

Auf der Fahrt mit Arctic Train wird viel Wissen über die bewegte Geschichte der Ofotbanen vermittelt.©Norwegian Travel

Zu Beginn verkehrten noch bis zu drei Zugspaare täglich. Heute sind es in Narvik noch lediglich zwei Abfahrten pro Woche. Unterwegs informieren Zugbegleiter über die Landschaft und den Bau der Ofotbanen. Ab Dezember sollen wieder die Nordlys-Züge (mit dem Zug zum Nordlicht) angeboten werden. Zum Einsatz gelangt ein ehemaliger Vorortszug des Typs 69 der NSB, dessen Inneneinrichtung geschmackvoll aufgewertet ist. Tickets für den Arctic Train müssen übrigens vorab gebucht werden.

Es bleibt zu hoffen, dass Arctic Train einen Weg aus der Krise findet. Leider stehen die Zeichen dafür nicht sehr gut. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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Eine Fahrt mit dem Arctic Train auf der nördlichsten Bahn Norwegens